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Wirtschaftskriminalität
Der Psychopath in meinem Unternehmen

Ob Insiderhandel oder Bilanzbetrug: Vor allem Menschen mit psychopathischen Zügen treiben wirtschaftskriminelle Handlungen in Konzernen voran, zeigt eine Studie. Wie Unternehmen dem vorbeugen können.
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DüsseldorfZur Jahrtausendwende war Enron eines der größten Unternehmen in den USA. In Veröffentlichungen bezeichnete sich der Energiekonzern gerne selbst als „die großartigste Firma der Welt“. Nur ein Jahr später folgte überraschend die Pleite: Aktionäre, Banken und Pensionsfonds verloren 60 Milliarden Dollar, mehr als 20.000 Mitarbeiter ihre Jobs.

Hinter dem Debakel steht ein Bilanzbetrug, der wohl einer der größten der US-Geschichte ist: Um die Aktien nach oben zu treiben, hatte der Vorstand über Jahre die Bilanz des Konzerns künstlich aufgepumpt – mit Hilfe von mehr als 2.000 Partnerunternehmen, über die Enron quasi mit sich selbst Geschäfte machte. Sogar als alle Fakten gegen sie sprachen, bestritten die dafür verantwortlichen Manager in den Medien, von der Manipulation gewusst zu haben.

Dieser Skandal ist nur ein Beispiel dafür, dass Psychopathen für die Wirtschaft eine existenzielle Gefahr darstellen können. Er ist gleichzeitig der Ausgangspunkt einer Studie von Forschern der Technischen Universität (TU) Kaiserslautern, die nun untersucht haben, wie hoch die Bereitschaft unter Managern ist, Bilanzen zu manipulieren und Insiderhandel zu betreiben.

Das Ergebnis: Menschen, die spezifische Charakterzüge eines Psychopathen aufweisen, stimmen in Unternehmen verstärkt wirtschaftskriminellen Handlungen zu. Laut Volker Lingnau, Leiter des Lehrstuhls Unternehmensrechnung und Controlling an der TU, ist es das erste Mal, dass solch ein Zusammenhang empirisch aufgezeigt worden ist.

Einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zufolge war zwischen 2014 und 2016 fast die Hälfte der großen Unternehmen in Deutschland von wirtschaftskriminellen Handlungen im eigenen Haus betroffen. Der geschätzte Schaden: etwa 100 Milliarden Euro pro Jahr.

Mit ihrem hochgradig egoistischen, skrupellosen, manipulativen und kaltherzigen Verhalten sind die Psychopathen in Nadelstreifen also in der Lage, Unternehmen nachhaltig zu schaden – und sogar in den Ruin zu treiben. Sie entsprechen keinesfalls dem Klischeebild eines Psychopathen wie Jack the Ripper oder Hannibal Lecter. Der Unternehmenspsychopath weiß sich stets zu tarnen: „Psychopathen bleiben oftmals unerkannt, weil sie zielstrebig und intelligent sind, charmant auftreten sowie in der Lage sind, andere für sich zu begeistern“, sagt Lingnau.

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Gesellschaft kann von Psychopathie auch profitieren

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