Der moderne Mann
Wie wird man zum Grillmaster? (Finale)

Herr K. hat einen neuen Gasgrill bekommen, beim „Grilling Campus“ teilgenommen – und sich vor seinen neuen „Grill-Freunden“ hemmungslos betrunken. So konnte es nicht weitergehen. Da hat Frau K. eine Idee.
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Die Frau von Herrn K. will es jetzt wissen. Schließlich hat sie ihn einen Gasgrill kaufen lassen zu einem Preis, für den man in schlecht beleuchteten Industriegebieten „1A Premium“-Gebrauchtwagen bekommt. Sie hat ihm „Beef“ gekauft, diesen Buletten-Porno für den urbanen Akademiker. Sie hat ihm die Teilnahme an einem „Grilling Campus“ geschenkt. Und der einzige Erfolg war, dass er sich dort sturzbetrunken sein schütteres Haupthaar mit Gemüse dekorierte, als sie ihn abholte. Dazu nuschelte er, mit einem Fleischspieß zwischen den Zähnen: „Ch chab ne Chwiebel auffem Kopp, ch bin n Döner!“ Er ist jetzt Mitte 40, und natürlich war die Aktion ihm selbst peinlich, aber zugleich seine einzige Rettung vor seinen neuen „Grill-Freunden“.

Nun muss etwas passieren, und Frau K. weiß auch was: Barbecue bei den Schmidts. Irene ist Art-Consultant einer Privatbank, Claus Partner einer großen Rechtsanwaltskanzlei. Als sie abends in deren fackelbeschienenem Garten ankommen, plaudern alle schon, nur Claus steht hinter seinem Riesenmonstergrill, den er den ganzen Abend auch nicht mehr verlassen wird. „Huhuuu“, winkt er sie heran und hört in den nächsten Stunden nicht mehr auf mit Huhuuuhen.

Erst als gegen Mitternacht die ersten Gäste gehen, zieht er sich sein Schürzchen aus und erfreut die anderen mit Schnurren aus seinem neuen Leben als Filetier-Fetischist: dass er sich jetzt ein Asado-Kreuz kaufen wolle, auf dem er künftig komplette Lämmer grillen könne. Dass Irene sich neulich an Zitronen-Thymian-Bratwürsten im Schafsaitling versucht habe … „und gaaar nicht mal so gut … haha!“, lacht Claus.

Als sie abends nach Hause fahren, ist es nicht Herr K., sondern seine Frau, die anfängt zu reden: „Sag nix!“, sagt sie und starrt durch die Windschutzscheibe. „Natürlich hab‘ ich gemerkt, wie sich Claus zum Dödel macht mit seinem albernen Edelstahl-Klotz!“ – „Hmmm“, sagt Herr K., der ahnt, dass das hier ohne sein Zutun in die richtige Richtung laufen wird. „Zehn Minuten hat er mir fast das Ohr abgefressen, um mir allein die Segnungen seines Digital-Taschenthermometers zu erklären … geht’s eigentlich noch? Dabei wollte ich nur eine stinknormale Bratwurst.“

Sie redet sich jetzt in Rage. „Und als ich nach dem Ketchup fragte, sagte er: ‚Probier doch lieber mal meinen selbst gemachten Red-Creole-Dip … Gnägnägnä!“ Herr K. lächelt still vor sich hin. Als sie zum Schluss schimpft „Ihr spinnt doch alle mit eurer Grillerei. Da seid ihr ja die größeren Mädchen als wir im Outletcenter“ will er kurz protestieren, denn seine Idee war das ja nun wahrlich nicht. Dann lässt er es lieber.

Am nächsten Morgen ruft er Koslowski an, um ihm sein nagelneues Gasmonstrum zu verkaufen. Abends sitzt Herr K. mit seiner Familie um den kleinen, alten Elektrogrill herum und freut sich an den bleichen Wurstzipfeln. Es schmeckt nicht besonders, fühlt sich aber wahnsinnig echt an.

Als Herr K. Abitur machte, waren Computer noch etwas für die komischen Typen aus der Informatik AG. Damals kriegten die kein Mädchen ab, heute kontrollieren sie Hidden Champions im Bereich Business Solutions mit Standorten auf drei Kontinenten. Es gab noch keine Smartphones, kein Internet, keine Generation Y, nur Kassettenrecorder, Wählscheibentelefone und sogar die DDR. Patchwork war allenfalls Omas Auslegeware. Herr K. ist - beruflich wie privat - bisweilen irritiert von dieser sich rasant verändernden Welt, will sich aber nichts anmerken lassen. Er ist jetzt in einem Alter, in dem es um letzte Fragen geht: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und wie viel Bonusmeilen gibt's auf dem Weg dorthin? Diese Kolumne will künftig die Antworten liefern.

Anregungen für Herrn K. bitte an: herr.k@handelsblatt.com oder folgen Sie Herrn K. auf Twitter: @herrnK

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