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Frauen und Karriere
Hört auf, euch zu optimieren, bis der Arzt kommt!

Frauen wollen viel erreichen und arbeiten hart – trotzdem fühlen sie sich oft frustriert und ohnmächtig. Die Philosophin Rebekka Reinhard empfiehlt ihnen eines statt der üblichen unerschütterliche Nettigkeit: Macht.

MünchenRebekka Reinhard promovierte über amerikanische und französische Gegenwartsphilosophie. Als Key Note Speaker arbeitet sie für Unternehmen und in der Redaktion der Philosophie-Zeitschrift Hohe Luft. Reinhard ist Autorin mehrerer Bücher, u.a. des Spiegel-Bestsellers Die Sinn-Diät. Im November 2015 ist ihr sechstes Buch Kleine Philosophie der Macht (nur für Frauen) im Ludwig Verlag erschienen. In ihrem Gastbeitrag, den Sie exklusiv für unsere Initiative Leader.In, ein Businessnetzwerk zur Vernetzung erfolgreicher Frauen und Männer aus der Wirtschaft, geschrieben hat, plädiert Reinhard für einen strategischen Nonkonformismus. Denn: Es ist immer besser, den (wenigstens temporären) Ausbruch aus dem System zu wagen, statt sich vom „Normalen“ unterjochen zu lassen. Wer an der vorhandenen Welt leidet, tut gut daran, sich eine neue zu schaffen. Wie? Ein Gastbeitrag.

„Es steht fest, dass es Frauen gibt, deren Gehirn ebenso groß ist wie das irgendeines Mannes“, schrieb der britische Philosoph und Frauenfreund John Stuart Mill 1869. „Ich weiß, dass ein Mann, der mehrere menschliche Gehirne gewogen hat, erklärt hat: das schwerste, welches man bis dahin gefunden ... sei das einer Frau gewesen.“

Inzwischen hat die Forschung einige Fortschritte gemacht. Heute wissen wir, dass die moderne Frau nicht nur zu erstaunlichen Denkleistungen fähig ist, sondern zu weit mehr. Es gibt heute Konzernlenkerinnen, Bundeskanzlerinnen, Friedensnobelpreisträgerinnen – und ab 2016 (davon gehen wir doch aus!) eine Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika. Aber nehmen wir die, der die Zukunft gehört, doch einmal etwas genauer unter die Lupe: die moderne Frau.

Stellen wir die philosophische Grundfrage: Was ist die moderne Frau? Ein hochkomplexes, hochintelligentes Wesen, das durch Kompetenz, Engagement und Empathie besticht! Die Frau, von der wir reden, will beruflich hoch hinaus, sie will eine verlässliche Partnerin, großartige Mutter und/oder treue Freundin sein – und sie möchte stets gut aussehen dabei. Sie ist nicht nur hochambitioniert, sie kann auch viel. Sie ist mächtig. Oft, ohne es zu wissen.

Das Wort Macht stammt vom altgotischen „magan“ für „machen“ oder „können“ ab. Macht ist eine Fähigkeit. Ein Vermögen. Es ist die Potenz, Einfluss zu nehmen, etwas zu bewirken, zu gestalten, zu verändern. Wo Macht ist, ist immer auch Ohnmacht. Das Spannungsfeld zwischen Macht und Ohnmacht bestimmt nicht nur unsere beruflichen und privaten Beziehungen, sondern auch die Beziehung zu uns selbst. Was die moderne Frau braucht, ist mehr Mut zur Macht; zur Potenzialentfaltung. Denn ohne Macht kein Glück, keine Freiheit, keine Anerkennung.

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