Der moderne Mann
Soll man noch in Griechenland Urlaub machen?

Im Sommer soll es wieder in den Urlaub gehen. Doch wohin nur? Für Herrn K. ist es in diesem Jahr ziemlich klar: nicht wieder nach Griechenland. Aber ist das die Idee einer gelebten europäischen Gemeinschaft?
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Die griechische Schuldenkrise erreicht die Familie von Herrn K. Diesmal geht es allerdings nicht um IWF-Notfallkredite, sondern um die pragmatische Frage: „Wo machen wir eigentlich im Sommer Urlaub?“ Seine Frau schaut beim Abendessen herausfordernd in die Runde: „Also ich wär‘ für Griechenland. Und ihr so?“

„Au ja, au ja“, kräht ihr sechsjähriger Sohn, „ich will wieder zu Robinson“, worauf Herr K. ihm erklärt, dass Robinson ein Ferienklub ist und kein griechischer Wirt wie Dimitrios, der sein Etablissement zwei Straßen weiter „Bei Dimitrio’s“ nennt. Dimitrios ist ein uralter Bartträger aus Patras, der chronisch über Brüssel und Berlin schimpft und seinen Landsleuten in Athen nicht nur in puncto kreativer Buchführung sehr ähnlich zu sein scheint.

Ach, diese Griechen! Man mag sie ja irgendwie, denkt Herr K. Sie haben die Demokratie erfunden, Tsatsiki und Vicky Leandros. Gut, sie haben’s nicht so mit dem Geld, aber das macht sie eigentlich ja auch wieder sympathisch. Manchmal.

„Du musse nisch sein so knauserig“, beschimpfte Dimitrios neulich Herrn K., als der das Trinkgeld auf fünf Prozent reduzierte, einfach weil der Wirt vorher zum Ouzo eingeladen hatte, der dann doppelt auf der Rechnung stand. Der ganze europäische Schuldenwahnsinn samt allen kulturellen Feinheiten kulminierte in jenem Moment in einer Vorstadt-Butze, die ein sehr pastoses Ölbild der Akropolis neben dem Spielautomaten hängen hat.

„Also ich würde von einem Griechenlandurlaub aktuell abraten. Die sind nicht sonderlich gut auf uns zu sprechen“, antwortet Herr K. seiner Frau. „Man muss auch das große Ganze sehen.“

„Was issen das große Ganze?“, mischt sich nun seine 16-jährige Tochter ein. „Dass wir von den Griechen dauernd verlangen, sich kaputtzusparen, und uns dann wundern, dass sie uns für diese tolle Idee nicht noch die Hotelrechnung erlassen?“ Sein Sohn kräht: „Ich will aber zum Robinson!“ Frau K. mischt sich grinsend ein: „Papa hat Angst, dass sie ihm auf dem Peloponnes heimlich ins Müsli spucken.“

„Hört nicht auf eure Mutter!“, sagt Herr K., der sich insgeheim ertappt fühlt. Er fürchtet sich davor, dass die Hellenen ihn für einen geizigen Nazi halten. „Wir können doch auch nach...äh...Italien oder...also Spanien ist auch schön.“

„Klar, dort haben sie uns Sparfüchse natürlich ganz dolle lieb“, gerät seine Tochter nun in Fahrt: „Und wenn die Griechen nicht spuren, bestrafen wir sie noch durch Liebesentzug auf dem einzigen Terrain, wo sie zurzeit noch Geld verdienen können: dem Tourismus! Ist das deine Idee einer gelebten europäischen Gemeinschaft?“ Aber das Killerargument kommt ihr erst jetzt: „Wieso lasst ihr mich überhaupt seit Jahren Griechisch lernen, wenn das Land so doof ist?“

Morgen wird Herr K. nach einem Robinsonklub suchen – in Griechenland.

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist - beruflich wie privat - bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will künftig die Antworten liefern.

Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

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    So... mal sehen. Letztens sagte mir unser Schornschteinfeger: Aber dass ihr Griechen uns wegen eurer Pleite hasst...
    Meine Antwort: Ich garantiere Ihnen keiner hasst "die Deutschen". Uns ist es wohl bewusst schuld an der Misere zu haben.
    Wären wir an Ihrer Stelle würden wir wahrscheinlich genauso denken. Wir würden es vielleicht nicht so laut herausposaunen.
    Aber wir sind bekanntermassen eher verschlagen und hinterhältig...

    PS: Der Euroraum ist auf dem Scheideweg. Etweder gibt es eine Gemeinsame Wirschaftspolitik mit allem was dazu gehört. Ja... auch Ausgleich zwischen den Europartnern, Eurobonds etc. oder aber ein Euroland nach dem andreren wird der überlegenen Wirtschaftskraft von Deutschland unterliegen und ausscheiden.

    LG

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