Zum Special von Handelsblatt Online

Management-Wissen
Falscher Ehrgeiz

Spitzengewinn, Sparrekord, Innovationsführer: Welcher Manager wollte diese Ziele nicht erreichen? Doch es gibt Grenzen. In bestimmten Situationen können übertriebene Ambitionen ins Desaster für die Unternehmen führen.
  • 0

DüsseldorfPremium-Inhalt: Sie haben mit diesem Text Zugang zu einem Digitalpass-Inhalt, den wir den Mitgliedern unseres Business-Netzwerkes Leader.In an dieser Stelle kostenlos zur Verfügung stellen. Erfahren Sie mehr über die Initiative Leader.In in unserer Linkedin-Gruppe.

„Wir wollen zurück in die Gewinnzone“, lautete wie erwartet die kämpferische Ansage von Ex-Opel-Chef Carl-Peter Forster, als er im Jahr 2001 seinen Restrukturierungsplan vorstellte. So weit, so nachvollziehbar. Doch die dann folgende Erklärung des neuen Vorstandsvorsitzenden, wie das zu schaffen sei, ließ nicht nur die Belegschaft des Autobauers, sondern auch so manchen Branchenexperten den Kopf schütteln: „Dafür brauchen wir Erlös- und Kostenverbesserungen von zwei Milliarden Euro – innerhalb der kommenden zwei Jahre.“

Zuvor hatten Fehler bei Marketing, Modellentwicklung, Produktion und Qualitätssicherung den Fahrzeughersteller in die schwerste Krise der Unternehmensgeschichte manövriert. Der US-Mutterkonzern GM signalisierte nach jahrelanger Abwärtsspirale wachsende Ungeduld mit der deutschen Tochter. Die Spielräume für Experimente bei Design und Vertrieb waren gering, die Zweifel der Mitarbeiter dagegen umso größer. Dessen ungeachtet verkündete der neue Chef, von Konkurrent BMW abgeworben und als erster Deutscher nach einer Reihe amerikanischer Chefs als Opel-Retter stilisiert, sein extremes Sparprogramm.

Der Ausgang ist bekannt: Opel schaffte es trotz Werkschließung und Massenentlassungen bis heute nicht zurück in die Gewinnzone. Jetzt, 16 Jahr später, verlor GM endgültig die Geduld und kündigte an, Opel an den französischen Rivalen Peugeot zu verkaufen. Der studierte Ingenieur und Ex-McKinsey-Berater Forster räumte zwar 2004 seinen Chefposten in Rüsselsheim. Unter den Folgen seines falschen Ehrgeizes leidet der amtierende Opel-Chef Karl-Thomas Neumann aber noch heute.

Ehrgeiz ist gut. Zu viel Ehrgeiz kann schädlich sein. Das zeigt auch das Beispiel Yahoo. Als neue Chefin des ‧Internet-Unternehmens verkündete Marissa Mayer 2012 nach langer Zeit dramatischer Umsatzeinbußen das Ziel von zweistelligen Wachstumsraten. Sie wollte der einstigen Ikone „wieder zu wahrer Größe verhelfen und sie in die Spitzenliga zurückführen“. Doch damit ist sie kläglich gescheitert. 2015 rangierte der Umsatz noch immer auf Ausgangsniveau bei 4,9 Milliarden Dollar. Gleichzeitig häufte Mayer weiter Verluste an – zuletzt in Höhe von 4,4 Milliarden Dollar. US-Telekomgigant Verizon will Yahoo übernehmen, verhandelt aber noch über den Kaufpreis. So viel ist aber schon klar: Danach wird die Noch-Chefin das Unternehmen verlassen.

Opel und Yahoo sind zwei Negativbeispiele gescheiterter Manager, die offenbar glaubten, schiere Willenskraft genüge, um ihre hochfliegenden Pläne zu realisieren. Es gibt aber auch andere Fälle wie Elon Musk, den Chef des Elektroauto-Pioniers Tesla. Er setzt seine zunächst überambitioniert erscheinende, genial verrückte Strategie in großen Teilen tatsächlich um, auch wenn die Börse sein Unterfangen, die Stückzahlen drastisch zu erhöhen, skeptisch beäugt.

Kommentare zu " Management-Wissen: Falscher Ehrgeiz"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%