Der moderne Mann
Beziehungsstatus – Tüv-geprüft

Warum sollte man in Zeiten von Elitepartner und Parship die Partnerwahl dem Zufall überlassen? Diese Frage hört Herr K. oft von seinen Arbeitskollegen. Doch irgendwie kann und will er den Partnerbörsen nicht trauen.

Koslowski parshippt jetzt: „Ihr kennt mich“, fängt er in der Kantine zwischen Rohkost-Wrap und Bircher Müsli an. Oh ja, sie kennen ihn, denkt Herr K. Vor jedem Zahnbürstenkauf veranstaltet Koslowski Preisvergleiche und studiert Bewertungsportale. Controller eben.

„Warum sollte ich also ausgerechnet die Partnerwahl dem Zufall überlassen?“ Frau Stibbenbrook aus der Rechtsabteilung antwortet ebenso ungefragt wie schnippisch: „Vielleicht weil die Liebe eine Himmelsmacht ist und kein Youtube-Tutorial in Wahrscheinlichkeitsrechnung?“ Er ignoriert sie.

Erst sei er ja bei Elitepartner gewesen, aber dann hätte ihn doch der Service bei Parship überzeugt. Herr K. muss in sich hineinglucksen. Das Einzige, was Koslowski gefallen haben dürfte, waren sicher die Models, die in der Parship-Reklame immer aussehen, als seien sie Millionenerbinnen, Unterwäschemodels und Sportstudentinnen in Personalunion. Die Lücke zwischen Werbetraum und Realität klafft nicht mal in Badezimmer-Prospekten weiter auseinander, wo ja auch nie eine schmierige Shampooflasche oder nasse Socken auf dem Heizkörper die puristische Design-Eleganz stören.

Apropos schmierig: Koslowski wurde seinem Ruf als Zahlenfresser offenkundig auch bei Parship gerecht, denn ihm fiel auf: Bei einem halben Jahr Laufzeit kostet die Mitgliedschaft 74,90 Euro pro Monat, bei zwei Jahren nur noch 34,90. Koslowski konfrontierte die Parship-Hotline dann mit der Idee einer 20-jährigen Mitgliedschaft zu 2,99 Euro pro Monat, worauf sich die überforderte Servicekraft nicht einlassen wollte. Das Gespräch wurde aber sicher zu Testzwecken aufgezeichnet und sorgt in dem Callcenter noch lange für Erheiterung.

„Aber sonst war alles tutti paletti“, sagt Koslowski. Manchmal sagt er übrigens auch noch „zum Bleistift“ oder „Pozilei"“. Jedenfalls war er begeistert von Persönlichkeitsgutachten, kostenloser Android-App, Matchingpoint-System und Tüv-Prüfsiegel. Herr K. fragt sich insgeheim, wie Tüv-Ingenieure eine Partnerbörse prüfen, wird aber von Koslowski aus seinen Gedanken gerissen: „Das Problem ist eigentlich nur: Die meisten wollen höchstens was fürs Bett.“

Klar, da wäre der Endvierziger Koslowski mit kaputter Bandscheibe, Haarkranz und Minigolf-Faible natürlich der Hauptgewinn aller beziehungswilligen Großstädterinnen.

Frau Stibbenbrook steht jetzt brüsk auf und verschwindet mit ihrem Tablett. „Was hat sie denn?“, fragt Herr K. „Sie war der Grund, warum ich bei Elitepartner raus bin“, sagt Koslowski. „Wir wurden gematcht. Angeblich seien wir superkompatibel. Ich meine… hallo… das ist ja wohl der beste Beweis, dass die nicht seriös arbeiten.“

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist - beruflich wie privat - bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will künftig die Antworten liefern. Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

Die besten Kolumnen vom modernen Mann sind am 26. August im Gabal Verlag erschienen (14,90 Euro) – samt neuen Texten und allen Hintergründen rund um Herrn K. Hier können Sie das Buch zur Kolumne bestellen: kaufhaus.handelsblatt.com/herrk.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%