MINT-Chancen für Frauen: „Der Wettbewerb um Chefposten ist härter geworden“

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MINT-Chancen für Frauen
„Der Wettbewerb um Chefposten ist härter geworden“

Die meisten Frauen folgen beim Studienfach einem geschlechtsspezifischem Stereotyp und vergeben so Karrierechancen, sagt Telekom-Vorstandsfrau Claudia Nemat. Dabei ist gerade für MINT-Absolventinnen das Potenzial riesig.
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BonnDie Voraussetzungen für Frauen, die Karriere machen wollen, waren nie leichter als heute. Frauenquoten, flexible Arbeitszeitmodelle, Vätermonate beim Elterngeld sind nur einige Instrumente, die dabei helfen sollen, mehr Frauen in die Chefetagen zu bringen. Es geht also voran, mitunter in kleinen Schritten, aber immerhin: Frauen klopfen unüberhörbar an den Türen der Aufsichtsratsgremien, Vorstände oder Geschäftsführungen. 

Nach wie vor tun das aber auch die Männer und damit ist klar: Der Wettbewerb um die Chefposten ist härter geworden. Das ist gut so! Dabei könnte der Wettbewerb der besten Köpfe noch breiter ausgetragen werden. Denn es gibt immer noch Berufsfelder mit reichlich blinden Flecken, was den Anteil von Frauen angeht. Das gilt vor allem für technische und naturwissenschaftlich geprägte Tätigkeiten.

Wer in die Hörsäle unserer Hochschulen schaut, dem fällt auf, dass junge Frauen deutlich weniger naturwissenschaftliche Studienfächer belegen als ihre männlichen Kommilitonen. Mit gerade mal gut ein Drittel stagniert der Anteil junger Frauen, die ein  MINT-Studium absolvieren (Anm.: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Besonders bei den Ingenieurwissenschaften sind Frauen mit gut 20 Prozent deutlich unterrepräsentiert. In den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften ist die Absolventenquote mit etwa 40 Prozent nicht ganz so schlecht, obgleich der Anteil weiblicher Erstabsolventen in den letzten Jahren kaum zugenommen hat. Die meisten jungen Frauen folgen bei der Wahl es Studienfaches leider doch einem geschlechtsspezifischem Stereotyp und vergeben dadurch womöglich Karrierechancen.

Nicht nur als Physikerin und Mathematikerin bedaure ich diese Entwicklung sehr. Mehr weibliche Mint-Absolventinnen würde nämlich nicht nur das Potenzial an weiblichen Führungskräften in den Unternehmen erhöhen, sondern auch den Wirtschaftsstandort Deutschland stärken und zukunftssicher machen.

Der Engpass an qualifizierten Fachkräften mit technisch-naturwissenschaftlichen Hintergrund  ist ein strukturelles Problem, das heute schon als Wachstums- und Innovationsbremse in bestimmten Branchen und Regionen wirkt – mit dem Risiko von hohen Wertschöpfungsverlusten für die deutsche Volkswirtschaft.

Deutsche Schüler belegen im internationalen Vergleich, wenn es um mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen geht, nur einen Mittelfeldplatz. Das ist auf Dauer für den Technologiestandort Deutschland zu wenig. Wir müssen also an unseren Schulen alles dafür tun, um mehr Jungen und Mädchen für die Naturwissenschaften zu begeistern.

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