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Ex-FBI-Direktor James Trainor

„Es ist nicht einfach, so viel zu wissen“

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Was für Menschen sind Hacker?
Acht IT-Sicherheitsregeln, die Chefs beachten sollten
Als Mittelstand uninteressant?
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Hacker haben es doch nur auf die ganz großen Konzerne abgesehen? Das ist ein gefährlicher Irrglaube. Wenn Sie so oder so ähnlich argumentieren, sobald Sie auf die Sicherheit Ihrer hauseigenen IT-Systeme angesprochen werden, ist es um die Sicherheit in Ihrem Unternehmen möglicherweise nicht gut bestellt.

Irrglaube mit fatalen Folgen
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Einer Studie des Beratungsunternehmens PWC zufolge hat es in den vergangenen Jahren bereits Tausende kleine und mittlere Firmen erwischt. Allein im Jahr 2014 wurde jedes zehnte mittelständische Unternehmen Opfer eines Cyberangriffs. Der Schaden war jeweils beträchtlich: Er lag im Schnitt bei 80.000 Euro.

IT-Sicherheit ist Chefsache
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Die meisten Chefs sollten wissen, dass sich Gefahren nur mit funktionierenden und sicheren IT-Systemen abwehren lassen. Dabei sind allerdings nicht nur die IT-Verantwortlichen gefordert, sagt Andreas Dannenberg, CEO von Reddoxx, einem Anbieter von IT-Lösungen für sichere Archivierung, Anti-Spam und E-Mail-Verschlüsselung. Der Chef muss die Richtlinien vorgeben. Worauf es dabei ankommt, hat der Experte in einem Fachbeitrag für das Wirtschaftsmagazin „GmbH-Chef“ aufgelistet.

1. Achten Sie auf die Compliance-Bestimmungen
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Unternehmen sind verpflichtet, die datenschutzrechtlichen und archivierungsrechtlichen Pflichten einzuhalten, zum Beispiel für das Finanzamt. Andreas Dannenberg rät Chefs daher, folgende Fragen zu klären: Welche E-Mails sollen oder müssen wie lange archiviert werden? Welche E-Mails sind hingegen wann zu löschen? Ist privater E-Mail-Verkehr gestattet oder untersagt? Falls erlaubt: Wie können diese E-Mails von der geschäftlichen Archivierung getrennt werden? Wie lassen sich E-Mails vollautomatisch klassifizieren und archivieren? Was passiert mit E-Mails von Betriebsräten?

2. Legen Sie Verantwortlichkeiten fest
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Weil die meisten Chefs nicht viel Zeit haben, um sich mit den IT-Risiken und Sicherheitsmaßnahmen ausführlich zu beschäftigen, sollten sie einen Verantwortlichen festlegen, der sich darum kümmert und regelmäßig an den Chef berichtet, rät Dannenberg und ergänzt: „Außerdem gilt es zu prüfen, ob das Unternehmen einen Datenschutzbeauftragten braucht. Wichtig ist es auch, die Mitarbeiter immer wieder dafür zu sensibilisieren, dass sie die Sicherheitsmaßnahmen einhalten.“

3. Verstärken Sie den Datenschutz
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Eine Grundvoraussetzung, um zu verhindern, dass Internetkriminelle und Wirtschaftsspione an sensible Daten kommen, sieht Dannenberg in sicheren Passwörtern. Sein Tipp: „Vermitteln Sie Ihren Mitarbeitern, was gute Passwörter kennzeichnet und warum sie diese regelmäßig ändern sollen.“

4. Sorgen Sie für eine sichere E-Mail-Nutzung
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„Sensible Informationen sollten unbedingt verschlüsselt werden. Dafür gibt es bereits leicht anwendbare Programme“, schreibt der IT-Experte. Viren, Trojaner und andere Schadsoftware können ansonsten via E-Mails in ein IT-System eindringen und die Datensicherheit massiv gefährden. Dannenberg: „Zudem sind unverschlüsselt gesendete E-Mails so transparent wie Postkarten.“

Sie haben seit Jahrzehnten mit Hackern zu tun. Was für Menschen sind das?
Es gibt fünf Gruppen. Da wäre der Insider, vor dem jedes Unternehmen eine Riesenangst hat, weil er so viel Schaden anrichten kann. Dann gibt es die Terroristen und Aktivisten, die mit ihren Aktionen kein Geld verdienen wollen, sondern aus ideologischen Gründen handeln. Staatlich unterstützte Hacker spionieren aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen. Die letzte und größte Gruppe sind Kriminelle.

Wie kann man sich das vorstellen: Hacker sitzen allein im Keller vor dem Computerbildschirm und nehmen es mit der Welt auf?
Es gibt weniger eine organisierte Kriminalität als vielmehr Kriminelle, die sich Dienstleistungen teilen: Ein abgeschirmtes Daten-Hosting für Schadstoffprogramme oder Anbieter, die die Tauglichkeit von Viren-Programmen überprüfen. Hacking als Service. Aktivisten sind meistens junge Menschen, die Kriminellen kommen meistens aus dem osteuropäischen Gebiet, die staatlich Gesponserten kommen aus Ländern, die wir alle kennen. Ein Insider kann jeder sein. Das berühmteste Beispiel ist Edward Snowden.

Das müssen Unternehmen nach einem Störfall melden
Systematische Analyse
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Seit Ende Juli 2015 sind Unternehmen, die kritische Infrastrukturen betreiben, dazu verpflichtet, Störungen in ihrer IT-Infrastruktur an das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zu melden. Dieses sammelt die anonymisierten Berichte und wertet sie azs. Auf diese Weise, so heißt es in einem Fachartikel im Magazin „Markt und Mittelstand“, lassen sich etwa bundesweite Hacker-Angriffe systematisch analysieren, um später noch besser gegen solche Attacken gewappnet zu sein.

Nicht meldepflichtig
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Doch was stellt überhaupt eine meldepflichtige Störung der IT-Infrastruktur dar? Das neue Gesetz hat drei Stufen definiert: Nicht meldepflichtig sind beispielsweise per Virenscanner abgefangener Spam oder Schadsoftware oder auch kleinere Ausfälle, die nach dem aktuellen Stand der Technik bewältigt werden können.

Meldepflichtig
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Anders sieht es aber aus, wenn die IT-Technik über Sicherheitslücken überlistet wurde und dadurch Störungen, Schadprogramme oder außergewöhnliche technische Defekte auftraten – dann muss das BSI informiert werden.

Alarmstufe rot
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Ist durch erhebliche Störungen gar die Funktionsfähigkeit der Dienstleistungen des Unternehmens bedroht, herrscht dringende Meldepflicht. Wer nicht handelt, riskiert im schlimmsten Fall ein Bußgeld in Höhe von bis zu 100.000 Euro.

Jeder kann fällig sein
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Viele Mittelständler fühlten sich zunächst nicht angesprochen bei der Frage, wer Betreiber einer kritischen Infrastruktur ist. Ein Irrtum, so „Markt und Mittelstand“. Denn wer sich in einer Lieferkette befindet, kann plötzlich Zielscheibe von Wirtschaftsspionage mit allen Folgen für die firmeneigene IT-Sicherheit und die seiner Kunden werden.

Energie- und Trinkwasserversorger
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Tatsächlich, so das Fachmagazin für mittelständische Unternehmen, ist der Kreis der betroffenen Unternehmen weit größer als die vom Gesetz definierten 2000 Betreiber kritischer Infrastrukturen wie Energie- oder Trinkwasserversorger.

Pflichtansage trifft auch kleinere Unternehmen
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So müssen auch kleine und mittelständische Betriebe, die mit einem oder mehreren der folgenden Branchen zusammenarbeiten, IT-Sicherheitsvorfälle an das BSI melden
Energie: Stromversorgung, Versorgung mit Erdgas, Versorgung mit Mineralöl
Informationstechnik und Telekommunikation: Sprach- und Datenkommunikation, Verarbeitung und Speicherung von Daten
Transport und Verkehr: Transport von Gütern und Personen im Nah- und Fernbereich, Luftfahrt, Seeschifffahrt, Binnenschifffahrt, Schienenverkehr, Straßenverkehr, Logistik
Ernährung: Versorgung mit Lebensmitteln, Ernährungswirtschaft, Lebensmittelhandel
Finanz- und Versicherungswesen: Zahlungsverkehr, Bargeldversorgung, Kreditvergabe, Geld- und Devisenhandel, Wertpapier- und Derivatehandel, Versicherungsleistungen, Banken, Börsen, Versicherungen, Finanzdienstleister
Gesundheit: Medizinische Versorgung, Labore, Arzneimittel und Medizinprodukte
Wasser: Trinkwasserversorgung (öffentliche Wasserversorgung), Abwasserversorgung (öffentliche Abwasserbeseitigung)

Der bekanntlich US-Geheimdienst-Praktiken veröffentlicht hat. Vor welchen Angriffen sollten sich Unternehmen am meisten fürchten?
Das hängt ganz vom jeweiligen Unternehmen und seinen Daten ab. Ein Rüstungskonzern etwa muss sich am meisten vor Datendiebstahl durch andere Staaten schützen. Eine Bank ist eher von Kriminellen bedroht. Ein Krankenhaus sollte sich die meisten Sorgen um Erpressung mit Hilfe von Datenverschlüsselung machen. Es muss die Daten der Patienten schützen, ansonsten drohen Strafen von den Aufsichtsbehörden.

Haben Sie in Ihrer Zeit beim FBI vielen deutschen Unternehmen geholfen?
Genaues will ich dazu nicht sagen, aber das Bundeskriminalamt war ein großartiger Partner. Die Behörde war ganz vorne mit dabei, um Internetkriminalität einzudämmen.
Herr Trainor, vielen Dank für das Interview.

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