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Claudia Michalski
„Du kannst alles, was du wirklich willst“

Was bringt eine erfolgreiche Frau kurz vor 50 dazu, noch einmal ganz neu anzufangen? Was motiviert sie und wo schöpft sie neue Kraft, wenn es stürmisch wird? Ein Gespräch mit Claudia Michalski.

DüsseldorfClaudia Michalski ist eine der Gewinnerinnen des Wettbewerbs „25 Frauen, die wir bis 2025 als Dax-30-CEO sehen wollen“, den das Handelsblatt mit der Plattform Edition F und der Huffington Post ausgerichtet hat. Die 49-jährige Volkswirtin, die schon zum Goldschürfen in Finnland unterwegs war und früher gern ihre Urlaube in Alaskas Wildnis verbrachte, hat sich gerade einen Traum erfüllt und wird Unternehmerin in Berlin. Im Interview spricht die ehemalige Geschäftsführerin der Verlagsgruppe Handelsblatt bei einer Tasse Kaffee (stark bitte und ohne Milch) über den Mut, einen Neuanfang zu wagen, die Angst, zu scheitern und über die Frage, wie ihr Verhältnis zur Macht ist.

Frau Michalski, viele Menschen haben Angst vor Veränderung – Sie canceln gerade ein geregeltes Leben als Geschäftsführerin und wagen etwas Neues! Was hat Ihnen denn nicht mehr gefallen?
Diesen Schritt zu gehen war keiner weg von irgendwas sondern einer hin zu mehr Selbstbestimmung und eigenem Gestaltungsspielraum. Ich habe 25 Jahre lang in festen Strukturen gearbeitet. Sei es als leitende Angestellte oder in den letzten zwölf Jahren dann als Geschäftsführerin. Immer gab es Gremien, die ich befragen musste, wenn ich etwas tun wollte.

Was ja auch durchaus normal und richtig so ist...
Keine Frage, ich kritisiere ja nicht das Prinzip an sich, aber ich habe gemerkt, dass ich zu alt dafür werde, zu eigensinnig und zu ungeduldig. Im Januar feiere ich meinen 50. Geburtstag, das ist schon ein Einschnitt. Da stellt man sich schon die Frage, wie man in Zukunft leben will. Und ich habe mich für mehr Selbstbestimmung entschieden – das Risiko ist dabei einkalkuliert.

Also ist es nie zu spät für einen Aufbruch?
Es wäre naiv zu sagen, dass es nie zu spät ist. Ich bin ein rationaler und abgeklärter Mensch, insofern sage ich ja und nein. Emotional betrachtet ist es nie zu spät, faktisch kann es durchaus manchmal zu spät sein. Aber mit 50 Jahren hat man ja noch satte 20 Arbeitsjahre vor sich. Und Aufbruch im Wortsinne hat ja auch etwas von Befreiung. Man bricht etwas Altes auf und geht in etwas Neues hinein. Die Energie, die das freisetzt, das erlebe ich gerade bei mir, rechtfertigt alles.

Sie sagen, Sie gehen mit zwei lachenden Augen. Fällt Ihnen der Abschied trotzdem ein bisschen schwer?
Absolut, der fällt mir schon schwer, weil es auch ein Abschied von sehr vielen netten und offenen Menschen ist, die mir den Einstieg hier damals leicht gemacht haben. Das werde ich sehr vermissen, aber ich werde sicher zu vielen Kontakt halten, nicht zuletzt über die sozialen Netzwerke. Was mir auch fehlen wird: der Rhein. Dieser große, markige Fluss, der quasi auch mein Leben teilt, weil ich auf der einen Seite wohne und auf der anderen arbeite. Immer wenn ich über den Rhein fahre, erlebe ich das bewusst als etwas sehr Schönes.

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