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Verwalter schlägt Gründer
Gründergeist an der Konzernspitze gesucht

Unternehmer-Gen in der Chefetage? Fehlanzeige. Ex- Gründer sind in Konzernen zwar dringend gesucht. Aber sie fühlen sich selten willkommen – und so gelangen eher Kandidaten mit einer klassischen Manager-Vita nach oben.

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Was haben ein ehemaliger Delikatessenhändler aus dem amerikanischen Long Island und ein Ex-Kneipenbesitzer aus Dingolfing gemeinsam? Sie sind heute amtierende Chefs in zwei von Deutschlands 30 größten Konzernen. Die Rede ist vom SAP-Vorstandsvorsitzenden Bill McDermott, der sich schon mit 17 Jahren neben der Schule mit einem Lebensmittelgeschäft selbstständig machte. Und dem scheidenden Adidas-Chef Herbert Hainer, der mit einem Kommilitonen während seines Betriebswirtschaftsstudiums den 'Gußofen' betrieb, bevor er die Laufbahn als Konzernmanager einschlug.

„Der 'Gußofen' war ein riesiger Erfolg“, sagt Hainer im Rückblick. „Wir haben beide abends dort abwechselnd gearbeitet und uns am Anfang keinen Unternehmerlohn ausgezahlt. Nach einem Jahr haben wir das Darlehen, was wir aufgenommen hatten, komplett abbezahlt und die Kneipe mit Gewinn wieder verkauft.“

Hainer und McDermott gelten mit ihrer Gründererfahrung als Exoten. In Deutschland, wo McDermott nach Hainers Abgang bei Adidas ab Oktober voraussichtlich der letzte Dax-Vorstandschef mit Unternehmervergangenheit sein wird und erst recht in den USA, wo kein einziger Chef im Dow-Jones-Index je ein eigenes Unternehmen gegründet oder geführt hat.

Noch sind Hainer und McDermott also Sonderfälle. Warum das so ist, weiß Hubertus Graf Douglas, Geschäftsführer der Personalberatung Korn Ferry in Deutschland: „Die aktuelle Chef-Generation ist einer Zeit entsprungen, in der Gründergeist weniger gefragt war, als das Erbe der Gründergeneration davor zu erhalten oder zu mehren. Jeder bekam sofort einen Job, da stellte sich die unternehmerische Frage häufig gar nicht.“ Wer heute an der Spitze eines börsennotierten Großunternehmens stehe, der habe sein Berufsleben mit dem Weg durch die verschiedenen Führungsebenen und im angestellten Management verbracht.

Doch die Voraussetzungen haben sich angesichts von Globalisierung und Digitalisierung gewandelt. „Daher würden Chefs mit unternehmerischer Erfahrung auch heute schon vielen Konzernen guttun“, sagt Graf Douglas. Gerade in einer Zeit, in der viele Firmen sich als Mitarbeiter den „Unternehmer im Unternehmen“ wünschen, wäre es notwendig, sich auch beim Spitzenpersonal von den schnurgeraden Lebensläufen der Vergangenheit abzuwenden. Und stattdessen „auf diejenigen zu schauen, die das größte Potenzial haben, um die Probleme von morgen zu lösen“. Anders gesagt: Macher statt Verwalter sind gefragt.

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