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Rebekka Reinhard
„Frauen brauchen zum Mächtigsein keine Pumpgun“

Frauen sind auf permanenten Überperfektionismus gepolt und fühlen sich dabei oft frustriert und machtlos. Die Philosophin Rebekka Reinhard rät stattdessen zum Mächtigsein und erklärt, wie Sie zur wahren „Chefin“ werden.

Die Frau von heute ist ziemlich tüchtig und neigt dazu, sich (für andere) zu optimieren, bis der Arzt kommt - daraus gibt es nur einen Ausweg: Macht. Das glaubt Rebekka Reinhard. Ihre philosophischen Vorträge sind bei Unternehmen aus ganz Deutschland gefragt. Ihr Geld verdient sie als freie Philosophin, Bestseller-Autorin und Redakteurin für die Philosophie-Zeitschrift Hohe Luft. In ihrer Praxis für philosophische Beratung trainiert sie immer wieder auch Chefinnen und beobachtet, wie sich Frauen von der Kraft geschlechtsspezifischer Stereotypen gefangen nehmen lassen und sich in eine selbstverschuldete Unmündigkeit manövrieren. Im Gespräch rät sie zum Mächtigsein, erklärt, welche Fehler Frauen machen, zeigt, wie sie zur wahren Führungskraft werden und wann Männer für ambitionierte Frauen sexy sind.

Frau Reinhard, was fasziniert Sie eigentlich so an Macht?
Macht beginnt in unserem Kopf! Mächtig sein heißt, selbstverantwortlich, autonom und Werte-bewusst durch die Wirren des Lebens zu navigieren - das scheint mir heute mehr denn je absolut erstrebenswert.

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass die Interessensgebiete der modernen Frau von Mode, Muffins, Männern und dem MDax bis hin zum Marathon reichen, nur Macht gehört nicht dazu – warum eigentlich nicht?
Das liegt an den typischen Vorurteilen von Frauen, die sich von der Kraft geschlechtsspezifischer Stereotypen gefangen nehmen lassen.

Aber ist es nicht eher so, dass sich Frauen vor Macht scheuen?
Für viele Frauen ist Macht ein schwammiges Nebelgebilde, das auch noch männlich konnotiert ist. Man denkt eher an Google, die NSA oder Wladimir Putin als an sich selbst. Dabei braucht man zur Machtausübung im echten Sinne weder militärische Orden noch eine Pumpgun!

Was ist eigentlich Macht, so wie Sie sie definieren – und warum brauchen wir sie?
Macht kommt von „Machen“, von „Können“. Mächtig sein, seine Potenziale entfalten heißt, etwas gestalten, beeinflussen und verändern zu können. Die Beziehung zu sich selbst wie zu anderen, sein Leben insgesamt. Für mich ist Macht in diesem Sinne der Schlüssel zu einer glücklichen, selbstbestimmten Existenz - dafür ist sie gut, dafür sollte sie gut sein.

Nun ist es um das Image der Macht nicht sonderlich gut bestellt. Den meisten Menschen rollen sich doch schon beim Gedanken an das Wort die Zehennägel auf! Warum ist das so?
Tja, das liegt daran, dass die Leute sich oft nicht die Mühe machen, Macht von Zwang, Unterdrückung oder Manipulation zu unterscheiden. Sie werfen einfach alles in einen Topf. „Macht“ erscheint dann als Bedrohung, der man lieber nicht in die Quere kommt. Ich möchte dieses Schreckens-Image ins Positive wenden.

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