Väterbarometer
Stellenweise freundlich

Der Nachwuchs kommt in die Schule oder zu Hause herrscht Teenie-Alarm. Wie gut können Männer Job und Familie verbinden? Eine exklusive Umfrage zeigt, wo Arbeitgeber in punkto Väterfreundlichkeit nachbessern müssen.
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Überraschend positiv reagierte Christoph Mönnikes´ Chef auf die Teilzeit-Idee, als das erste Kind des Controllers unterwegs war. Mönnikes wollte vorübergehend nur noch halbtags arbeiten. „Mein Chef signalisierte mir, dass eine Familienphase kein Problem sei und ich meine Arbeit doch auch aus dem Home Office erledigen könne“, erzählt der Diplom-Kaufmann. Das war vor zehn Jahren. Als 2008 dann Mönnikes zweites Kind zur Welt kam und der Controller ein Jahr Elternzeit beantragte, fiel die Reaktion des Vorgesetzten schon deutlich kühler aus. Bei der Ankündigung der dritten Schwangerschaft forderte Mönnikes´ Chef 2010 knapp: „Jetzt ist aber mal ihre Frau dran mit Elternzeit“.

Doch Mönnikes Gattin hatte andere Pläne: Sigrid Nikutta, damals 41, machte gerade Karriere im Bahn-Konzern, wo sie zunächst Chefin aller Lokführer im Güterbereich und später dann Produktionsvorstand in Polen war. 2011 wechselte die Diplom-Psychologin den Arbeitgeber und leitet seitdem die Berliner Verkehrsbetriebe mit rund 13000 Mitarbeitern.

Während Sigrid Nikutta also zu einer der wenigen Spitzenmanagerinnen der deutschen Wirtschaft avancierte, erlebte ihr Mann auf seiner Teilzeit-Stelle in Frankfurt zunehmende Spannungen: Erst verlor er seine Lieblingsprojekte, dann wurde ihm ein Vollzeit-Kollege vor die Nase gesetzt. Als sich Kind Nummer vier ankündigte, hielt den Familienvater deshalb nichts mehr davon ab, seiner Frau von Wiesbaden nach Berlin hinterherzuziehen und sich erneut in die Elternzeit zu verabschieden. Zu tun gab´s genug: Er kümmerte sich um den jüngsten Sohn, suchte Kitas und Schulen für seine Älteren, organisierte den Haushalt. Und 2016 kam dann auch noch das fünfte Kind des Akademiker-Paares zur Welt. Für die Jahre nach seiner Elternzeit liebäugelt Mönnikes nun mit der beruflichen Selbstständigkeit, um Job und Familie besser vereinbaren zu können.

Wären die negativen Erfahrungen, die Mönnikes mit seinem Arbeitgeber gemacht hat, heute undenkbar? Oder allgemeiner gefragt: Hat sich die Väterfreundlichkeit in deutschen Unternehmen inzwischen deutlich verbessert? Nicht wirklich, zeigt das aktuelle Väterbarometer des Bundesfamilienministeriums, für das jedes Jahr 1000 angestellte Väter minderjähriger Kinder und 300 Arbeitgeber aller Branchen und Größenklassen befragt werden. Die Ergebnisse der Befragung veröffentlicht das Handelsblatt exklusiv.

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