Der moderne Mann
Bitte biegen Sie jetzt rechts ab!

Irgendwann werden Maschinen unsere Jobs übernehmen, das weiß auch Herr K. Doch wenn er im Auto unterwegs ist, merkt er, dass es bis dahin noch ein langer Weg ist. Vor allem sein Navigationsgerät ist noch nicht so weit.
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So viel ist Herrn K. klar: Die Maschinen lernen. Sie haben begonnen, zu sprechen und zu denken. Es wird nicht mehr lange dauern, bis sie unsere Jobs übernehmen, was dann auch heißt: Sie werden sich in unnötigen Meetings zu Tode langweilen, sich bei ihren Chef-Maschinen einschleimen müssen und sich die Krätze ärgern, wenn statt ihrer der blöde neue Algorithmus aus dem Controlling befördert wird. Kurz: Sie werden den Tag noch verwünschen, an dem wir ihnen unsere Zukunft anvertrauten.

Dass es bis dahin doch noch ein weiter Weg ist, merkt Herr K., wenn er mit dem Auto unterwegs ist: Sein Navi neigt zu hysterischer Unentschlossenheit. Wenn es feststellt, dass irgendwo 50 Kilometer entfernt ein Sack Reis umgefallen ist, fordert es Herrn K. auf, sofort die Autobahn zu verlassen. Auf der nächsten Landstraße zwischen Schafscheißmühlen und Kleinblinsendorf lässt das Navi ihn dann umkehren, um genau dort wieder auf die Autobahn einzubiegen, wo Herr K. sie 20 Minuten vorher verlassen hat. Dazwischen changiert der errechnete Reiseweg zwischen eineinhalb Stunden und Weihnachten 2017.

Die Routensuche wird nicht dadurch vereinfacht, dass Herr K. parallel an seinem Handy herumnestelt, um via Google Maps eine zweite Meinung einzuholen. Herr K. findet: Was man heutzutage im Medizinbereich bei jedem Hautausschlag macht, kann ja wohl in puncto Verkehrsführung nicht schlecht sein. Google scheint immer besser informiert zu sein und malt Staus in dramatischem Rot auf seine Karten. Herrn K.s Navi verfügt dagegen über eine angenehme Frauenstimme, irrt aber eben oft und gern und bietet auch nicht die Alternativen, die Google parat hat... so in der Art: „Sie KÖNNEN natürlich auch andersrum, dauert dann eben vier Minuten länger. Ihre Entscheidung.“

Was Herrn K. ohnehin irritiert: Wenn alle dem gleichen Programm folgen, stecken doch alle auf identischen Ausweichrouten gleich wieder im Stau, oder? Theoretisch ist das so, praktisch auch. Es ist schon spätabends, und Herr K.s Dienstreise endet auf einem unbeleuchteten Waldweg zwischen 30 anderen Fahrzeugen. Das Navi hatte ihn von der Autobahn runtergeholt und kombiniert mit Google dann immer weiter ins Nichts gelockt.

Herr K. ist bereit, ihnen jetzt den Rest zu geben. Er spricht sein Handy an: „Siri, warum sind wir hier?“ Siri antwortet: „Ich verstehe deine Frage nicht.“ Im Verkehrsfunk geben sie gerade durch, dass der Stau auf der Autobahn sich aufgelöst habe. „Noch regieren wir“, ruft Herr K. und schaltet alles ab. Er wird den Weg allein zwar auch nicht finden, aber sich beim Scheitern angenehm selbstbestimmt fühlen.

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist - beruflich wie privat - bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will künftig die Antworten liefern. Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

Die besten Kolumnen vom modernen Mann sind im Gabal Verlag erschienen (14,90 Euro) – samt neuen Texten und allen Hintergründen rund um Herrn K. Hier können Sie das Buch zur Kolumne bestellen: kaufhaus.handelsblatt.com/herrk.

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  • Stimmt nicht. Die einzige Spielregel die es gibt, sind keine Kinder. Ansonsten ist meine Herzdame (inzw. sogar Verlobte) absolut gleichberechtigt. Und wird nach der Uni als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten. Wenn ich mit spätestens Mitte 40 mit dem Börsenzeugs aufhöre, und als GT3 -Fahrer im selbst finanzierten Team in der VLN mit einem R8 LMSultra teilnehme

  • Bin nur 2x im Jahr in der Domstadt. Im Frühjahr zur FIBO, da der Kolibri als Sportwissenschaftlerin nach dem Uniabschluss als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten wird, und wir uns dort weitergehende Expertise holen. Und im Sommer zu den Kölner Lichter wegen des geilen Feuerwerks am Rhein. Außerdem hatte ich mal dort eine City-Immobilie im Townhaus-Stil, die ich aber dieses Jahr verkauft habe.

  • Wer braucht denn " Online-Dating-Portale " wenn es Muckibuden zum Eisen biegen für uns Männer und für die Ladys den Knack-Po zum trainieren gibt ?

    Wenn ich Lust habe auf Spielbank, dann mache ich das ja auch nicht Online am PC. Sondern ziehe mir einen eleganten Smoking an, fahre nach Wiesbaden und verbinde das Ganze mit einem Besuch im Gourmetrestaurant Ente und einer Übernachtung im Nassauer Hof.

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