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Europäischer Depressionstag
„Totschweigen und Nichtstun verhindert keine Suizide“

In Deutschland sterben mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle, Aids, Drogen und Raubüberfälle zusammen. Jährlich nehmen sich 600 Menschen unter 25 das Leben. Expertin Diana Doko räumt mit Vorurteilen auf.

In Deutschland setzen mehr als 10.000 Menschen jedes Jahr ihrem Leben selbst ein Ende. Ein häufiger Grund für den Suizid sind Depressionen. Bei Jugendlichen ist Suizid die zweithäufigste Todesursache nach Unfällen. Die 44-jährige Berlinerin Diana Doko ist Mitgründerin des Vereins „Freunde fürs Leben“ und klärt junge Menschen über das Thema auf. Im Interview anlässlich des Europäischen Depressionstags am 1. Oktober spricht die PR-Beraterin und Hochschuldozentin über den Umgang mit Depressionen, die vor allem bei Managern und am Arbeitsplatz noch immer ein großes Tabu sind.

Frau Doko, warum haben alle Angst, über das Thema zu reden?
Depression und Suizid sind Tabu-Themen in unserer Gesellschaft, und selbst im persönlichen Miteinander ist es schwierig, über depressive Phasen zu sprechen. Daher ist Aufklärung so extrem wichtig, denn nur wenn wir über Warnsignale, Hilfsangebote und Therapiemöglichkeiten Bescheid wissen, können wir zu Lebensrettern werden. Die meisten Menschen reden oft aus Unwissenheit oder Angst, etwas Falsches zu tun, nicht darüber. Und dann sagen oder tun sie oftmals lieber gar nichts. Aber das Nichtstun verhindert keine Suizide.

Gehen Jugendliche eigentlich anders mit dem Thema um als Erwachsene?
Wir als Erwachsene müssen jungen Menschen doch erst einmal einen Umgang mit den Themen Depression und Suizid beibringen, sie für die Problematik sensibilisieren und aufklären. So wie an Schulen über Alkohol- und Drogenmissbrauch informiert wird, muss es dort auch eine Aufklärung über seelische Gesundheit geben.

In der Pubertät spielen doch bei vielen die Hormone sowieso verrückt - wann wird es grenzwertig mit der schlechten Laune?
Ach, das kennt doch jeder von uns aus seiner eigenen Jugend. Da passiert plötzlich so vieles im eigenen Körper, das einem neu und fremd ist. Man weiß nicht wohin mit sich und den Gefühlen, ist unsicher, aufgedreht und durcheinander. Ist das jetzt dauerhaft schlechte Laune oder geht es schon in Richtung psychische Krise? Für Jugendliche, die dann den Unterschied zwischen schlechter Laune und psychischer Krise nicht kennen, weil ihnen gesundheitsfördernde Faktoren wie Resilienz, soziale Kompetenz oder Bewältigungsstrategien nie beigebracht wurden, kann das bis ins hohe Alter Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben.

Wie helfen Sie den jungen Menschen mit „Freunde fürs Leben“ konkret?
Wir holen die Jugendlichen dort ab, wo sie sich aufhalten: Im Internet und in sozialen Netzwerken. Wir nutzen ihre Kommunikations- und Informationsgewohnheiten und bieten ihnen mit unserem „frnd“-Youtube-Kanal oder unserer „frnd“-Facebookseite einen niedrigschwelligen Zugang zu so einem schweren Thema wie Depression oder Suizid.

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