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Elke Strathmann
Zu viele Männer

In der Pressemitteilung hieß es nur lapidar: „Das Mandat von Frau Strathmann wurde mit sofortiger Wirkung einvernehmlich beendet.“ Über die Gründe für das Ausscheiden der Conti-Vorzeigefrau kann nur spekuliert werden.
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HamburgVor zwei Wochen wurde Elke Strathmann 56 Jahre alt. Nach Feiern dürfte der sonst so lebensfrohen Managerin allerdings kaum zumute gewesen sein. Sie war nicht erreichbar, verschanzte sich im Urlaub. In den nächsten Wochen muss sie sich eine neue Aufgabe suchen - überraschend verlängert der Dax-Konzern Continental ihren Ende 2014 auslaufenden Vertrag nicht. Anfang des Jahres schien der neue Vertrag nur eine Formsache zu sein.

Doch dann drehte die Stimmung an der Spitze des Autozulieferers und Reifenherstellers in Hannover. Dem Vernehmen nach gab Vorstandschef Elmar Degenhart dem Drängen verschiedener einflussreicher Manager nach, darunter auch Vorstandskollegen von Strathmann.

„Sie ist zu vielen Männern mit ihrer selbstbewussten Art auf die Füße getreten“, heißt es in Kreisen des Aufsichtsrats. „Vielleicht hätte sie sich mit mehr Diplomatie einen Gefallen getan.“ Die Arbeitnehmer standen dem Vernehmen nach hinter Strathmann als Personalvorstand und Arbeitsdirektorin - doch Contis Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle leitete auf Wunsch von Degenhart die Trennung ein, nachdem Strathmann an entscheidenden Stellen Rückhalt verloren hatte.

Continental äußert sich auf Anfrage nicht zu der Personalie. Weder Reitzle noch Strathmann selbst waren erreichbar. Der Grund für die Trennung ist offenbar vorwiegend atmosphärischer Natur. „Es braucht nun mal Zeit, bis sich ein solcher Kulturwandel vollzieht“, hatte Strathmann zuletzt gesagt. „Ich bin mir bewusst, dass ich für viele eine große Projektionsfläche darstelle und mein Verhalten stärker beobachtet wird. Deshalb brauchen wir auch allgemein mehr Frauen und internationale Mitarbeiter in unseren Führungsgremien, damit Vielfalt zur Normalität wird.“

Strathmann führte bei Conti moderne Instrumente des Personalmanagements ein, sprach sich aber gegen Frauenquoten aus. Unter ihr stieg der Frauenanteil unter den 3.000 Topmanagern des Konzerns von sieben auf neun Prozent. Die anerkannte Personalmanagerin sitzt erst seit Januar 2012 im inzwischen neunköpfigen Vorstand des Konzerns. Sie kam vom Nahrungsmittel-Multi Nestlé, war zuvor in leitenden Positionen bei Johnson & Johnson und Procter & Gamble.

Entsprechend stolz war Reitzle einst auf die Verpflichtung einer Managerin gewesen. „Mit Frau Strathmann haben wir eine international erfahrene Personalexpertin gewinnen können“, sagte er. „Sie übernimmt das Personalressort in einer Phase hochgesteckter Wachstumsziele, in der es für Continental als attraktiven Arbeitgeber mehr denn je darauf ankommt, weltweit die besten Talente zu finden.“

In der neuen Position hatte sie die Aufgabe, die Personalarbeit nach vielen Zukäufen, besonders des Konkurrenten VDO, zu vereinheitlichen und zu modernisieren. Reitzle hatte im Vergleich zu anderen Dax-Konzernen erheblichen Nachholbedarf ausgemacht. Offenbar stieß die diplomierte Mathematikerin dabei auf erheblichen Gegenwind in einigen der fünf Divisionen. Conti arbeitet sehr dezentral.

Reitzle und Degenhart haben den Konzern nach der Übernahmeschlacht mit Großaktionär Schaeffler stabilisiert und zurück auf Wachstumskurs gebracht. Degenhart startete einen Kulturwandel im traditionell zahlenlastigen und von Männern dominierten Konzern.

Im Fall von Strathmann habe er sich aber den traditionellen Kräften gebeugt, heißt es in Konzernkreisen. „Eine Frau und dann auch noch aus der Konsumgüterindustrie, damit konnten einige nicht umgehen“, sagen Beobachter. Vorgänger Heinz-Gerhard Wente führte parallel die Industriesparte Contitech, der frühere Personalchef Thomas Sattelberger kümmerte sich mehr um Visionen als um Details. Dem Vernehmen nach favorisiert Reitzle trotz des gescheiterten Experiments erneut eine Frau für den wichtigen Personalposten. Strathmann schwante schon im Februar: „Frauenförderung funktioniert natürlich nicht ohne Männer.“

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur

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