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Cultural Fit vs Zufriedenheit
Was wir aus Googles Sexismus-Fall lernen können

Können Mitarbeiter im Job zufrieden sein, obwohl sie nicht zum Unternehmen passen? Das sexistische Pamphlet des Google-Mitarbeiters zeigt, warum Werte bei der Mitarbeiter-Auswahl mehr zählen als Fachkenntnisse und Geld.
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DüsseldorfVor ziemlich genau vier Wochen ist ein Google-Entwickler, der in einem „internen Manifest“ die Meinung vertrat, Frauen seien biologisch weniger für Erfolg in der Tech-Industrie geeignet, fristlos gefeuert worden. Wegen des Vorfalls, der nicht nur für heftige Debatten innerhalb des Konzerns, sondern auch weltweit für Aufruhr sorgte, unterbrach Google-Chef Sundar Pichai sogar seinen Urlaub.

Der Mitarbeiter hatte die Google-Führung in eine schwierige Situation gebracht, denn er beklagte auch, dass es in einer ideologisierten Unternehmenskultur nicht möglich sei, eine abweichende Meinung offen zu vertreten. Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, rechtzeitig abzuklopfen, ob Unternehmen und Mitarbeiter auch kulturell gut zusammen passen. Am besten natürlich noch bevor der Arbeitsvertrag unterschrieben ist. Denn auch wenn ein Kandidat auf dem Papier quasi perfekt erscheint, kann er nicht zum Unternehmen passen und seine Einstellung zu bestimmten Themen oder Arbeitsweisen macht die Zusammenarbeit im schlimmsten Fall unmöglich.

Experten sprechen hier vom sogenannten Cultural Fit, der - grob gesagt - die Übereinstimmung des Bewerbers mit den im Unternehmen gelebten Wertvorstellungen beschreibt. Oder anders ausgedrückt: bei der Dating-App Tinder hätten Mitarbeiter und Unternehmen ein perfektes Match, was die Wahrscheinlichkeit für eine ziemlich gute Arbeitsbeziehung erhöht. Das gilt natürlich für beide Seiten. Denn auch wenn gute Bezahlung, ein sicherer Job, angenehme Arbeitszeiten und ein Tischkicker im Flur bei der Wahl des Arbeitgebers eine wichtige Rolle spielen, legen auch die Mitarbeiter in Deutschland auf die Identifikation mit dem eigenen Unternehmen großen Wert.

Die Online-Jobplattform Stepstone hat jetzt allerdings herausgefunden, dass rund 43 Prozent der Fachkräfte der Meinung sind, nicht zur Kultur ihres Unternehmens zu passen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, für die mehr als 25.000 Fach- und Führungskräfte und rund 4.000 Recruiter zum Thema Unternehmenskultur befragt wurden.

Können Mitarbeiter in ihrem Job zufrieden sein, obwohl sie nicht zum Unternehmen passen? Die Stepstone-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass dies eher selten der Fall ist: Unter den Mitarbeitern, die sich mit ihrem Unternehmen identifizieren können, sind 59 Prozent mit ihrem Job zufrieden. Dagegen können sich nur neun Prozent aller Fachkräfte, die mit ihrer Stelle unzufrieden sind, trotzdem mit ihrem Arbeitgeber identifizieren.

„Die Beurteilung des Cultural Fit zwischen Bewerber und Arbeitgeber gehört zu den größten Herausforderungen der Personalgewinnung. Recruiter sollten bei der Auswahl neuer Mitarbeiter gezielt deren Werte und Einstellungen mit denen des Unternehmens vergleichen. Nur so können nicht nur die besten, sondern auch die passenden Talente gewonnen werden“, sagt Sebastian Dettmers, Geschäftsführer bei Stepstone.

Dieser Ansicht ist auch Markus K. Reif, Personalchef bei der Personal- und Managementberatung Kienbaum: „Viele Personaler predigen seit Jahren, dass wir die Personalauswahl von der Biografieorientierung zur Talentorientierung ändern. Oder kurz gesprochen: hire character, train skills.“

Eine fehlende Identifikation mit der Kultur des Arbeitgebers ist für den Großteil der Fachkräfte ein entscheidender Grund für einen Jobwechsel: Mehr als jeder Zweite (56 Prozent) hat ein Unternehmen wegen einer unpassenden Kultur schon einmal verlassen. Die gleiche Anzahl der Befragten glaubt zudem, dass Unternehmen, die der Persönlichkeit der Bewerber eine große Bedeutung beimessen, insgesamt erfolgreicher sind.

Carina Kontio ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte.
Carina Kontio
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen

Kommentare zu " Cultural Fit vs Zufriedenheit: Was wir aus Googles Sexismus-Fall lernen können"

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  • „Der Mitarbeiter hatte die Google-Führung in eine schwierige Situation gebracht, denn er beklagte auch, dass es in einer ideologisierten Unternehmenskultur nicht möglich sei, eine abweichende Meinung offen zu vertreten.“

    Was, bitte, hat es denn mit „Ideologie“ und „Kultur“ zu tun, wenn ein Unternehmen Wert auf die Einhaltung simpelster universeller (d.h. weltweit von fast allen Menschen - auch unausgesprochen und -geschrieben - als allgemeingültig anerkannter, also eigentlich selbstverständlicher) Regeln des Anstands und des respektvollen Umgangs miteinander legt?

    Allen Ideologien, gleich welcher Art, ist die unzulässige Verallgemeinerung bzw. Pauschalisierung menschlicher Eigenschaften und Bedürfnisse gemein, sie respektieren also nicht die Einzigartigkeit eines jeden Menschen und schränken ihn damit in seiner persönlichen Freiheit unzulässig ein. Das ist die eigentliche Bedeutung von "Ideologie", und d e s w e g e n sind Ideologien nicht akzeptabel.

    Unterdrückung, nicht nur der Meinungsfreiheit(!) ist also Folge, nicht Ursache des Dogmatismus bzw. des unrechtmäßigen Absolutheitsanspruchs, der allen Ideologien eigen ist.

    Und: „Kultur“ einfach nur ein ganz neutraler Begriff, nicht etwa ein Wert an sich.
    J e d e Kultur ist in ihrer Art einzigartig und hat gute und weniger gute Eigenheiten und muss sich daher genauso weiterentwickeln wie die ganze übrige Welt. Kultur ist also nichts Statisches, Unverrückbares.

    Also sollte man sich von solchen vermeintlich bedeutungsschwangeren Statements wie dem in dem Zitat oben, mal nicht ins Bockshorn jagen lassen.

  • Jeder der im Management grosser Konzerne arbeitet kennt die politischen Machtspiele die dort gespielt werden. Bei Google kam vermutlich eine grosse Portion linker und radikalfeministischer Ideologie hinzu.

    Soweit aus alternativen Medien bekannt, wurden Frauen bei Google aufgrund ihres Geschlechts mit Quoten in technische Funktionen gesetzt denen diese nicht gewachsen waren. Die Männer mussten dies ausbaden.

    Da mann üblicherweise sich selbst und eine Familie zu ernähren hat spielt mann diese Spiele mit, oder hält seinen Mund.

    Der Google Mitarbeiter hatte den entsprechenden Mut seine Kritik an der Ideologie, dem Radikalfeminismus und der üblichen Männerdiskriminierung im Sinne dieser destruktiven Ideologie zu veröffentlichen. Das ist für die Qualitätsmedien so schlimm wie politische Oppositionsparteien.

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