Singapur-Special
„Hier wird einem wirtschaftliches Handeln am Leichtesten gemacht“

Singapur ist der ideale Standort für den Asien-Neulinge. Das sagt Dr. Tim Philippi, seit acht Jahren Chef der Deutsch-Singapurischen Industrie- und Handelskammer (AHK). Urs Wälterlin sprach mit ihm in Singapur.
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Handelsblatt: Dr. Philippi, es gibt rund 7.000 Deutsche in Singapur. Eine hohe Zahl. Was machen die alle hier?

Tim Philippi: Die Zahl der Deutschen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Vor fünf Jahren waren es noch um die 4.500. Die meisten Deutschen in Singapur arbeiten für deutsche Unternehmen, oder sie sind Wissenschaftler, die hier an Universitäten und Forschungseinrichtungen arbeiten. In Singapur gibt es etwa 1.200 deutsche Unternehmen. Auch diese Zahl hat sich in den letzten sechs Jahren ziemlich genau verdoppelt. Alle großen sind hier: etwa Bayer, BASF, Daimler, Siemens. Und dann natürlich die zahlreichen deutschen Mittelständler. Sie sind etwa im Bereich Maschinenbau tätig, Feinmechanik, Elektronik, oder im Handel. Mehr und mehr kommen aber auch Dienstleister hierher, etwa Steuerberater und IT-Firmen.

Also ist Singapur in den letzten Jahren populärer geworden mit deutschen Unternehmen?

Wenn man die Zahlen anschaut auf jeden Fall. Singapur hatte in den letzten Jahren ja auch regelmäßig ein sehr gutes Wirtschaftswachstum. Nach der letzten Delle 2003 mit der ausklingenden SARS-Krise und der Vogelgrippe, war das Wirtschaftswachstum um die 8 Prozent. Das hat natürlich auch deutsche Unternehmen überzeugt, hierher zu kommen, um an diesem Wachstum teilzunehmen. Nicht nur aber vom Wachstum in Singapur, sondern der Region.

So ist man in Singapur nicht einfach nur wegen der Möglichkeiten, die sich hier vor Ort ergeben?

Das ist richtig. Die meisten Unternehmen hier sind regional engagiert. Die Zuständigkeiten erstrecken sich in fast allen Fällen zuerst einmal auf Südostasien, meistens dann auch noch Australien und Neuseeland, in vielen Fällen auch Indien, Südkorea und Japan. Eher selten wird China von Singapur aus betreut.

Sie haben die starke Präsenz von Mittelständlern erwähnt. Ist dieses Gebiet – Südostasien – nicht zu groß für den durchschnittlichen deutschen Mittelständler, und vielleicht auch kulturell zu komplex?

Nein, ist es nicht, wie die Zahlen zeigen. Nun muss man sich aber auch nicht vorstellen, dass die Mittelständler einfach so herkommen und dann gleich einen Betrieb mit 50 Leuten aufmachen. In vielen Fällen beginnen sie mit einem Büro im German Centre mit einem Vertreter aus Deutschland, und dann einem lokalen Angestellten. Andere wiederum lassen sich durch ein Handelshaus vertreten. Dann beginnen sie, von hier aus ein Vertriebsnetz in der Region aufzubauen. Dabei hilft natürlich die AHK Singapur mit ihren Dienstleistungen. Dann werden die Produkte im Markt eingeführt, die Region wird erschlossen, das Unternehmen wächst. 

Können Sie ein Beispiel nennen eines Mittelständlers, der klein nach Singapur kam und es dann zu was Großem brachte?

Söhnle Professional ist so ein Beispiel, ein Hersteller von industriellen Waagen und Waagen für den Gesundheitssektor. Der ist vor etwa vier Jahren nach Singapur gekommen und hat relativ klein angefangen. Er baute dann seine Aktivitäten in der Region aus, nicht nur im Vertrieb sondern auch im Einkauf von Vorprodukten.

Welche Länder Südostasiens sind für in Singapur ansässige Unternehmen die wichtigsten?

Da ist erst einmal Indonesien, mit 240 Millionen Menschen das bevölkerungsreichste Land der Region. Dann auch Malaysia, ein sehr weit entwickeltes Land in Südostasien, aber auch Thailand und Vietnam. Natürlich gibt es in den ASEAN-Ländern (Vereinigung südostasiatischer Staaten) auch sektorale Unterschiede. In Thailand etwa gibt es sehr viel Automobilindustrie, Zulieferindustrie und Lebensmittel. In Malaysia liegt ein Schwerpunkt bei der chemischen Industrie, oder der Elektronik- und Halbleiterindustrie. In Indonesien ist es etwa der Maschinenbau und alles, was mit Rohstoffen und Energie oder aber auch mit Konsumgütern zu tun hat.

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