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Flexibilisierung
Arbeit ohne Grenzen

Beschäftigte entscheiden zunehmend selbst, wann und wo sie arbeiten. Die neue Microsoft-Zentrale in Deutschland ist auf das moderne Konzept ausgerichtet. Es verspricht große Freiheit – doch stößt auch auf Kritik.
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Wenn Microsoft-Mitarbeiter ins Firmengebäude in München-Schwabing kommen, beginnt erst einmal die Suche: nach einem Arbeitsplatz. Persönliche Schreibtische sind in dem siebenstöckigen Gebäude keine zu finden, auch nicht für Führungskräfte. Stattdessen klappt man seinen Laptop je nach Vorhaben in einer bestimmten Zone auf: Die „Accomplish Space“ getauften Großraumbüros sind für Routineaufgaben gedacht, der „Think Space“ für konzentriertes Arbeiten. Im „Share & Discuss Space“ finden dagegen Meetings statt, für längere Teamprojekte gibt es den „Converse Space“.

Eröffnet vor einem halben Jahr, bricht die neue Deutschlandzentrale des US-Softwarekonzerns mit alten Gewohnheiten. „Eine feste Arbeitsplatzzuordnung ist im digitalen Zeitalter überholt“, sagt Personalchef Markus Köhler. „Die neuen Räumlichkeiten unterstützen den Wunsch unserer Mitarbeiter nach Freiheit und Autonomie.“ Microsoft gilt als Vorreiter flexibler Arbeitsumgebungen. Schon seit 1998 gibt es keine Zeiterfassung mehr, 2014 hat eine Betriebsvereinbarung die Anwesenheitspflicht gekippt. Mitarbeiter können ihre Aufgaben seither auch im Homeoffice, im Café oder in der Bahn erledigen.

Technische Hilfsmittel unterstützen die Absprache mit Kollegen. Einladungen zu Meetings enthalten immer auch Einwahldaten fürs Telefon. In Outlook geben Teammitglieder untereinander ihre elektronischen Kalender frei, für einen schnellen Austausch wird ein Instant Messenger genutzt. „Die Hoheit über die genaue Ausgestaltung liegt bei den einzelnen Teams“, sagt Köhler. Falls doch einmal spontan ein Treffen im Büro stattfinden soll, hilft „Find Me“. Mit der App lässt sich lokalisieren, wo im Gebäude sich Kollegen niedergelassen haben.

Arbeiten, wo und wann man will: Das Konzept verspricht große Freiheit – und hat zumindest bei Großunternehmen in den letzten Jahren viele Anhänger gefunden. Zu den Vorreitern in Sachen Vertrauensarbeitszeit zählt etwa Adidas. Auch das Homeoffice ist beim Sportartikelhersteller erlaubt. Die Lufthansa setzt ebenfalls auf flexible Arbeitszeiten und schafft gerade in Frankfurt versuchsweise feste Schreibtische ab. Ähnlich sieht es bei Siemens aus. Die Liste ließe sich fortsetzen. „Immer mehr Unternehmen erkennen, wie essenziell solche Angebote im Werben um Fachkräfte sind“, sagt Köhler.

Für drei von vier Beschäftigten sind flexible Arbeitszeitmodelle ein wichtiges oder sehr wichtiges Kriterium bei der Jobwahl, ergab im Juli eine Befragung im Auftrag des Jobportals Indeed. Doch längst nicht alle Unternehmen haben sich darauf eingestellt: Nur jeder zweite der über 1.000 Befragten gab an, dass sein Arbeitgeber entsprechende Angebote bereithält. Am weitesten verbreitet sind demnach noch Gleitzeit-Modelle – Vertrauensarbeitszeiten sind dagegen rar. Ähnlich sieht es bei der räumlichen Flexibilität aus: Die gelegentliche Arbeit im Homeoffice akzeptieren viele Unternehmen, darüber hinausgehende Freiheiten bei der Wahl des Arbeitsortes sind aber selten.

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