Der moderne Mann GroKo unterm Weihnachtsbaum

Herr K. stellt fest, dass er Angela Merkel immer ähnlicher wird. Mit der großen Politik hat er zwar nichts zu schaffen, aber im Büro und in den eigenen vier Wänden besticht er ebenfalls durch Alternativlosigkeit.
2 Kommentare
Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an:  herr.k@handelsblatt.com
Herr K. – der moderne Mann

Herr K. schreibt auf Handelsblatt Online über den Alltag des modernen Manns. Anregungen bitte an: herr.k@handelsblatt.com

Es war durchaus ein anstrengendes Jahr. Aber jetzt, rund um Weihnachten, fühlt sich Herr K. endgültig wie Angela Merkel. Natürlich nicht in einem persönlichen Sinne. Wer weiß schon, was in der Kanzlerin vorgeht, wenn sie abends nach Hause kommt, ihr buntes Sakko aus- und vielleicht die warmen Wollsocken überzieht? Herr K. sieht die Parallelen eher in einem übertragenen Sinne: Außenpolitisch (also in seinem Fall im Büro) ist er immer noch eine große Nummer. Innenpolitisch dagegen (also zu Hause in der Familie) kommt er sich dagegen bisweilen vor wie Hans Wurst. Da tanzen die Mäuse auf dem Tisch, und niemand hört auf ihn. Wirklich niemand. Nicht mal die Pizza-Hotline.

So ist das eben: Man könnte einerseits Atomwaffensperrverträge verhandeln oder den Mittleren Osten befrieden, und zur selben Zeit kündigt einem zu Hause ein alertes Bürschchen namens Christian Lindner die Freundschaft auf, die es nie gab. Herrn K.s Kinder sind das, was FDP oder Grüne für Frau Merkel sind: mal keifende, mal allzu anhängliche, aber immer nervtötende Kackbratzen bzw. Juniorpartner.

Ob seine Frau in dieser Machtkonstellation die SPD spielt, will er jetzt mal dahingestellt lassen. Aber so ähnlich muss sich Angela Merkel fühlen: Auf der Weltbühne gilt sie vielen weiter als bedeutendste Verteidigerin des freien Westens. Herr K. würde sich als Führungskraft im mittleren Management seiner Firma ja ganz ähnlich definieren, wenngleich er mit dieser Einschätzung schon in seiner Abteilung ziemlich allein sein dürfte. Aber egal. Wird Angela Merkel von Selbstzweifeln geplagt? Eben. Wer den Teich trockenlegen will, darf nicht die Frösche fragen.

Mit dieser Haltung kommt Herr K. indes innenpolitisch nicht weit, weil ihm ständig nicht nur große, sondern auch klitzekleine Koalitionen aufgekündigt werden. Da geht es nicht um Bürgerversicherung oder Klimapolitik. Schon pragmatische Fragen wie „Wer bringt den Müll raus?“ provozieren in der familiären Regierungsmannschaft mittlerweile regelmäßig Abspaltungskrisen.

Um das fragile Bündnis nicht endgültig zu gefährden, beschränkt sich Herr K. wie die Kanzlerin auf administrative Minimalanforderungen, was in seinem Fall grobmotorische Dienstleistungen bedeutet: Auto waschen, Getränkekisten schleppen, im Sommer Rasen mähen, im Winter Tannenbaum transportieren. Vielleicht hat ja auch Herr K. den Höhepunkt seiner Macht bereits überschritten. Vielleicht hat er den Schuss noch nicht gehört.

GroKo, KoKo, NoKo – Neuwahlen will auch in der Familie von Herrn K. niemand. Aber es läuft rund um Weihnachten jetzt doch alles auf eine geduldete Minderheitsregierung hinaus. Wobei er sich nicht mal sicher ist, wer da eigentlich wen regiert. Herr K. wird einfach weitermachen. Wie Angela Merkel. Beide sind alternativlos.

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist – beruflich wie privat – bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will die Antworten liefern. Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

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2 Kommentare zu "Der moderne Mann: GroKo unterm Weihnachtsbaum"

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  • „Schon pragmatische Fragen wie „Wer bringt den Müll raus?“ provozieren in der familiären Regierungsmannschaft mittlerweile regelmäßig Abspaltungskrisen“

    Deren Lösungsansatz vermutlich lautet: „Wen’s am meisten stört, der macht’s weg“ (was ihm - außer einer gewissen sofortigen Befriedigung - als Dank meist nur ein zuweilen etwas anstrengendes Leben einbringt).


    @Carlos Santos: „NEUWAHLEN wären und sind das einzige was Deutschland benötigt !!!“

    Bloß nicht.


    Ein frohes Weihnachtsfest allerseits!! Und ein besinnliches.

  • DER MODERNE MANN
    GroKo unterm Weihnachtsbaum
    von:
    Herr K.
    Datum:
    18.12.2017 12:09 Uhr

    .............................

    Der Politischer Weihnachtsbaum-Farbe ist SCHWARZ WEGEN TRAUER !!!

    Die Deutsche POLITIK HAT VERSAGT, damit sogar der Deutscher Bundespräsident !!!

    Wer Parteien fast unter zwang setzt zu einem ergebnis zu kommen fördert niemals die Demokratie und Ihre wahre Werte !!!

    NEUWAHLEN wären und sind das einzige was Deutschland benötigt !!!

    Man kann aber auch für die Deutsche Politik zu Weihnachten spenden, aber bitte keine Geldbeträgen, SONDERN TASCHENTÜCHER UM DIE TRÄNEN DES TRAUERSPIELS AUF ZU SAUGEN !!!

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