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Führungsexperte
Wie heißt die Frage, auf die Frauen die Antwort sind?

Reinhard Sprenger berät Firmen und sagt ihnen, was schief läuft. Die Debatte um die Quote hält er für einen Luxusdiskurs. Wie es aussieht beim Thema Frauenförderung in den Topetagen der Konzerne – ein Gastbeitrag.
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WinterthurWas immer man zu dem Thema Frauenförderung sagt, ist kontaminiert vom Geschlecht. Die Person, die da spricht, ist entweder Frau oder Mann. Insofern hat man immer ein Glaubwürdigkeitsproblem, einen Betroffenheitsmalus. Das steigert sich, wenn man in stereotyper Form pluralisiert. Natürlich wissen wir alle, dass es weder „die“ Frauen gibt noch „die“ Männer. Aber wie soll man sonst reden?

Die Zahlen zum Thema „Frauen im Management“ sind bekannt und, je nach Zählweise, provozierend. In den Topetagen der Konzerne liegen sie im niedrigen einstelligen Prozentbereich: eine männliche Monokultur, die sich allerdings langsam – sehr langsam - differenziert. Im öffentlichen Dienst ist der Frauenanteil an Chefposten gespreizt: in der hierarchischen Mitte niedrig, oben und unten hoch. Das hat nicht nur etwas mit guter Kinderbetreuung zu tun. Insgesamt aber steht die weibliche Repräsentanz in einem krassen Missverhältnis zu den Ausbildungszahlen führender Wirtschaftshochschulen.

Schon hier beginnt der Streit. Soziale Kausalität ist ohnehin ein schwer zu isolierendes Phänomen, und so bedient sich jeder nach Interessenlage. Unzweifelhaft ist: Männer und Frauen waren über Jahrtausende arbeitsweltlich klar getrennt und konkurrieren erst seit jüngster Zeit. Wer das in ein paar Jahrzehnten ändern will, muss sich gegen den Vorwurf anthropologischer Naivität verteidigen.

Verhandelbarer scheinen da lebensstilistische Argumente, deren gegenwartskritische Untertöne politisch korrekt abgenickt werden. So beklagt man die geschlechtsspezifische Sozialisation, der zufolge Frauen zu bescheiden seien: Sie würden keine Forderungen stellen, wären detailversessen und sendeten nur schwache Botschaften.

Zudem werde immer noch – horribile dictu! - biologistisch argumentiert, Kinder gehörten zu ihrer Mutter. Entsprechend bedauert man das Zurückfallen in starre Rollenmuster in den Familien, sobald das erste Kind auf dem Weg ist. Als Lebensstil-Entscheidung gilt auch die Attraktivität der „zweiten Reihe“: Frauen lehnten die archaischen Positionskämpfe im Primatenrudel der Topetagen ab, vor allem auch die sogenannte „Präsenzkultur“ (gemeint ist wohl eine Vollzeit-Kultur, denn präsent ist ein global agierender Manager schon lange nicht mehr); Frauen begnügten sich deshalb mit Trostpreis-Positionen, die Familie und Job vereinbarer machten.

Kommentare zu " Führungsexperte: Wie heißt die Frage, auf die Frauen die Antwort sind?"

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  • Auch bei diesem Thema zensiert das Handelsblatt (bei einem anderen Artikel )wieder.
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