Der moderne Mann
Wie erklärt man die Euro-Krise?

Herr K. erklärt seiner Tochter beim Abendessen die Euro-Krise und ist ein bisschen stolz, dass das so gut gelingt. Zu gut - findet seine Frau. Aber wie soll man die Rolle der Banken denn sonst erklären?
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Kannst du mir mal diese Euro-Krise erklären und die Rolle der Banken?“, fragt die 16-jährige Tochter von Herrn K. beim Abendessen. Sie fixiert ihn über die Pfanne mit den provenzalischen Hackbällchen hinweg. „Jetzt nicht so en detail, mehr so im Groben.“ Herr K. schaut seine Tochter an. Seine Frau schaut ihn an. Auch sie wirkt interessiert.

Euro-Krise erklären ... das ist ja mal was Neues. Scheint eine Marktlücke zu sein. „Was willst du genau wissen?“, fragt er seine Tochter. „Na ja, wie das alles so kam mit Schuldenkrise und so und wieso dieser alte Italiener“ - sie meint wohl EZB-Chef Mario Draghi - „jetzt irgendwelche Geldschleusen öffnet, und wo ich mich da anstellen muss, damit ich auch was abkriege. Ich meine ... hallo ... wie geht DAS denn: Geld billig machen?“ Herr K. vergisst zu lachen. Er ist damit beschäftigt, Ordnung in seine Gedanken zu bringen.

„Also begonnen hat es in den USA, als das Geld dank niedriger Zinsen so billig wurde, dass selbst die ärmsten Leute sich plötzlich ein Haus leisten konnten.“ Herr K. nimmt Fahrt auf. Wie die Banken damit ein Geschäft machten. Wie sie diese Kredite wiederum in Pakete verpackten und weiterverkauften. Wie dann die Schuldner irgendwann nicht mehr zahlen konnten und erste Institute in den USA und dann auch in Europa zusammenbrachen. Wie aus der Immobilien- erst eine Banken- und dann eine Staatsschuldenkrise werden konnte. Er erklärt, weshalb die Südländer nun sparen sollen und warum zum Beispiel die Griechen das gar nicht gut finden.

Die „Sendung mit der Maus“ könnte seine für jedermann verständlichen Erklärungen sofort senden, findet Herr K. Er ist ein bisschen stolz auf sich, als seine Tochter nachfragt: „Aber sind die Banker dann nicht ziemlich miese Finger? Erst zocken sie, dann lassen sie sich von uns Steuerzahlern retten. Und am Ende geben sie nicht mal dann Kredite, wenn ihnen die Kohle zu den Ohren rauskommt.“

Er ist jetzt auch ein bisschen stolz auf seine Tochter: „Wenn du so willst ...“ - „Thanks“, sagt seine Tochter, steht auf und verschwindet in ihr Zimmer: „Ciao.“

Herr K. schaut seine Frau an und bemerkt, dass gerade irgendetwas sehr schiefging. „Na toll“, sagt sie. „Das hast du ja super hingekriegt.“

Herr K. schaut ratlos, deshalb muss sie es ihm erklären: „Wenn du dir jetzt aus-nahms-weise mal Mühe gegeben hättest, fände sie so eine Bankkarriere noch toll angesichts der Gagen. Sie würde nach dem Abitur irgendwas mit Economy studieren, bei Goldman Sachs Karriere machen und unseren Lebensabend mit ihren künftigen Boni verschönern. Klar so weit?“ Klar so weit. „Jetzt aber findet sie Banker endgültig doof, wird Kunstgeschichte oder Sozialpsychologie wählen, nebenher kellnern und sich in verkrachte Hiphopper verknallen, die gern die Wall Street occupyen. Das war's dann mit unserer Rente.“

Herr K. ist jetzt 45 Jahre alt. Es gibt Momente, da fühlt er sich sehr viel älter.

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist - beruflich wie privat - bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will künftig die Antworten liefern.

Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

Kommentare zu " Der moderne Mann: Wie erklärt man die Euro-Krise?"

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  • ist doch ganz einfach! das geht mit 1 Satz mit 4 Worten! die Welt ist Pleite!

  • Es könnte doch aber auch sein, dass die Tochter, weil sie mehr verstehen möchte von Zusammenhängen, Volkswirtschaft und Politikwissenschaften studiert, um einen Kulturwandel in einigen Geldinstituten mit inswerk zu setzen...

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