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Hidden Champions – erstklassige zweite Reihe
Wenn Chefs das Potenzial ihrer besten Mitarbeiter übergehen

„Wer es bis auf den Affenfelsen schafft, ist nicht automatisch der intelligenteste oder leistungsstärkste der Horde“, sagt Personalexpertin Dagmar Hübner. Ein Plädoyer für die stillen Arbeitstiere aus der zweiten Reihe.
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FrankfurtWir alle kennen sie: Die stillen Arbeitstiere, die mit einem entschuldigenden „Mehr hab ich in der Zeit nicht hinbekommen…“ brillante Briefings, Analysen und Präsentationen auf den Tisch legen. Die Ideenlieferanten und weitsichtigen Köpfe, die in Meetings immer zu kurz kommen. Die Könige des „Gegen den Strich“-Denkens, an deren Beförderung auf Spitzenpositionen nie jemand zu denken scheint.

Die Realität in den Unternehmen zeigt ein gewisses Stereotyp. Dort der Affenfelsen, besetzt mit den durchsetzungsfähigen, lautstarken, dominanten Alphatieren, den Vorständen, Geschäftsführern und Chefs aller Couleur. Hier die Hidden Champions, die Garde derer, die oft die eigentliche Arbeit erledigen, Teams führen, Kunden betreuen, Innovationen treiben, Kohlen aus dem Feuer holen.

Stille Wasser sind schlau

Wer es bis auf den Affenfelsen schafft, ist nicht automatisch der intelligenteste oder leistungsstärkste der Horde – wer hier sitzt und sitzen bleibt ist vor allem auch fähiger Machtmensch, in der Lage, sich und sein Unternehmen zu behaupten. Und Machtmensch muss er bis zu einem gewissen Grad sein, gerade in einer globalisierten Wirtschaft, in der das „Jeder gegen Jeden“ inzwischen quer über alle Kontinente gespielt wird.

Die intelligentesten und leistungsstärksten Kollegen sind aber oft diejenigen, die gar nicht erst versuchen, den Affenfelsen zu erklimmen. Die sich vom politischen Machtspiel fernhalten und das tun, worin sie am besten sind: inhaltlich zu arbeiten, intelligente Lösungen zu entwickeln und so Unternehmen voranbringen.

Das Problem ist nur: die Hidden Champions werden oft nicht gehört. Weil Alphatiere lieber auf ihresgleichen hören und den Machern in der zweiten Reihe gern mal die nötige Lautstärke fehlt. Das ist fatal, denn so übersehen oder übergehen viele Unternehmen häufig das immense Potenzial ihrer fähigsten Mitarbeiter und vielversprechendsten Talente.

„Respect, Baby!“

Wer jetzt aber glaubt, der Ausweg aus dieser Misere sei, die stillen Macher den Affenfelsen stürmen zu lassen, übersieht ein simple Wahrheit: Nicht jeder ist zum Alphatier geboren. Tendenziell würde er als Herrscher des Affenfelsens eher unglücklicher sein, als er es jetzt ist. Nein, der Ausweg ist ein anderer: Hidden Champions zu erkennen, in ihrer Rolle zu stärken, sie herauszufordern, vor allem aber: auf sie zu hören. Das erfordert Aufmerksamkeit, Offenheit, Vertrauensvorschuss und ein sehr gut aufgestelltes Human Resources Management.

Nicht leicht für Alpha-Affen aber es lohnt sich – und hat den Vorteil, dass die Felsenbesetzer keine Angst haben müssen, sich Konkurrenz heranzuzüchten. Die unauffälligen Stars wollen Wertschätzung, spannende Aufgaben und Anerkennung aber eher selten die Lizenz zum „Dicke Hose machen“, zur Bespielung der ganz großen Bühne. Sie motiviert etwas anderes: Die Achtung und der Respekt vor der Leistung des Einzelnen, die eben auch mal aus der Nische kommen kann. Wer seinen Hidden Champions diesen Respekt entgegenbringt, wird das volle Potenzial seines Unternehmens entfalten können.

Über die Autorin: Die Wahl-Frankfurterin Dagmar Hübner gründete 1998 The People Business, eine inzwischen renommierte Personalberatung, und ist zu einer festen Größe im Human Resources Management der Kommunikationsbranche geworden. Sieben Jahre lang hat sie zuvor als erster HR Director im deutschen Kommunikationsmarkt das Human Resources Management von Leo Burnett Deutschland aufgebaut und geleitet. Ihr Ansatz: Maßstäbe setzen, wo andere hin und wieder das schnelle „Headhunting“ etwas zu wörtlich nehmen. Hübner schätzt den Blick für die langfristige Perspektive, die Lust am intensiven Gespräch und das geduldige Streben nach dem Perfect Match.

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