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Fünf Forderungen für mehr Gleichberechtigung
Frauen sind kein saures Bier!

„Frauen, raus aus der Rechtfertigungsfalle“, sagt Unternehmer Robert Franken. Mutter zu sein sei kein Defizit, sondern völlig selbstverständlich. Für die Männer gilt: Raus aus dem Business Chauvinismus. Ein Gastbeitrag.
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KölnAus Fehlern wird man klug, sagt man gemeinhin. Als Vorstand eines kleinen Internet-Unternehmens beging ich seinerzeit einen vermeintlich taktischen Fehler ganz bewusst. Ich coachte Mitarbeiterinnen, die unvorbereitet und zögerlich in Gehaltsgespräche mit mir gingen, in Richtung Selbstbewusstsein und Selbstverständlichkeit. Selbstbewusstsein, weil sie einen tollen Job gemacht hatten und ihnen nicht zuletzt deshalb auch ein Gehaltsplus zustand, und Selbstverständlichkeit, weil eine solche Haltung wichtig, aber, besonders unter weiblichen Arbeitnehmern, leider wenig verbreitet ist.

Reflexe allerorten

Was mich an der gegenwärtigen Debatte stark irritiert, sind - wenn es etwa um Mütter im Job oder um Teilzeit-Modelle geht - die immer gleichen Reflexe aus der Marketing-Schublade. Demnach seien Mütter besser organisiert, hätten sozusagen qua Nachwuchs ihre so genannten Schlüsselqualifikationen erweitert, und seien in Teilzeit u.U. sogar „effizienter“ als so manche Vollzeit-Kraft.

Meine Damen und Herren, auch hier fordere ich Selbstverständlichkeit: Seit wann müssen sich Frauen und/oder Mütter anpreisen (lassen) wie das berühmte saure Bier? Nicht diejenige, deren Eigenmarketing nicht state-of-the-art ist, hat das Defizit auf ihrer Seite, sondern der Arbeitgeber, der den Wert von Müttern im Job nicht erkennt! Ihr Wert für Arbeitsmarkt, Unternehmen und Gesellschaft sollte gerade Müttern als selbstverständlich(!) gelten, Rechtfertigung ist völlig Fehl am Platze.

Klug geworden bin ich aus dem eingangs erwähnten erwähnten „Fehler“ übrigens dann doch; und zwar insofern, als mir ein Licht aufging, woran es im oft ritualisierten Businessalltag zumeist mangelt: am unvoreingenommen Miteinander und an offener Kommunikation. Als Blockierer einer neuen Gemeinsamkeit erweisen sich häufig männliche Arbeitnehmer und Vorgesetzte, ihres Zeichens Profis im Taktieren und Absichern. Die Kolleginnen und Mitarbeiterinnen werden vor dem unsanften Kontakt mit gläsernen Decken oder Klippen also vor allem von einem gebremst: dem Business Chauvinismus.

Die Manifestation des Business Chauvinismus ist ebenso mannigfaltig wie subtil. Hier eine Bemerkung oder Geste, dort eine Personalentscheidung, schon ist das eigene Netzwerk gestärkt und vermeintliche Störfaktoren eliminiert. Diejenigen Frauen (und auch gar nicht so wenige Männer), die den Alpha-Männchen in Sachen Schlagfertigkeit, Eloquenz und Extrovertiertheit unterlegen sind, kauen vor Wut auf den Nägeln oder, schlimmer noch, finden sich ab mit dem Status Quo. Die Selbstachtung geht dabei flöten und von Veränderung ist (und bleibt) weit und breit nichts zu sehen.

Männer für Frauen für Männer

Höchste Zeit also daran etwas zu ändern. Doch bevor allzu große Erwartungen geweckt werden: Die Quote (allein) wird das nicht schaffen, schon gar nicht kurzfristig. Statt dessen sind wir alle aufgerufen überkommene Strukturen aufzudecken und den Diskurs in unserem Sinne zu bestimmen, vor allem diejenigen innerhalb der Unternehmen, in denen wir arbeiten.

Wir, das sind ganz im Sinne von Emma Watsons #HeForShe auch und vor allem die Männer. Frauen laufen nicht selten Gefahr als „Gender-Sirene“ zu gelten, von uns Männern hingegen kann eine enorme Wirkungsentfaltung ausgehen: hin zu einer Benennung der diskursiven Missstände und mit dem Ziel echter Veränderung.

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Man(n) hat nicht leicht reden

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