Bitte kein Weichei: „Politisch korrekter Klugscheißer“

Bitte kein Weichei
Was es heute heißt, Mann zu sein

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„Politisch korrekter Klugscheißer“

Wenn zum x-ten Mal jemand über den eigenen Sohn die Bemerkung fallen lässt, dass dieser „für einen Jungen schon recht weit entwickelt sei“. Oder wenn jede einzelne Handlung, die ein Vater an und mit seinem Kind voll bringt, von der Mutter überwacht, korrigiert, neu durchgeführt oder aber überheblich bis abwertend kommentiert wird.

Dass das mit dem ritterlichen Eingreifen, der männersolidarischen Wortschwert-Gefechtsbereitschaft nicht so einfach ist, weiß ich leider nur all zu gut. Wie häufig erlebe ich selbst solche Situationen, wie ich sie eben geschildert habe – und wie häufig sage ich mal was? Verdammt selten. Zu groß ist meist die Angst, die gute Stimmung zu vermiesen, als „politisch korrekter Klugscheißer“ betrachtet oder generell von all den ja durch aus netten Lehrerinnen, Spielplatzbekanntschaften, Vätern oder Müttern der Freunde meiner Kinder schräg angeguckt und letztlich gemieden zu werden. Schon oft habe ich mir bei nachmittäglichen Zusammentreffen mit anderen Elternpaaren die Zunge halb blutig gebissen, um nicht entweder die Mutter des Hauses zynisch um Erlaubnis zu fragen, ob ihr Mann und ich mal unsere jeweiligen Jüngsten wickeln gehen dürften, oder aber den Mann selbst anzuschreien: „Wehr Dich mal, Mann, wehr Dich mal!“

Okay, okay, auf diese Art und Weise sollte man vielleicht auch nicht vorreiten. Also beiße ich weiter doof auf meiner Zunge herum, auch weil ich weiß, dass meine Frau zwar meine Väter-Solidarität durch aus gutheißt, es aber aus gesprochen schätzt, dass wir noch Bekannte und Freunde haben, die uns weiter hin einladen. Feige ist es trotzdem. Aber, geschätzte Männer, wenn wir uns nicht zur Wehr setzen gegen all diese stereotypen Zuschreibungen und diese Abwertungen, dann wird sich auch nichts verändern. Wie denn auch?

Wir können kaum von den Frauen erwarten, dass sie das „Aufbegehren gegen Männerdiskriminierungen“ für uns über nehmen. Empören müssen wir uns schon selbst. Ach so, fast hätte ich es vergessen bei all der Fokussierung auf die Männerabwertung: Natürlich sind die weiterhin erstaunlich verbreiteten Frauenabwertungen, die dümmlichen Witze, die anzüglichen Bemerkungen ganz genau so ärgerlich. Bitte, Männer, lassen wir das sein! Und lachen wir auch nicht weiter höflich mit, wenn unser Nebenmann so etwas erzählt! Ich möchte hiermit auch ganz explizit all die wunderbaren Kollegen, die mich für Vorträge anfragen, herzlich darum bitten, sicherzustellen, dass ich nicht nach dem Vortrag von dem Leiter der Klinik, Beratungsstelle oder Kultureinrichtung dummbräsig auf die körperlichen Vorzüge bestimmter Zuhörerinnen angesprochen werde.

Wenn Sie tatsächlich noch so eine Sorte Chef haben sollten, schenken Sie ihm halt für den Vortragsabend Theaterkarten oder sperren Sie ihn die Besenkammer, ist mir egal. Aber halten Sie ihn fern von mir! Ich bin es so der maßen leid. Wenn irgend ein Mann auf diesem Planeten tat sächlich noch erstens glaubt und zweitens ausposaunt, Frauen befänden sich grundsätzlich nicht auf Augenhöhe mit Männern, weil sie angeblich schlechter einparken oder gelegentlich mal links und rechts verwechseln, dann möge er sich bitte den Mund mit Seife waschen! Und zwar gründlich!

Kommentare zu " Bitte kein Weichei: Was es heute heißt, Mann zu sein"

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  • @G. Nampf: Die sind doch normalerweise speihässlich, egomanisch und im besten Fall sogar lesbisch, und scheiden daher für die Partnerinnenwahl sowieso aus.
    Und auf deren Meinung ist gesch.... also sollten die doch gar keine Rolle spielen. Ausser im Medien-Mainstream, da haben sie zusammen mit den Schwulen einen gewissen Einfluss. Siehe "Die Verschwulung" von Akif Pirincci.

  • Erst wenn Männer lernen, sich von linken öko-Feministinnen und deren Gesinnungsterror zu emanzipieren, werden Männer wieder Männer werden.

  • Was richtige Männer gar nie brauchen, oder gebraucht haben, ist ein Männertherapeut.
    ICH habe zeitlebens mein Ding gemacht und nie gefragt, wie andere mich haben wollen.
    Mit bestem Erfolg. Ich habe 2 tolle Söhne, die ich in meinem Sinne erziehe, auch das läuft bestens bisher. Die Frau an meiner Seite zieht mit, die anderen vorher sind irgendwann ausgestiegen (worden). Finanziell unabhängig, mit großem Freundeskreis ausgestattet, könnte mein Leben supertoll sein, wenn wir nicht diese abartige, schädliche Regierung hätten. Denn leider sehe ich die Gefahr, dass die mein Leben und das von uns allen kaputt machen werden mit ihrer Irrsinns-Politik.

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