Der moderne Mann
Die drei Typen von Elternzeit-Vätern

Wenn Männer in Elternzeit gehen, haben sie dafür ganz unterschiedliche Motive. Die einen bleiben aus Überzeugung zuhause, die anderen um ihre Karrierechancen aufzupolieren. Herr K. denkt auch über eine Elternzeit nach.
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Elternzeit! Alle reden über Elternzeit ... also aus Sicht der Väter! Herr K. unterscheidet mittlerweile drei Gattungen von Elternzeit-Männern, wobei nur die erste Fraktion den Schritt seiner Ansicht nach aus purer Überzeugung macht. Das sind jene, die dann irgendwann in der Firma auftauchen, um stolz ihren Nachwuchs zu präsentieren wie jüngst Herrn K.s Kollege Spreekamp. Er trug keinen seiner früher üblichen Einreiher mehr, sondern ein kartoffelsackartiges Sweatshirt mit Breiresten auf den Schulterpartien und eines dieser geschickt verknoteten, mauvefarbenen Baby-Haltetücher überm Bauch, in dem sein acht Monate alter Sohn krähte.

„Das ist unser Jasper“, lächelte Spreekamp beseelt. Gut, Herr K. erinnert sich dunkel, wie man sich beim ersten Kind fühlt. Aber dermaßen verstrahlt war er nie, auch wenn er dem Kollegen seinen väterlichen Stolz wirklich weit mehr gönnt als Koslowski, der nach der firmeninternen Jasper-Präsentation meinte: „Spreekamp war immer schon der typische Beckenrandschwimmer. Bin gespannt, ob das Weichei noch mal zurückkommt oder gleich auf Waldorf-Tagesmutter umschult.“

Die zweite Variante von Elternzeit-Männern tut es, um sich irgendwie gut zu fühlen und die neu gewonnene Freizeit ansonsten für einen Zweitjob zu nutzen. Journalisten zum Beispiel gehen gern in Elternzeit, um endlich das Buch zu schreiben, für das sie früher nie Zeit hatten. Daraus wurde mittlerweile ein neues Genre von Väter-schreiben-Vätern-lustige-Erziehungsratgeber-Büchern. Herr K. weiß wirklich nicht, wieso die sich selbst für so witzig halten - zumal sie die Kinder, die sie beschreiben, ja wieder kaum sehen. Schließlich sitzen sie an dem Manuskript und lassen sich all die lustigen Huch-da-kam-das-Bäuerchen-Anekdoten wahrscheinlich eher von ihren entnervten Frauen erzählen. Diese Kategorie Mann zweckentfremdet die Elternzeit auch gern für Hausbauten oder Weltreisen durch günstige Schwellenländer.

Die dritte Väter-Variante geht aus purem Opportunismus in die Elternzeit ... um ein bisschen Ruhe zu finden im Kampf der Geschlechter oder weil man sich damit inzwischen bessere Karrierechancen erhoffen darf. Elternzeit-Männer gelten irgendwie als modern, dialog- und teamfähig. Auch Herr K. hat schon erwogen, damit beim Vorstand zu punkten. Zwei Monate würden ja reichen, zumal sein Sohn schon sechs und damit aus dem Gröbsten raus ist. Wenn die Firma mitspielen würde, ginge das noch in dem Alter. Er hat sich erkundigt. Auch der Wille zählt schließlich, obwohl er nicht so genau wüsste, was dann en détail von ihm erwartet würde.

„Kann ich dir erklären“, sagte seine Frau, als er sie in die vagen Pläne einweihte. „Du dürftest dich mit dem Unterschied von Koch- und Buntwäsche auseinandersetzen, mit hysterischen Muttis wohlstandsverwahrloster Hello-Kitty-Gören um die Spielplatz-Hoheit kämpfen und nachts die Laken wechseln, wenn dein Sohn Magen-Darm hat.“

Gut, er wollte wirklich. Seine Frau ließ ihn ja nicht.

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist - beruflich wie privat - bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will künftig die Antworten liefern.

Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

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