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Respekt, Anerkennung, Authentizität

Müssen wir uns zwischen Menschlichkeit und Rendite entscheiden?

Menschlicher Umgang im Unternehmen ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit – und der beste Garant für wirtschaftlichen Erfolg. Das klingt viel zu gut, um wahr zu sein? Keinesfalls! Ein Gastbeitrag.
  • Klaus Panreck, Stephan Brockhoff
Das Buch "Warum Wertschätzung über den Erfolg von Unternehmen entscheidet" ist am 8.9. im Campus-Verlag erschienen.
Menschlichkeit rechnet sich

Das Buch "Warum Wertschätzung über den Erfolg von Unternehmen entscheidet" ist am 8.9. im Campus-Verlag erschienen.

MünsterMenschliche Führung verbessert die Bilanz. Glauben Sie nicht? Wer heute noch per Befehl und Gehorsam führt, hat den Wandel der Zeiten verschlafen, sagen die beiden Autoren Stephan Brockhoff, Klaus Panreck. Doch immer noch gibt es Skeptiker, die bezweifeln, dass moderne Führungsansätze wirklich etwas bringen. Den Steuerberatern ist es nun gelungen, eine neue Unternehmenskennzahl zu entwickeln: den ROI der Menschlichkeit. Für unser Businessnetzwerk Leader.In hat die beiden Brockhoff und Panreck diesen Gastbeitrag geschrieben.

Wir leben in unruhigen Zeiten – politisch wie wirtschaftlich. Gewissheiten schwinden, Altvertrautes löst sich auf. Märkte, Unternehmen, Kommunikationsstrukturen: alles verändert sich. Worauf wir gestern noch bauen konnten, kann heute schon passé sein. Gerade in diesen Zeiten ist es lebensnotwendig für Unternehmen, in sich gefestigt und stabil zu sein, um den Unwägbarkeiten der Märkte und der schärfer werdenden Konkurrenz standzuhalten.

Wie aber wird ein Unternehmen das: in sich gefestigt und stabil? Wir erleben immer wieder, dass Firmen und Konzerne, die in einem Jahr sehr gut dastanden, im nächsten Jahr in die roten Zahlen rutschen. Oftmals hat dies seine Ursachen darin, dass zu kurzfristig gedacht wurde. Und weit häufiger darin, dass die Menschlichkeit zu kurz kam. Ein fataler Fehler, denn gerade ein menschlicher Umgang innerhalb von Unternehmen ist der beste Garant für wirtschaftlichen Erfolg.

Das Gallup Institut, das seit 2001 im Engagement Index Deutschland erhebt, wie stark die Verbundenheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu ihrem Unternehmen ist, konnte nachweisen, dass es für Arbeitgeber ohne jeden Zweifel existenziell ist, dass sich ihre Belegschaft emotional im Job engagiert. Es ist eine einfache Formel: ohne tiefe Bindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu ihrem Unternehmen kein langfristiger Erfolg. Dennoch hat sich der Anteil derjenigen, die sich in ihrem Job emotional engagieren, in den letzten 15 Jahren nicht verändert: 2001 wie 2015 gaben gerade einmal 16 Prozent aller befragten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an, sich ihrem Unternehmen tief verbunden zu fühlen.

Augen auf: Diese 25 Frauen machen unsere Welt besser
Kein Ranking
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Ein kurzer Hinweis noch vorweg: Es gibt kein Ranking. Wir stellen Ihnen die 25 Gewinnerinnen in alphabetischer Reihenfolge vor.

Aynur Boldaz-Özdemir, Integrationsunternehmerin
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Sie gibt Leuten eine Perspektive, die auf dem Arbeitsmarkt eigentlich keine Chancen haben. Aynur Boldaz-Özdemir, als 18-Jährige aus der Türkei nach Deutschland gekommen, behauptete sich ohne Ausbildung als ausländische Frau auf dem deutschen Arbeitsmarkt und leitet heute ihr eigenes, erfolgreiches „Integrationsunternehmen“. Forever Clean beschäftigt zu 48 Prozent Menschen mit körperlicher, geistiger oder psychischer Schwerbehinderung. In der Belegschaft arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund – gemeinsam und inklusiv.

(Foto: Forever Clean)

Ingrid Brodnig, Journalistin und Netzaktivistin
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Eine pluralistische Gesellschaft muss auch im Netz verteidigt werden. Genau das macht Ingrid Brodnig. Die österreichische Journalistin engagiert sich couragiert gegen Hass im Internet – zuletzt in ihrem gerade erschienenen Buch „Hass im Netz“, in dem sie beschreibt, was wir gegen digitale Hetze, Mobbing und Lügen tun können. Ingrid Brodnigs Engagement hilft, eine (digitale) Zukunft zu schaffen, die keinen Hass zulässt – und niemanden mehr ausschließt.

(Foto: Alex Unger)

Saskia Bruysten, Unternehmerin
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Gemeinsam mit dem Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus gründete Saskia Bruysten das Unternehmen „Yunus“, das eine Brücke zwischen lokalen Sozialunternehmen und humanitären Spendern und Kreditgebern schlägt. „Yunus“ ist bisher weltweit in sieben Ländern im Einsatz, darunter Indien, Uganda und Haiti. Mit ihrem Business setzt sich die ehemalige Unternehmensberaterin für einen sozialeren Kapitalismus ein, der seine Stärke einsetzt, um eine gerechtere Welt zu schaffen.

(Foto: Yunus)

Dr. Gisela Burckhardt, Aktivisitin
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Viel zu viele Frauen und Mädchen arbeiten in der Textilindustrie immer noch unter menschenunwürdigen Bedingungen. Gisela Burckhardt setzt sich für die Rechte und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen dieser Frauen ein. Sie hat den Verein Femnet e.V. gegründet und diskutiert als dessen Vorsitzende mit den großen Textilkonzernen, damit die Produktion fairer Kleidung die Regel wird – und nicht die Ausnahme bleibt.

(Foto: Flickr Heinrich Böll Stiftung, Stephan Roehl)

Diana Doko, Aktivistin für Suizid-Prävention und Unterstützung für Menschen mit Depressionen
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Jedes Jahr sterben in Deutschland 10.000 Menschen durch Suizid. Diana Doko setzt sich mit dem von ihr mitgegründeten Verein „Freunde fürs Leben“ dafür ein, dass diese Zahl sinkt. Sie, die selbst ihren Bruder durch Suizid verloren hat, leistet Aufklärungsarbeit bei jungen Menschen zu den Themen Suizid und seelische Gesundheit. Als Vorstandsvorsitzende des Vereins bietet sie betroffenen Menschen ein sicheres Netzwerk und trägt so dazu bei, dass weniger Menschen den Tod als letzten Ausweg wählen. Diana Dokos Vision ist eine Gesellschaft, in der Depressionen endlich kein Tabuthema mehr sind. Dafür kämpft sie jeden Tag.

(Foto: Tom Wagner)

Prof. Dr. Naika Foroutan, Sozialwissenschaftlerin
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Muslime haben in unserer Gesellschaft mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Die Sozialwissenschaftlerin Naika Foroutan setzt sich mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit gegen diese Ressentiments ein. Als stellvertretende Direktorin des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung untersucht sie unter anderem Islambilder in Deutschland. Sie leitet außerdem das Projekt: „Junge Islambezogene Themen in Deutschland“ (JUNITED). Die Forschung der gebürtigen Iranerin trägt einen wichtigen Teil dazu bei, die Islamfeindlichkeit in Deutschland abzubauen und eine pluralistische Gesellschaft entstehen zu lassen.

(Foto: Nina Pieroth)

Alle Tools, die in den letzten Jahren zur Mitarbeitermotivation und Engagementförderung entwickelt wurden, haben offenbar überhaupt nichts genützt. Deshalb ist es an der Zeit, neue Wege einzuschlagen: weg von den Tools, hin zu einer veränderten inneren Haltung – zu mehr Menschlichkeit in Unternehmen.

Dies bedeutet nicht, die Arbeitskräfte freundlich zu tätscheln, damit sie besser funktionieren und mehr produzieren. Dies meint keine Manipulation mit lächelndem Antlitz. Nein: Menschlichkeit ist eine Haltung. Sie kommt von innen. Sie meint authentisches Agieren in Wertschätzung und Respekt. Ein Handeln und Denken, das auf humanitären Werten basiert. Menschlichkeit äußert sich in einem wertschätzenden Umgang miteinander auf Augenhöhe – quer über alle Hierarchieebenen und Abteilungen hinweg. Menschlichkeit: Das bedeutet eine offene, respektvolle Kommunikation, gegenseitige Anerkennung, Transparenz und Authentizität.

"Klingt toll, aber ich kann mir das nicht leisten!"
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