Zukunft der Arbeit: Warum die Frauenquote allein nicht reicht

Zukunft der Arbeit
Warum die Frauenquote allein nicht reicht

Die Frauenquote ist beschlossen – doch jetzt fängt die Arbeit erst an. Unternehmen, die zukunftsfähig sein möchten, müssen ihre Kultur verändern. Vielfalt betrifft nicht nur die Geschlechter. Ein Gastkommentar.
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BerlinNun haben wir also die Frauenquote. Ist jetzt alles gut? Mitnichten. Eigentlich müssten wir traurig sein! Unternehmer und Arbeitgeber, öffentliche wie private, hatten viel Zeit – und sie haben ihre Chance, proaktiv zu handeln und elegante Lösungen für eine Kultur der Diversity zu schaffen, vertan.

Die „Selbstverpflichtung zur Förderung von Chancengleichheit“, die die damalige Bundesregierung und die Arbeitgeberverbände bereits im Jahr 2001 (!) beschlossen haben, ist – was Frauen in Führungspositionen betrifft – in der Folgezeit nahezu ergebnislos verpufft, genauso wie die freiwilligen Selbstverpflichtungen der meisten Dax-30-Konzerne. Es stellt sich die Frage: Muss denn immer erst der Gesetzgeber das Handlungsvakuum der Unternehmen füllen? Mit welchem Recht glauben Unternehmen, sie könnten ihre soziale Sensorik ausschalten und soziale Themen einfach aussitzen – und hinterher aufjaulen?

Unternehmen sind, wie der große Managementdenker Peter F. Drucker sagte, wie Organe in einem Körper und haben damit die Aufgabe, der Gesellschaft zu dienen. Sie dürfen nicht autistisch handeln und zugunsten reinen Gewinnstrebens die soziale Realität um sich außer Acht lassen. Das ist in anderen Ländern – wie zum Beispiel im skandinavischen Raum – früh erkannt worden. Dort wurde nicht nur klug in Erziehung und Bildung investiert, man hat sich auch schon lange Gedanken gemacht, wie Leben, Chancenfairness und Arbeiten eine symbiotische Beziehung eingehen können.

Deutschland hingegen ist, wenn es um das Thema Arbeit geht, in vielen Punkten unterentwickelt. Das gilt nicht nur beim Thema Frauenförderung und Familie, sondern auch bei den Themen Führung, Gesundheit, Wissensmanagement und Innovationskultur. Nicht zuletzt aus diesem Grund setzt sich die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gegründete „Initiative Neue Qualität der Arbeit“ seit mehr als zehn Jahren damit auseinander, dass Arbeit für Unternehmen rentabel und gleichzeitig für Mitarbeiter gesund, motivierend und attraktiv gestaltet werden muss. Der pure Effizienzkapitalismus ist ein Auslaufmodell und ignoriert Lebenswirklichkeiten.

Neben dem Verzicht auf Unternehmensautismus braucht es auch ein scheuklappenfreies Bekenntnis zu einer diversity-orientierten Kultur. Denn wer glaubt, es sei damit getan, eine neue, künstlich erzeugte Frauenelite in einer alten Unternehmenskultur heranzuziehen, der wird scheitern.

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„Wenn eine Frau durchgreift, ist sie zickig“

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  • Ich bin eine Frau. Ich bin Unternehmensgründerin. Ich bin Verwaltungsrätin eines Unternehmens. Ich bin Verwaltungsratspräsidentin eines anderen Unternehmens. Und ich halte nichts von dieser zu Unrecht gefeierten Frauenquote. Ähnlich wie Sie, Herr Sattelsberger, fordere ich: Gleichberechtigung ja, Quote nein!

    Frauen alleine aufgrund ihres Geschlechts zu bevorzugen, ist diskriminierend und gleichzeitig eine Benachteiligung von jenen Männern, die aufgrund ihrer Fähigkeiten besser für eine bestimmte Stelle geeignet wären. Wir müssen dahin kommen, Positionen nach Qualifikationen und Leistungen zu besetzen, nicht nach Geschlechtern oder anderen Diversity-Ansätzen – und das nicht nur auf Aufsichtsrat-Ebene. Wir brauchen Unternehmens- und Gesellschaftsstrukturen, die Positionen nach Qualifikationen und Leistungen besetzen und die dadurch auch Frauen den Weg in Spitzenpositionen ermöglichen, ohne dass sie als Quotenfrau gelten müssen.

    Ein bisschen genauer gehe ich auf meine Haltung zur Frauenquote in diesem Blogartikel ein http://vision.haufe.de/blog/gleichberechtigung-ja-frauenquote-nein/

  • "Sind wir Exportweltmeister weil wir zuwenig Frauen, Schwerbeschädigte und Migranten in Führungspositionen haben?"

    und

    "Frauen haben grundsätzllich - ohne staatliche Eingriffe - nur dann die gleichen beruflichen Chancen wie die Männer wenn sie auf Kinder verzichten. Viele junge Frauen tun dass, mit der Folge das wir Migrantenfamilien (mit einem ganz anderen Frauenbild) mit vielen Kindern ins Land holen, damit wir auch in fünfzig Jahren noch Exportweltmeister sind. Vielleicht liegts ja am Breitengrad und nicht am Volk."

    Gute Fragen. Lohnt sich, mal drüber nachzudenken. Und sich dabei bitte unbedingt der Tatsache vergegenwärtigen, dass wir nicht nur was die Wirtschaft betrifft längst im digitalen Zeitalter der Globalisierung angelangt sind und nationale Scheuklappen daher zwangsläufig einer (selbstauferlegten) schweren Behinderung gleichkommen!!

    Dass die Interessen von Männern und Frauen meist eher nicht die gleichen sind – und das auch ohne äußere Einflüsse – lässt sich kaum bestreiten.
    Aber wenn alle nur noch Ingenieure, Techniker, Bauarbeiter, IT-Experten und sonstige „Männerberufe“ wählen würden und es keinen mehr gäbe, der hinter ihnen sauber macht, dafür sorgt, dass sie sich anständig anziehen, sie bei Bedarf pflegt und überhaupt für ein angenehmes Umfeld und einen gesitteten Umgangston sorgt, in dem sich alle wohlfühlen können, wären diese „echten Männer“ allesamt aufgeschmissen.

    Nach allem, was ich jeden Tag so höre (bzw. lese) habe ich jedenfalls schwer den Eindruck, dass gerade die ausgebufften „Profis“ (assoziiert damit jetzt jemand Frauen?) in der Welt der Wirtschaft und Finanzen längst nicht mehr wirklich wissen, was sie da eigentlich den ganzen Tag machen, sondern nur noch stur irgendwelchen fremdbestimmten Spielregeln – sprich: den einstudierten Regeln irgendwelcher Gesetze (welchen, fällt mir gerade nicht ein, kann da evtl. jemand helfen?), die von interessierter Seite deren partikulären Interessen entsprechend "ausgestaltet" wurden zu folgen.

  • Der Herr Sattelberger quasselt, oder umgelehrt?

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