Der moderne Mann
Wie man eine politisch korrekte Weihnachtsfeier plant

Schon wieder Weihnachten und Herr K. muss eine Feier planen. Schwierig, wenn man dabei auch an die Umwelt denken muss. Und die Vegetarier. Und die Mitarbeiter mit Migrationshintergrund. Ob das noch eine Feier wird?
  • 0

Konferenzraum XII.23-25 A, 17.15 Uhr, Sitzung der AG Weihnachtsfeier. Es treten auf: Frau Stibbenbrook, die Herren Berger, Koslowski und K. In der Tischmitte: die Bahlsen-Adventsmischung. Einziger Tagesordnungspunkt: Planung der firmeninternen Weihnachtsfeier. Frau Stibbenbrook aus der Rechtsabteilung ergreift das Wort: „Wie Sie alle wissen, kann der Kollege Treuenfels die Organisation nicht mehr übernehmen. Deshalb ist es nun an uns, ein geeignetes Event zu incentivieren.“

Koslowski aus dem Controlling prescht vor: „Sagen wir's, wie's ist: Land und Firma florieren. Die Mannschaft will mal wieder Schrille Nacht.“ Stibbenbrook geht dazwischen: „Sie meinen jetzt nicht die Stripperinnen, die Sie mal als Weihnachtsengel engagiert haben!? Das war frauen- und menschenverachtend.“ Koslowski verstummt, erinnert sich aber daran, dass das einzig Unattraktive an den drei Damen seiner Meinung nach deren hoher Stundensatz war.

„Wie wäre es mit einem Klettergarten ... Familienspirit und so“, versucht es der durchtrainierte Berger aus dem Marketing, worauf Herr K. trocken bilanziert: „Firmenjubiläum Sommer 2011, Sauerland, zwei Oberschenkelhalsbrüche, eine Frühverrentung.“ - „Machen Sie doch 'nen besseren Vorschlag!“ Herr K. überlegt: „Es muss doch nix Spektakuläres sein. Gans-Essen irgendwo hinterm Berg. Busse. Wandern Schrägstrich Schlittenfahrt.“

Frau Stibbenbrook schaltet sich wieder ein: „Wir müssen auch an unsere Ökobilanz denken. Und an unsere Kollegen mit Migrationshintergrund. Nicht nur bei der Wahl des Essens.“ Koslowski kichert: „Sie meinen Üzgür aus der Poststelle? Sehr viel mehr haben wir doch gar nicht. Außerdem isses nun mal Weihnachten und nicht Ramadan. Ihr könnt ja 'nen Hassprediger einladen!“, worauf Frau Stibbenbrook aufschreit: „Jetzt reicht's, Herr Koslowski!“ Nur noch die Klimaanlage brummt klagend ihr Lied.

„Mir braucht ihr eh kein Fleisch mehr vorzusetzen“, versucht Berger, die aufgeheizte Stimmung zu beruhigen. Seit Sommer ist er Vegetarier. „Und ich bin da nicht alleine.“ Frau Stibbenbrook notiert: „Also wenn Büfett, dann auch was Salatiges?“ Sie schaut in die Runde. „Und dann hängen wir gemeinsam Tofu-Taler an die ökumenische Weihnachtspalme“, mault Koslowski, als die Tür aufspringt und Frau Dr. Schwielow aus dem Vorstand hereinweht: „Ah, hier wird schon fleißig gebrainstormt. Will ich gar nicht stören, nur so viel: Die Geschäftsleitung möchte dieses Jahr nichts Großes. Werte sollen im Mittelpunkt stehen. Auch Bescheidenheit ist ein Wert.“

Am Ende wird es keine Feier geben, sondern eine Spendenaktion zugunsten syrischer Flüchtlings-Waisenkinder. Koslowski rehabilitiert sich mit einer Idee, die Zeitgeist und Nachhaltigkeit auf überraschende Weise vereint: Die Spenden sollen mit einer betriebsinternen „Lemon Face Challenge“ zusammenkommen. Die Zitronen muss Herr K. besorgen ... Fair Trade. Klar.

Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

Kommentare zu " Der moderne Mann: Wie man eine politisch korrekte Weihnachtsfeier plant"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%