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Hotelmanager Bodo Janssen
Der Chef, den keiner mehr wollte

Früher hatte Bodo Janssen nur Zahlen im Kopf, seine Mitarbeiter wollten ihn loswerden. Inzwischen ist er einer der beliebtesten Arbeitgeber. Im Gespräch erklärt der Hotelier, was er geändert hat und was Erfolg ausmacht.

Die Hotelkette “Upstalsboom” des Unternehmers Bodo Janssen wurde mehrfach als einer der beliebtesten Arbeitgeber ausgezeichnet (TopJob, Human Ressources Award etc.). Doch der Weg zum empathischen Unternehmer war kein leichter. Janssen wurde als junger Mann  entführt - eine traumatische Erfahrung. Als er später in den elterlichen Betrieb einstieg und der Vater kurze Zeit darauf bei einem Flugzeugabsturz starb, lag plötzlich alle Verantwortung in den  Händen des 32-Jährigen. Das Geschäft lief gut. Doch  Kündigungsrate und Krankheitsquote stiegen, Bewerbungen blieben aus. Eine Mitarbeiterbefragung war niederschmetternd.

Herr Janssen, in Schulnoten ausgedrückt: Wie ist die Umfrage, die Sie 2010 unter damals 400 Mitarbeitern durchgeführt haben, ausgefallen?
Ich muss gestehen, dass es zwei Mitarbeiterbefragungen gab. Die erste im Jahr 2006 war schon so schlecht, dass sie außer mir nur meine Schublade sah. Auch 2010 bekamen wir Noten zwischen 4 und 5, in manchen Bereichen sogar eine 6 und ich fiel wieder aus allen Wolken.

„Ungenügend“ also. Das hat Sie wirklich überrascht?
Ja, denn ich war sehr von mir selbst eingenommen und hielt mich für den besten Manager, weil ich das Unternehmen trotz widriger Umstände wirtschaftlich stabilisiert hatte. Der finanzielle Erfolg gab mir das Gefühl, alles richtig zu machen.

Obwohl immer mehr Ihrer Mitarbeiter gekündigt und der Krankenstand in ihren Hotels beträchtliche Ausmaße angenommen hatte…
Obwohl wir wirtschaftlich auf einem guten Weg waren, ging sehr viel Unruhe von den Mitarbeitern aus. Sie kündigten, es kamen immer weniger nach, als gegangen waren und wir hatten einen äußerst schlechten Ruf.

Ihre Mitarbeiter gaben damals auch an, dass Sie Angst vor Ihnen und anderen Führungskräften Ihres Unternehmens hatten. Wie würden Sie Ihren damaligen Führungsstil bezeichnen?

Ich war ein Autokrat und fühlte mich als eine Art Alleinherrscher. Weil ich von der Hotellerie selbst keine Ahnung hatte, stützte ich mich als Betriebswirt auf Kennzahlen. Die Menschen, die bei mir arbeiteten, habe ich nicht im Blick gehabt. Ich mache es an meinem Beispiel deutlich: Ein Mitarbeiter kam zu spät zur Besprechung und als ich ihn nach dem Grund fragte, hat er sich entschuldigt und wollte wissen, wie er denn damit umgehen soll, wenn ich zu spät komme. Meine Antwort war: ‘Wenn ich zu spät komme, dann ist das so. Punkt.’

Und was von Ihnen vorgelebt wurde…
… hat sich nach unten fortgesetzt. Es gibt eine schöne Karikatur, die das sehr gut beschreibt. Da sitzen Vögel auf drei Ebenen. Die Oberen sagen: ‘Wenn ich nach unten schaue, sehe ich nur Scheiße.’ Und die, die von unten nach oben schauen, sagen: ‘Wenn ich nach oben schaue, sehe ich nur Arschlöcher.’

Ein Narzisst in der Kommandozentrale - wenn es in einer Firma um Effizienz und Rendite geht, ist dann ein harter Führungsstil nicht das richtige? Sie selbst haben doch bewiesen, dass sich auch mit unzufriedenen Mitarbeitern zufriedenstellende Zahlen erwirtschaften lassen…
Klar, ich hätte noch einige Zeit so weitermachen können, aber mir gingen die Leute aus. Es gibt ja mittlerweile die Erkenntnis, dass Menschen aufgrund der Reputation zu einem Unternehmen gehen, dass sie aufgrund der Weiterentwicklungsmöglichkeiten bleiben und wegen des Vorgesetzten wieder gehen. Das ist der Kündigungsrund Nummer 1 in Deutschland. Früher hat ein harter Führungsstil vielleicht positiv gewirkt, weil das Motiv, mit dem Menschen zur Arbeit gingen, ein andres war. Sie brauchten Geld für Essen. Ihre Persönlichkeit haben sie am Werkstor abgegeben. Heute geht es gar nicht mehr so sehr um die Antwort auf die Frage: Wovon lebe ich, sondern immer mehr um das Wofür?

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