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Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz
„Die Belegschaft kann nur so gut sein wie die Gesellschaft"

Kaum jemand klagt gegen den eigenen Chef

Denn die Gerichte können bislang nur selten in Sachen Diskriminierung für Gerechtigkeit sorgen. Nur rund 1.400 Urteile mit AGG-Bezug sind ergangen. Das liegt neben der häufig schwierigen Beweislage auch daran, dass in einem bestehenden Arbeitsverhältnis kaum jemand gegen den Chef klagt. Zu den wenigen, die nicht nur recht, sondern auch Schadensersatz bekamen, gehört eine Abteilungsleiterin von Sony, die sich auf ihre vereinbarte Beförderung freute. Als sie ihren Arbeitgeber allerdings über ihre Schwangerschaft informierte, erhielt ein Mann den Job und sie den Rat ihres Chefs: "Freuen Sie sich auf Ihr Kind." Rund 17.000 Euro sprachen ihr die Richter für diese Benachteiligung zu.

Zwar bewahrheitete sich die Angst der deutschen Arbeitgeber nicht, die mit der Einführung des AGG eine Klagewelle erwartet hatten. Mit der geplanten Verschärfung droht die alte Angst jedoch neu aufzuflammen, falls die Chefs Diskriminierungen nicht aktiv vorbeugen.

Hier die sechs Baustellen der Benachteiligung plus nachahmenswerte Ideen von Arbeitgebern für mehr Vielfalt und Fairness:

Geschlecht

Der Fokus der Vielfaltsbemühungen liegt eindeutig auf mehr Geschlechtergerechtigkeit. Kaum ein Unternehmen, das hier nicht in Sachen Arbeitgeberimage punkten will. Doch schaut man genauer hin, ist die weibliche Hälfte der Bevölkerung noch immer weit entfernt von gleichberechtigter Teilhabe an der Macht: Am besten sieht es beim Frauenanteil noch in Aufsichtsräten der 160 Dax-Unternehmen aus: 26 Prozent der Sitze sind in weiblicher Hand. In den 30 größten börsennotierten Unternehmen sind es sogar 31 Prozent.

Doch betrachtet man die Vorstandsebene, sieht es düster aus. In den 30 größten deutschen Unternehmen liegt der Anteil der weiblichen Vorstände zum ersten Mal bei über zehn Prozent. Bei den 160 größten Unternehmen sind es jedoch nur sieben Prozent. Monika Schulz-Strelow, Präsidentin der Initiative für mehr Frauen in Aufsichtsräten (Fidar), ärgert es besonders, dass manche Firmen ihre neuerdings gesetzlich vorgeschriebene Zielquote frech auf null Prozent gesetzt haben. "Es ist politisch nicht korrekt, keine Frauen in der Unternehmensführung zu haben", sagt sie. "Das sollte auch ohne Gesetz selbstverständlich sein. Doch mantra-artig bringen die Herren, die unter sich bleiben wollen, als Rechtfertigung für den offensichtlichen Missstand vor: Es gäbe nicht genug Frauen, die reif für Top-Positionen seien. Allen Förderprogrammen und Frauennetzwerken zum Trotz, die seit Jahren wirtschaftskompetente Frauen produzieren.

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