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Gastbeitrag zum Neid
Warum es gut tut, sich auf die Tugend des Gebens zu besinnen

Neid, Missgunst, Geiz: zerstörerische Seelengifte, die unserer Freiheit Ketten anlegen, findet Philosoph Christoph Quarch. Was wir wirklich brauchen und welche Rolle dabei weibliche Qualitäten spielen – ein Gastbeitrag.
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FuldaChristoph Quarch ist freischaffender Philosoph und Autor. Er lehrt an verschiedenen Hochschulen und veranstaltet philosophische Reisen. Als Autor, Publizist und Berater greift Quarch auf die großen Werke der abendländischen Philosophen zurück, um diese in eine zeitgemäße Lebenskunst und Weltdeutung zu übersetzen, denn: „Nicht denken ist auch keine Lösung.“ In seinem Gastbeitrag beschreibt er die zerstörerische Kraft von Neid, Missgunst und Geiz – und mit welchen weiblichen Tugenden die (Arbeits-)Welt wieder ein kleines Stückchen besser für uns werden könnte.

In seinem Meisterwerk „Also sprach Zarathustra“ lässt Friedrich Nietzsche einmal seinen Titelhelden verzweifelt ausrufen: „Es ist alles kleiner geworden!“ Der gleiche Seufzer mag auch heute einem aufmerksamen Menschen über die Lippen gehen – einem, der sich nicht durch große Autos, Häuser oder Zahlen blenden lässt, sondern in die Herzen und Seelen derer schaut, die mit den großen Autos fahren, in den großen Häusern wohnen und mit den großen Zahlen jonglieren. Hinter den großspurigen Kulissen nämlich walten gar zu oft nur Kleingeisterei und Kleinlichkeit. Wer in die Herzen seiner Zeitgenossen blickt, der wird mit Nietzsche häufig ächzen: Herrjeh, wie ist der Mensch doch klein geworden!

Sie finden, diese Diagnose ist zu düster? Dann schauen Sie genauer hin – vielleicht auch in Ihr eigenes Inneres. Niemand und nichts ist vor dem Ungeist unserer Zeit geweiht. Da wären ein paar Fragen, die zu stellen lohnen dürfte: Auf welchen Gleisen rollt der Zug Ihrer Gedanken? In welchen Bahnen wallen die Gefühle? Sind sie bewegt von Güte und von Gunst? Oder von Missgunst, Neid und Geiz? Leben Sie im Vergleich und fragen sich zuweilen „Warum nur der, warum nicht ich?“ – „Die hat das nicht verdient, ich hätte es schon längst…“? Treibt Sie die Sorge, stets zu kurz zu kommen? Denken Sie beim Stichwort „Griechenland“ an die Not der Griechen oder die Steuergelder der Deutschen? Sind auch Sie darauf bedacht, zunächst mal ihre eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen?

Sollte das der Fall sein, so seien Sie gewiss: Wer so empfindet oder denkt, ist nicht allein. Den meisten Menschen geht es so. Sie sind deshalb nicht böse oder schlecht. Sie sind normal, fast alle denken oder fühlen so. Sie können gar nicht anders, denn die Welt, in der wir alle leben, nährt dieses Welt- und Lebensgefühl permanent. Von überall wird uns eingeflüstert, wir müssten auf unseren Erfolg bedacht sein, wir müssten nach uns schauen, jetzt seien wir dran. Von allen Seiten wird uns weißgemacht, wir müssten besser als die anderen sein – Geiz sei geil und Neid normal.

Wer darauf reinfällt, kann deshalb auch kaum getadelt werden. Vielmehr verdient er unser Mitleid. Denn inmitten aller ihrer großen (oder kleinen) äußerlichen Habe schrumpfen im Innern dieser Menschen Herz und Seele. Das Leben wird dann flach und klein und leer. Für die Lebendigkeit – das echte, wahre Leben – ist unser Mainstream-Denken toxisch. Geiz, Neid und Missgunst sind zerstörerische Seelengifte. Sie bringen niemand wirklich weiter. Sie legen unserer Freiheit Ketten an und lassen uns beharrlich in der eigenen Suppe köcheln. Solches tut uns nicht gut. Die Sorge um das eigene Ich lässt uns an Leib und Seele leiden. Burn-out, Depression, Herzprobleme: Symptome eines engen, kleinen Geistes.

Seite 1:

Warum es gut tut, sich auf die Tugend des Gebens zu besinnen

Seite 2:

Freude am Glück der anderen

Seite 3:

Weibliche Qualitäten

Kommentare zu " Gastbeitrag zum Neid: Warum es gut tut, sich auf die Tugend des Gebens zu besinnen"

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  • Man fragt sich dann unausweichlich, bin ich verrückt, oder sind es die anderen?

  • Lieber Herr Quarch, alles richtig was Sie hier schreiben. Nur müssten wir uns dann ehrlich machen und unser komplettes Wirtschafts-, Schuldgeld- und Leistungsgesellschaftsmodell in Frage stellen. Dieses beruht nämlich auf der Knappheit von Geld und Gütern, dem Mangel, stetigen Wachstumsraten, der Konkurrenz untereinander. Anstatt gemeinsam, wird gegeneinander gearbeitet, einhergehend mit permanentem Leistungsdruck und Überforderung durch die Digitalisierung, die Perfektionierung und Kommerzialisierung der Gesellschaft. Man prägt seit Jahren ein Menschenbild, dass ethische, künstlerische und soziale Werte komplett verdrängt, es zählen Werte wie Macht und Geld. Wer gestern zum Beispiel im Deutschen Bundestag die Debatte zu Hartz 4 und der Sanktionierung von Erwerbslosen mitverfolgte, weiss wie die „moderne Leistungsgesellschaft“ des 21. Jahrhunderts zu funktionieren hat. Schicksale von Millionen Betroffener sind egal, Hauptsache die Wirtschafts- und Finanzmarkteliten können ihr Erpressungspotenzial zur Durchsetzung ihrer Interessen politisch verwirklichen. Es geht nicht mehr um Menschen, es geht nur noch um den Markt. Genau dies ist der Grund, warum unsere Welt so aussieht, wie sie aussieht. Man kann eben durch reinen Materialismus nur kurzfristiges Glück und innere Zufriedenheit generieren, der schnell wieder mit immer Neuem befriedigt werden muss. So jagt man stetig dem neuesten Trend hinterher, findet aber dadurch niemals innere Befreiung und Zufriedenheit. Man müht sich im Leben jahre- und jahrzehntelang ab, um dann festzustellen, dass all die Dinge, für die man sich den Arsch aufgerissen hat, seine körperliche und psychische Gesundheit ruiniert hat, letztlich wertlos sind und einem nicht zum eigenen Lebensglück verhelfen. Leider ist es so, dass die Gesellschaft krank ist. Stellen Sie sich einfach mal ein paar Minuten an eine Kreuzung und beobachten Sie das Verhalten der Autofahrer in ihren PKW's, ist es noch normal?

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