Flexibilisierung: Umstrittene Bürokonzepte

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Flexibilisierung
Arbeit ohne Grenzen

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Umstrittene Bürokonzepte

Laptops und Firmen-Smartphones seien keine Aufforderung dazu, stets erreichbar zu sein, sagt Riera: „Mitarbeiter dürfen und sollen Auszeiten aktiv einfordern.“ Der Dialog zwischen Abteilungsleitern und Mitarbeitern sei dafür wichtig. Auch Microsoft-Personalchef Köhler sieht die Führungskräfte in der Pflicht. „Wir erwarten, dass mindestens einmal im Monat ein persönlicher Austausch stattfindet.“ Die Manager seien zudem zum Thema Burn-out geschult und sensibilisiert worden.

Befürworter der neuen Freiheit betonen gerne, dass besonders Berufsstarter hier eine hohe Erwartungshaltung haben. Doch zumindest die heranwachsende Generation sei skeptisch, sagt Christian Scholz, Professor für Organisation, Personal- und Informationsmanagement an der Universität Saarbrücken: „Die Generation Z strebt eine vollständige Trennung von Berufs- und Privatleben an. Erzwungene Flexibilität lehnt sie ab.“

Hellhörig machen sollte Unternehmen laut Scholz, dass der öffentliche Dienst mit seinen geregelten Arbeitszeiten bei der Generation Z ganz oben auf der Liste der Wunscharbeitgeber stehe. Wenig abgewinnen können die Heranwachsenden auch den neuen Bürokonzepten. Sich jeden Morgen erst einmal einen Platz suchen? Und dann jeden Abend die eigenen Habseligkeiten im Spind verschließen? „Die Generation Z lehnt solche Ansätze konsequent ab“, sagt Scholz.

Auf Gegenliebe stoße der geteilte Schreibtisch, der am Ende des Arbeitstags leer hinterlassen werden muss, aber auch bei Vertretern älterer Generationen nicht unbedingt. „Niemand will täglich um einen Schreibtisch kämpfen und sich neu einrichten.“ Das Argument, dass so die Kommunikation im Unternehmen gestärkt werde, hält Scholz für vorgeschoben: „Der wahre Treiber sind immer Kosteneinsparungen durch weniger Bürofläche.“

Microsoft-Manager Köhler widerspricht. Zwar gebe es in der neuen Zentrale nur 1.100 Arbeitsplätze – bei 1.900 Mitarbeitern in der Region. Dafür seien aber Besprechungs- und Rückzugsräume ausgebaut worden. Weil Microsoft Deutschland vor allem eine Vertriebsorganisation ist, seien viele Kollegen oft auf Achse. „Die Mitarbeiter, die jeden Tag ins Büro kommen, finden immer einen Arbeitsplatz“, sagt Köhler. Das Reservieren eines Schreibtisches ist ohnehin tabu. Wer das probiert, findet am nächsten Tag schon mal ein Schild mit der Aufschrift „No Camping“.

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