Der moderne Mann Bitte einen Bitcoin!

Warren Buffett und Herr K. haben eine Sache gemeinsam: Sie investieren nur in Dinge, die sie verstehen. Trotzdem will Herr K. jetzt bei Bitcoins einsteigen – und zählt dafür auf die Hilfe von Herrn Meyer von der Bank.
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Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an:  herr.k@handelsblatt.com
Herr K. – der moderne Mann

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an: herr.k@handelsblatt.com

Es gibt untrügliche Zeichen dafür, dass man älter wird. Wer zum Beispiel in den Spotify-Charts weniger als die Hälfte der Künstler kennt, ist sicher keine 30 mehr. Wer Spotify nicht kennt, dürfte klar Ü-50 sein. Und wer glaubt, dass Bitcoins „ein böses Ende nehmen“, ist mindestens 87 und heißt Warren Buffett.

Dass Herr K. sich der US-Investorenlegende wesensverwandt fühlt, kommt nicht oft vor. Aber beide stehen auf dem Standpunkt: „Ich investiere nur in Dinge, die ich verstehe.“ Gut, Herr K. versteht eine Menge nicht im großen Reich der Geldanlage. Seine eigene Finanzkarriere begann mit dem Weltspartag und führte über Bausparverträge und Lebensversicherungen bis zu dem schon sehr verwegenen Engagement in Telekom-Aktien. Aber wer bitte versteht Bitcoin? Ja, ja, Kryptowährung. Aber schon das bleibt für ihn ... genau ... kryptisch.

Währung – das waren früher Dollar, D-Mark oder wenigstens Panini-Bildchen. Und jetzt? Herr K. hat Geschichten über den Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto gelesen, von dem niemand weiß, wer hinter dem Pseudonym steckt, was die Sache ja nicht weniger dubios macht. Bitcoins werden irgendwie im Netz erschaffen. Blockchain-Technologie spielt dabei auch eine Rolle, die Herr K. ebenso konsequent nicht versteht.

Und dann sind Bitcoins wohl auch eher Algorithmen, die teils in riesigen chinesischen Server-Farmen „geschürft“ werden, die prompt mehr Strom fressen als respektable Schwellenländer. Wie hat man sich diese schürfenden Chinesen vorzustellen? Können die den Strom dann mit Bitcoins zahlen? Und wieso ist das heute alles so virtuell? „Deine Banküberweisungen trägst du ja wohl auch nicht in Schuhschachteln voller Hartgeld von Bank A zu Bank B“, sagt seine Frau. Und weil Herr K. an dieser Stelle wohl sehr traurig schaut, schickt sie ihn zu Herwig Meyer.

Meyer ist der Bankberater ihrer Stadtteil-Filiale, die demnächst dichtmacht. Ein menschliches Mahnmal wider die Disruption im Finanzsektor. Aber auch eine Instanz in Gelddingen. Herr K. lehnt sich über den Banktresen und murmelt verschwörerisch: „Ich möchte Bitcoins kaufen, Herr Meyer.“ Die beiden Männer schauen sich lange an.

Hinter Herrn Meyer blubbert ein Zimmerspringbrunnen. Dann sagt er: „Ich habe keine Ahnung, wie der Scheiß funktioniert. Und wissen Sie was: Ich werd’s auch nicht mehr lernen.“ Dann fügt Meyer noch an: „Seien Sie froh, dass man manche Dinge nicht so einfach kriegt. Sonst hätten Sie sich bestimmt im Affekt schon mal ’ne Pumpgun gekauft, oder?“

Herr K. würde ihm jetzt sogar Put-Optionen auf Kobalt-Förderer im Kongo abkaufen, murmelt aber nur: „Hm, älter zu werden ist gar nicht so schlimm. Wenn man Glück hat, wird man dabei sogar klüger. Finden Sie nicht, Herr Meyer?“ Herr Meyer schaut ihn ratlos an. Der Zimmerspringbrunnen sprudelt friedlich. Es fühlt sich jetzt sehr tiefschürfend an – auch ohne Bitcoin-Chinesen.

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist – beruflich wie privat – bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt’s auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will die Antworten liefern. Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

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