Buch von Karl Lauterbach
Albtraum-Diagnose Krebs

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erklärt in seinem neuen Buch, warum Krebs zur Epidemie wird, was die Profitgier der Pharma-Firmen anrichtet und was wir auf keinen Fall tun sollten.

DüsseldorfIn einigen Jahren wird es statistisch gesehen niemanden mehr geben, der nicht entweder selbst Krebs oder einen direkten Verwandten hat, der daran erkrankt ist. Allein von den zwischen 1950 und 1970 Geborenen wird jeder zweite an Krebs erkranken. Die Zahlen steigen vor allem deshalb so rasant, weil wir immer älter werden und Krebs mit steigenden Lebensjahren viel häufiger auftritt. Allein bis 2030 werde es weltweit 60 Prozent mehr Fälle der Erkrankung geben. Die krebsfreie Familie wird die Ausnahme werden. Langfristig sei Krebs „die wichtigste Epidemie unserer Zeit, die sich unaufhaltsam ausbreitet.

Mit dieser traurigen Erkenntnis startet der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sein Buch „Die Krebs-Industrie: Wie eine Krankheit Deutschland erobert“. Dass so viele Menschen an Krebs erkranken, sei schwer zu verhindern und paradoxerweise ein gutes Zeichen – schließlich werden wir immer älter und sterben vorher seltener an anderen Faktoren wie Herzinfarkten. So wird sich die Zahl der über 80-Jährigen bis 2035 etwa verdoppeln.

Die eine Frage ist, wie ihnen geholfen wird, wie viele sterben und wie hoch die Lebensqualität ist, die ihnen bis dahin bleibt. Die andere Frage lautet: Wer trägt die Kosten für die teuren Therapien? Lauterbach nennt die Zahl von 45 Milliarden Euro, die in Deutschland jährlich mehr für die Krebsbehandlung aufgewendet werden müsste.

Krebs erzeugt direkte Kosten durch die Behandlung der Krankheit und indirekte Kosten durch den Ausfall des Menschen als Arbeitnehmers – wobei Letztere sogar noch höher sind. Aber auch die Therapie von Krebs werde „in den nächstenJahren dramatisch teurer werden“, schreibt Lauterbach.

Da stellen sich nicht nur Ökonomen die Frage, was Lebenszeit kosten darf: „Wer will den Patienten dieses zusätzliche Jahr zum Preis von 150.000 Euro verwehren?“, fragt Lauterbach. Er geht davon aus, dass solche Therapien in Deutschland auch weiterhin ohne Zuzahlungen der Patienten möglich sein werden. Anders als zum Beispiel in den USA, wo sich entweder nur hinreichend Vermögende die Medikamente leisten können oder sich die Patienten in einer „entwürdigen Prozedur“ bei den Firmen um Zuschüsse bewerben müssen.

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