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300 Jahre Maria Theresia
Drei Kriege, 16 Kinder und millionenfache Bewunderung

Nicht nur Österreicher halten Maria Theresia für die berühmteste weibliche Führungsfigur der Geschichte. Historiker entlarven zu ihrem 300. Geburtstag zahlreiche Mythen. Als Vorbild taugt sie aber immer noch.
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DüsseldorfNach dem Tod Maria Theresias gab es viele offene Fragen. Eine der komplizierten war, wie man so einer Frau eigentlich ein Denkmal setzt: 16 Kinder, drei Kriege, unzählige Feinde, mehrere Staatsreformen des maroden Habsburger-Reiches. Sie war vier Jahrzehnte lang mehr als eine Königin. Maria Theresia war die Mutter der Nation. Und es gibt reichlich Gründe, sich ihren einzigartigen Führungsstil zum Vorbild zu nehmen - im Guten wie im Schlechten.

Ein Denkmal hatte sie verdient, keine Frage. Aber Im Gegensatz zu männlichen Herrschern konnte man Maria Theresia ja nicht einfach auf ein Pferd setzen - wohlgleich sie sehr passabel reiten konnte und damit nicht zuletzt die Ungarn für sich einnahm. Also weilt sie heute im Schatten der Hofburg an der Wiener Ringstraße auf einem Thron sitzend mit reichlich kleinen Männern unter sich. Man stelle sich Angela Merkel so vor mit Friedrich Merz und all den anderen.

Dabei hinkt ein Vergleich zwischen der aktuellen Bundeskanzlerin Deutschlands und Maria Theresia. Bis auf die Tatsache, dass beide zu ihrer Zeit die mächtigste Frau der Welt sind, gibt es kaum Parallelen. Die eine musste viel tun, um Kanzlerin zu werden, die andere bekam die Königswürde per Geburt. Die eine brauchte keine nennenswerten Reformen zu unternehmen, damit es Deutschland gut geht, die andere kämpfte mit Geschick und Verve permanent um das Überleben ihres Landes.

Die übliche Heldenerzählung über Maria Theresia geht so: 1740 erbte sie mit 23 Jahren den Thron des riesigen Habsburgerreiches mit Ländereien von Nordeuropa bis ins südlichste Italien. Das heruntergekommene Riesenreich wurde daraufhin gleich mal von mehreren Feinden überfallen. Maria Theresia gewann das Vertrauen ihrer Landsleute, überzeugte auch die wilden Horden aus Ungarn für sich zu kämpfen und überstand den siebenjährigen Krieg genauso wie noch zwei weitere.

Nebenbei gebar sie 16 Kinder, von denen zehn überlebten und ihre Erbfolge ermöglichten. Sie überzog das Land mit dringend benötigten Reformen und machte aus einem Trümmerhaufen von Ländern einen richtigen Staat. Möglich wurde das durch die Verehrung, die ihre Untertanen der charmanten Monarchin entgegenbrachten, einer Symbolgestalt und Heldin.
Das Dumme ist nur: So stimmt die Story nicht ganz. Bis heute wird viel über Maria Theresia geschrieben, das den Gang der Geschichte nicht präzise wiedergibt. Neue Biografien sind erschienen. Die beste stammt von Barbara Stollberg-Rilinger. Auf gut 1.000 Seiten kommt man der Herrscherin sehr nahe, ohne es sich mit ihr gemein zu machen: ”Man muss sich die Heldin vom Leibe halten”, schreibt sie im Vorwort.

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