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Pinkstinks Deutschland
„Der Konsumterror zementiert unsere Rollenbilder“

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Ist es sexy, ein Nerd zu sein?

Sie tun so, als hätten Eltern keine Chance gegen solche Schilder.
Klar ist das ein Klischee, und die Erwachsenen können erklären, dass das früher nun mal Muttis Aufgaben waren. Aber das Problem ist, dass sich diese Bilder für die Kinder wieder intensivieren. Mädchen hören mit zwölf Jahren auf, sich für Mathe und Naturwissenschaften zu interessieren, weil ihnen gesagt wird, es ist nicht sexy, Nerd zu sein. Sie werden demotiviert von ihrer Peer-Group, weil es keine Vorbilder gibt, weil es nicht einmal in ihren Spielwelten Vorbilder gibt.

Warum konzentrieren Sie sich so auf Werbung und Produkte, die Mädchen in bestimmte Rollen pressen? Es gibt auch Produkte, die Jungs ein enges Rollenkorsett aufzwingen.
Feminismus ist ja der Glaube an die komplette Gleichberechtigung der Geschlechter. Dass man bei Frauen anfängt, liegt daran, dass es ihnen nach wie vor schlechter geht und es so viele Bereiche gibt, in denen sie noch benachteiligt werden. Deshalb engagieren wie uns bei Pinkstinks sehr stark für Mädchen. Aber uns geht es ja nicht nur um Werbung, sondern vor allem um Aufklärung. Kerninhalt unserer Arbeit ist das Theaterstück „David und sein rosa Pony“, mit dem wir in die Schulen gehen.

Worum geht es da?
Es die Geschichte eines Jungen aus den USA, der mit einem Accessoire von „My little Pony“, das ist so eine beliebte amerikanische Trickfilmserie, in die Schule kam und dort so sehr gemobbt wurde, dass er sich 2014 das Leben nehmen wollte. Heute ist er querschnittsgelähmt. Mit dem Theaterstück adressieren wir auch die Probleme von Jungs, die im Jugendalter Spielsucht, Alkoholsucht und Depressionen sind, so wie Mädchen Essstörungen entwickeln oder sich selbst verletzendes Verhalten. Das alles hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen, und viele Forscher sehen auch hier einen Zusammenhang mit einer Spielwelt, die auf Stereotypen basiert.

Was sind das für Stereotype?
Laute und wütende Rollenbilder für Jungs. Stille,  häusliche und niedliche für Mädchen. Das sind zwei völlig verschiedene Spielwelten, die sich kaum mischen. Gehen Sie mal in die Spielwarenläden rein, dort ist Pink die Farbe für alles, was niedlich, süß und häuslich ist. Rosa ist nie die Farbe für Mädchen, die etwas bauen, die stark sind und in MINT-Berufen arbeiten. Für die Wirtschaft funktioniert das natürlich hervorragend, aus einer Kundengruppe zwei zu machen.

Könnte man geschlechtsspezifische Vermarktung nicht auch als eine Anerkennung von gesellschaftlicher Vielfalt betrachten?
Nein, es ist nie etwas Emanzipatorisches, wenn eine Farbe nur einem Geschlecht zugeordnet wird, weil man es davon nicht lösen kann.

Darf es nicht auch möglich sein, dass ein Mädchen nun mal gern fleischwurstfarbene Sachen  trägt?
Doch, natürlich. Uns geht es um die Vielfalt. Wir wollen der Wirtschaft nichts wegnehmen, aber sie nimmt den Kindern die Vielfalt, indem sie Geschlechter in zwei ganz enge Marktgruppen  einteilt. Das hat auch gesundheitliche Folgen…

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