Muss Arbeit sinnvoll sein?: Warum Sie für Ihren Job nicht alles geben müssen

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Muss Arbeit sinnvoll sein?
Warum Sie für Ihren Job nicht alles geben müssen

Laut Umfragen sind die meisten Deutschen in ihrem Job unglücklich. Doch warum? Bestsellerautor Volker Kitz zerlegt die gängige Hybris und warnt vor überzogener Erwartungshaltung.
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DüsseldorfNiemand liebt seine Arbeit hierzulande mehr als Hochschullehrer. Sie stehen in einer Umfrage des Instituts für Wirtschaftsforschung ganz oben. Am unzufriedensten mit ihren Jobs sind Lagerarbeiter. Das klingt zunächst einmal nicht irrsinnig überraschend. Doch spannend ist der Blick auf die Durchschnittsnoten: Auf einer Skala von null bis zehn gaben sich die Uni-Profs im Schnitt eine 7,7; die Lagerarbeiter sortierten sich selbst bei 6,7 ein. Ein einziger Punkt nur trennt die Zufriedensten von den Unzufriedensten.
So schlimm kann es also gar nicht bestellt sein. Scheinbar ist der Deutsche mit seinem Beruf im Großen und Ganzen zufrieden. Doch es gibt auch ganz andere Umfrage-Ergebnisse: So ergibt der „Gallup Engagement Index“, dass sich nur 15 Prozent der Beschäftigten mit ihrem Job identifizieren. Und es gibt zig weitere solcher Studien, die belegen, dass etwas nicht stimmt mit den Deutschen und ihrer Sicht auf die Arbeit. Oft gilt das Mantra: Wenn deine Arbeit dein Herz nicht von ganzem Herz erfüllt, wenn sie nicht dein Selbst ist, ist etwas nicht in Ordnung.

Eine semantische Feinheit erklärt, was mit uns los ist: Fast jedes Wort wirkt als Verb ähnlich wie als Substantiv. Liebe und lieben lösen in Tests positive Gefühle aus, Mord und morden negative. Es gibt nur sehr wenige Ausnahmen. Eine ist Arbeit und arbeiten. Arbeit haben ist schön, zu arbeiten hingegen löst ungute Gefühle aus. Der Bestsellerautor Volker Kitz kommt in seinem aktuellen Buch „Feier-Abend!“ zu einem eindeutigen Befund: „Nicht die Arbeit macht Menschen unglücklich, sondern die Lügen, die wir uns darüber erzählen.“ Welche Lügen das sind, führt der beliebte Redner auf knapp 100 Seiten sehr lesenswert aus.

Zu unseren Dysfunktionalitäten gehöre, dass man im Job einfach nur seiner Leidenschaft folgen solle. Kitz zieht einen einfachen Vergleich mit der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“. An Leidenschaft mangelt es den wenigsten Kandidaten. Wohl aber am Können, weswegen vielen Spott sicher ist. Leidenschaft störe mehr, als sie nutzt. Und deswegen operieren Ärzte ungern Angehörige.

Gute Arbeit erfordere Nüchternheit und gesunde Empathie: „Um in einen fremden Kopf zu schlüpfen, brauche ich Distanz zu mir und meiner Arbeit. Leidenschaft ist das Gegenteil davon“, schreibt Kitz. Je mehr man seine Arbeit liebe, umso mehr werde sie zum Selbstzweck. Und wer seine Arbeit liebt, der sucht seltener nach Möglichkeiten, dasselbe Ergebnis schneller hinzubekommen – sprich effizienter zu agieren. Wer sich dessen bewusst wird, ist auch nicht mehr traurig, wenn er seinen „Traumjob“ noch nicht gefunden hat.

Eine weitere Lebenslüge rund ums Arbeiten ist, dass der Job stets neue Herausforderungen bereithalten möge. Wer fliegt schon gern bei einem Piloten mit, der beim Start ins Mikro spricht, dass dieser Flug für ihn eine grandiose Herausforderung ist – vom Arzt mal ganz zu schweigen. Die Tätigkeiten, der wir tag-täglich nachgehen, seien nun mal Routine und das ist auch gut so. Schließlich liebt unser Gehirn klare Abläufe.

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