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Urlaubsanspruch Wann der Urlaubswunsch zum Urlaub wird

Im Juli beginnt die Haupturlaubszeit. Doch bevor Arbeitnehmer die freien Tage genießen können, müssen sie beim Chef erst einen Antrag stellen. Was Vorgesetzte und Mitarbeiter über Urlaubsansprüche wissen sollten.
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Damit sich Arbeitnehmer richtig erholen können, sind sie nicht dazu verpflichtet für Kollegen und Vorgesetzten erreichbar zu sein. Quelle: dpa
Urlauber am Strand

Damit sich Arbeitnehmer richtig erholen können, sind sie nicht dazu verpflichtet für Kollegen und Vorgesetzten erreichbar zu sein.

(Foto: dpa)

DüsseldorfSommer ist Urlaubszeit. Doch wer sich nicht rechtzeitig um seine Erholungstage kümmert, muss damit rechnen, dass sie verfallen. Wie viel Urlaub Arbeitnehmern zusteht, wann der Chef die freien Tage verweigern darf und wann Urlaub wirklich Urlaub ist – die wichtigsten Fragen und Antworten zum Urlaubsanspruch.

Wer muss beim Urlaub die Initiative ergreifen – Arbeitnehmer oder -geber?
Momentan muss noch der Arbeitnehmer die Initiative ergreifen. „Nach bisheriger deutscher Rechtsprechung ist es so, dass ein Arbeitnehmer seinen Anspruch verliert, wenn er seinen Urlaub nicht selbst bis zum Ende des jeweiligen Kalenderjahres beim Chef beantragt hat.“, sagt Aribert Panzer, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei der Kanzlei Schultze und Braun. Doch es gibt mittlerweile mehrere Entscheidungen deutscher Landesarbeitsgerichte, die besagen, dass die Initiative zur sogenannten Urlaubsgewährung vom Arbeitgeber kommen muss – entgegen der bisherigen Ansicht des Bundesarbeitsgerichts. Dessen Richter haben sich nun an den Europäischen Gerichtshof gewandt, der entscheiden muss, welche Partei dazu verpflichtet ist, die Initiative zu ergreifen. Wann die europäischen Richter eine Entscheidung treffen werden, ist laut Panzer noch unklar.

Wer mehr verdient, hat öfter frei
27,6 Urlaubstage im Schnitt
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27,6 Urlaubstage haben deutsche Fach- und Führungskräfte im Durchschnitt pro Jahr. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Vergütungsberatung Compensation Partner, die in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 220.000 Arbeitsverhältnisse ausgewertet hat. Doch: Je nach Branche variieren die arbeitsfreien Tage stark.

Flop – Platz 4: Steuerberatung
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Wer in der Steuerberatung tätig ist, kann der Studie zufolge mit 26 Urlaubstagen pro Jahr rechnen. Obwohl die Zahl der freien Tage unter dem Durchschnitt liegt, ist sie immer noch höher als das gesetzliche Minium. Bei einer Fünf-Tage-Woche sind 20 Urlaubstage rechtens.

Flop – Platz 3: Hotel- und Gaststättengewerbe
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In der Gastronomie erhalten Arbeitnehmer im Durchschnitt 25,9 freie Tage pro Jahr. 23 Prozent der Befragten gaben an, dass sie nur Anspruch auf 24 Urlaubstage haben. Das ist bei einer Sechs-Tage-Woche das gesetzliche Minimum.

Flop – Platz 2: Gesundheitswesen
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Noch weniger Urlaubstage sind in den Verträgen von Arbeitnehmern im Gesundheitswesen vereinbart: Über die verschiedenen Berufsfelder hinweg dürfen die Beschäftigten durchschnittlich an 25,8 Tagen im Jahr freimachen.

Flop – Platz 1: Callcenter
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Wenig Freizeit haben der Studie zufolge Arbeitnehmer, die in Callcentern arbeiten: im Durchschnitt 25,4 Tage pro Jahr. Mehr als jeder fünfte Befragte, der im Callcenter arbeitet, gab an, nur 24 Urlaubstage pro Jahr zu haben.

Flop – Platz 1: Rechtsberatung
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Ebenso viele Urlaubstage wie Callcenter-Mitarbeitern stehen Arbeitnehmern durchschnittlich in der Rechtsberatung zu. Die Untersuchung zeigt darüber hinaus, dass Fach- und Führungskräfte – unabhängig von der Branche – in den Regionen rund um Berlin, Leipzig und Dresden sowie der mecklenburgischen Küste am wenigsten freie Tage haben.

Top – Platz 3: Chemieindustrie
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Arbeitnehmer in der Chemiebranche dürfen sich über durchschnittlich 29 freie Tage pro Jahr freuen. 82 Prozent der Studienteilnehmer, die in diesem Bereich tätig sind, erhalten 30 Urlaubstage.

Wie muss der Urlaubsantrag erfolgen?
Das handhaben Unternehmen Panzer zufolge unterschiedlich. In manchen reicht die mündliche Absprache, in anderen wiederum müssen die Arbeitnehmer ihren Urlaub schriftlich beantragen oder der Arbeitgeber legt eine Liste aus, in der die Mitarbeiter ihre Präferenzen eintragen. Wichtig ist jedoch bei allen Arten von Urlaubsanträgen folgendes: Zum Urlaub wird der Urlaubswunsch rein rechtlich betrachtet erst dann, wenn der Arbeitgeber dem Antrag zugestimmt hat – also etwa, wenn er ihn schriftlich genehmigt. Fakt ist: Es muss für den Arbeitnehmer deutlich erkennbar sein, dass der Urlaub gewährt wurde.

Eines gilt jedoch unabhängig von der Form: „Der Arbeitnehmer muss sich vergewissern, dass sein Antrag beim Vorgesetzten angekommen ist und dieser ihn genehmigt hat“, sagt Susanne Toussaint, Rechtsanwältin beim Berufsverband „Die Führungskräfte“. Wer ohne Genehmigung Urlaub macht, muss mit einer Abmahnung rechnen. In manchen Fällen sogar mit einer fristlosen Kündigung.

Bis wann sollten Arbeitnehmer spätestens ihren Urlaub beantragen?
Weil der Urlaub im entsprechenden Kalenderjahr genommen werden muss, rät Arbeitsrechtler Panzer dazu, den Urlaub so frühzeitig wie möglich zu beantragen. Denn: Um besser planen zu können, vergeben Chefs nach seiner Erfahrung meist am Ende des ersten Quartals eines Jahres die Urlaubstage. „Das schließt aber natürlich nicht aus, dass Mitarbeiter auch schon im Januar in den Urlaub gehen oder auch in den anderen Quartalen noch Urlaub beantragen und nehmen können.“

Chef darf Urlaubsantrag ablehnen
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