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Rocío Lorenzo „Die Kultur muss man täglich spüren“

Unternehmensberaterin Rocío Lorenzo spricht sich für Vielfalt in Unternehmen aus. Im Interview erläutert die Expertin, warum Firmen erfolgreicher sind, wenn sie Diversity fördern und welche Schattenseiten es gibt.
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Die Unternehmensberaterin hat die Wechselwirkung von Vielfalt und Innovationskraft untersucht. Quelle: PR
Rocío Lorenzo

Die Unternehmensberaterin hat die Wechselwirkung von Vielfalt und Innovationskraft untersucht.

(Foto: PR)

KölnRocío Lorenzo ist Partnerin bei der Boston Consulting Group in München und hat dort die Wechselwirkung von Vielfalt und Innovationskraft untersucht.

Frau Lorenzo, zahlt sich Diversity aus?
Ein klares Ja. Wir haben 171 Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum betrachtet. Erstens konnten wir einen positiven Zusammenhang zwischen der Innovationskraft und der Diversität in der Belegschaft nachweisen. Zweitens: Unternehmen, die mehr Frauen in der Führungsebene haben, sind eindeutig innovativer. Interessant war dabei, dass sich dieser Effekt erst einstellt ab einem Schwellenwert von 20 Prozent Frauenanteil in der Führung.

Welche Ausprägungen von Diversity sind besonders förderlich?
Positiv für die Innovationskraft sind neben der Geschlechtermischung auch andere Dimensionen der Vielfalt wie Nationalität oder Karrierepfade: Positiv ist, wenn Mitarbeiter auch in anderen Unternehmen gearbeitet haben.

Wichtig ist auch der akademische Hintergrund: Arbeiten mehrere Fachrichtungen unter einem Dach? Sind es nur Wirtschaftswissenschaftler oder auch Ärzte und Physiker. Der einzige Faktor, der keinen positiven Einfluss auf Innovationskraft hatte, war das Alter der Kollegen. Hier scheinen Unternehmen das Potenzial nicht vollständig zu heben.

In diesen Ländern arbeiten Frauen am liebsten
Flops 10-6: Golfstaaten
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Für die jährliche „Expat Insider Studie“ des Netzwerks Internations haben rund14.300 im Ausland lebende und arbeitende Personen aus 191 Ländern, Informationen zu zahlreichen Aspekten ihres Lebens im Ausland und zu ihrer Person (unter anderem Geschlecht, Alter, Nationalität) zur Verfügung gestellt. Zu den größten Flops zählen die Golfstaaten. Zwar sind dort ausländische Arbeitnehmerinnen sehr gefragt: 14 Prozent der Studienteilnehmerinnen in Saudi-Arabien und 12 Prozent in Katar wurden von einer dort ansässigen Firma angeworben – viermal so viele wie der globale Durchschnitt. Allerdings scheinen sich Arbeit und Privatleben nicht gut vereinbaren zu lassen: Nur 40 Prozent der befragten Frauen in Saudi-Arabien und 44 Prozent in Katar bewerten diesen Aspekt positiv.

Flops 5-4: Brasilien und Argentinien
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Das Wirtschaftsklima in Argentinien und Brasilien scheint den dort arbeitenden Frauen Sorgen zu bereiten: 87 Prozent der Studienteilnehmerinnen äußern sich hierzu negativ. Brasilien ist jedoch ein beliebtes Ziel für Auslandsentsendungen durch den Arbeitgeber: 18 Prozent der dortigen Arbeitnehmerinnen nennen dies als Hauptgrund für ihren Auslandsaufenthalt. Viele Frauen fürchten, ihren Arbeitsplatz schnell wieder zu verlieren und sind unzufrieden mit ihrer Situation.

Flops 3-1 : Zypern, Italien und Griechenland
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Griechenland ist bei Männern und Frauen gleichermaßen unbeliebt und ist der größte Flop. Die schlechte Bewertung hängt vor allem mit der Wirtschaftslage des Landes zusammen: Neun von zehn Studienteilnehmerinnen schätzen die Entwicklung der griechischen Wirtschaft negativ ein. Bei den Karrierechancen schneiden auch Zypern und Italien nicht wirklich besser ab. Über die Hälfte der befragten Frauen in diesen drei Ländern schätzen die Karrierechancen schlecht ein.

Platz 10: Dänemark
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Die durchschnittliche Arbeitswoche in Dänemark hat bei allen Umfrageteilnehmern, einschließlich der Männer, nur 39 Stunden in Vollzeit und ist damit die kürzeste weltweit. In der Kategorie Job & Karriere liegt das Land bei den Frauen aber weit hinten, nämlich auf Platz 34 von 57. Dafür schneidet Dänemark bei den sicheren Arbeitsplätzen wiederum deutlich besser ab: Platz 15.

Platz 9: Norwegen
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In Norwegen können Frauen mit einer Gehaltserhöhung rechnen: 74 Prozent der Umfrageteilnehmerinnen verdienen mehr als in einer vergleichbaren Stelle im Heimatland. Bei der Lebenszufriedenheit schneidet das Land aber schlechter ab. Im globalen Durchschnitt geben 78 Prozent der Frauen an, mit ihrem Leben im Allgemeinen zufrieden zu sein. In Norwegen sind es nur 66 Prozent.

Platz 8: Neuseeland
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In Neuseeland fällt es Frauen nicht schwer, sich wie zu Hause zu fühlen: So finden mehr als vier von fünf Befragten, dass es einfach sei, sich an die Kultur zu gewöhnen. 60 Prozent der Umfrageteilnehmerinnen erwägen sogar, sich dauerhaft in Neuseeland niederzulassen. Vielleicht trägt ja die Work-Life Balance ein Übriges dazu bei: 77 Prozent der Frauen sind mit diesem Aspekt ihres neuen Lebens im Allgemeinen zufrieden.

Platz 7: Ecuador
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Hohes Gehalt allein macht nicht glücklich: Das zeigen die Umfrageergebnisse in Ecuador. Obwohl 29 Prozent der Frauen hier weniger verdienen als in ihrer Heimat, kann Ecuador mit einer hervorragenden Work-Life-Balance punkten. Über 80 Prozent der Frauen sind damit zufrieden. Das Wirtschaftsklima wird von den Befragten jedoch als schlecht eingestuft.

Bedeutet das: Wer für mehr Vielfalt sorgt, kommt fast automatisch zu mehr Innovationen?
Natürlich ist das kein Selbstläufer. Unternehmen profitieren nur, wenn gewisse Rahmenbedingungen stimmen, etwa eine offene Kommunikation der Führung. Mitarbeiter müssen das Gefühl haben, eine andere Meinung vertreten und Entscheidungen mitgestalten zu können. Diese Kultur der Vielfalt muss man im täglichen Leben spüren – und nicht nur bei der jährlichen Pressekonferenz.

Welche Rolle spielt die Firmengröße?
Wir haben festgestellt, dass komplexere Unternehmen mehr von Vielfalt profitieren. Unternehmen also mit mehreren Produktlinien oder Aktivitäten in einigen Ländern.

Was ist der Grund?
Unsere Hypothese: Größere und komplexere Unternehmen brauchen noch mehr Kreativität, um mit Problemen umzugehen, die aus der Komplexität entstehen. Zudem tut sich ein großes Unternehmen leichter, Rahmenbedingungen für Vielfalt voranzutreiben. So ziehen sie mehr Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen an. Es ist eine Wechselwirkung: Vielfalt treibt Innovationen voran und andersherum.

Gibt es auch Schattenseiten?
Vielfalt und eine Kultur der offenen Kommunikation kann anstrengend sein – plötzlich wird vieles infrage gestellt. Das ist nicht immer angenehm und kann sich bei gewissen Unternehmenskulturen als Störung erweisen. Um das zu vermeiden, braucht das Thema Diversity Rückhalt auf Führungsebene.

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