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Home-Office in der Digitalbranche
Drei Viertel dürfen von Zuhause arbeiten

Örtlich und zeitlich flexibles Arbeiten ist zumindest in der Digitalbranche weit verbreitet. Dennoch sehen es die Chefs nicht gerne. Eine Umfrage zeigt jetzt, dass Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen.
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DüsseldorfHome-Office: Während sich noch viele Arbeitgeber in klassischen Branchen skeptisch zeigen und misstrauisch gegenüber ihren Mitarbeitern sind, ist die Möglichkeit, flexibel arbeiten zu können in der Digitalen Wirtschaft längst Standard. Das geht aus einer neuen Umfrage des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) unter 712 Arbeitnehmern seiner Mitglieder hervor. Darunter sind neben vielen Agenturen aus dem Digitalbereich und großen Playern wie Facebook, Google, T-Systems oder SAP auch sich digitalisierende Unternehmen wie Gothaer oder BMW vertreten.

Drei Viertel (75 Prozent) der befragten Arbeitnehmer geben also an, von Zuhause arbeiten zu dürfen. Allerdings ist die Regelung nur bei 24 Prozent im Arbeitsvertrag geregelt. Für Harald R. Fortmann, Botschafter für die Arbeitswelt der Zukunft im BVDW, ist das keine Überraschung: „Häufig handelt es sich um Kulanzregelungen ohne festgelegte Kriterien. Vor allem in größeren Unternehmen gibt es aber offizielle Betriebsvereinbarungen, in denen die Bedingungen festgelegt sind.“ Nach der BVDW-Umfrage sind die technischen Möglichkeiten in 95 Prozent der Unternehmen gegeben.

Ein Drittel der Befragten (34 Prozent), die das Angebot für Home-Office nicht in Anspruch nehmen, geben an, dass der Arbeitgeber es nur ungern sehe, wenn von Zuhause gearbeitet wird. „Hier besteht vor allem kulturell eine riesige Lücke. Es wird seine Zeit brauchen, bis alle Führungskräfte verstanden haben, dass sich flexibles Arbeiten positiv auf die Produktivität und Arbeitsergebnisse auswirken kann“, erklärt Fortmann.

Dabei ist die Erwartungshaltung groß: 92 Prozent der Befragten, denen Home-Office nicht angeboten wird, wünschen sich die Möglichkeit, von Zuhause arbeiten zu können – besonders, um konzentrierter arbeiten zu können (72 Prozent), sich die Fahrzeit zur Arbeit zu sparen (63 Prozent) und sich die Arbeitszeit selbstständig einteilen zu können (62 Prozent). Immerhin fast jeder Zweite (44 Prozent) möchte durch Home-Office die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern. Aber hier geben drei von zehn Befragten (31 Prozent) an, für sich persönlich nicht genau zwischen Arbeitszeit und Freizeit abgrenzen zu können.

Fast drei Viertel (73 Prozent) sind während ihrer Freizeit per Telefon oder Mail erreichbar – in 94 Prozent der Fälle werktags nach der Arbeit. Während des Urlaubs bearbeiten 63 Prozent der befragten berufliche E-Mails oder führen berufliche Telefonate.

Insgesamt führt das zu einer höheren Arbeitsbelastung: Fast die Hälfte (47 Prozent) gibt an, mehr zu arbeiten als noch vor drei Jahren. Harald R. Fortmann: „Die Bedürfnisse sind ganz individuell. Der eine möchte Arbeit und Familie miteinander vereinbaren und seine beruflichen Aktivitäten in die Freizeit integrieren. Der nächste legt großen Wert darauf, das zu trennen. Wer als Arbeitgeber im Rennen um die besten Köpfe mithalten will, muss sich darauf einstellen können.“

Carina Kontio ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte.
Carina Kontio
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen

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