Frankfurter Buchmesse
„Wir brauchen keinen Verlag“

Immer mehr Autoren verlegen ihre Bücher selbst. Die Frankfurter Buchmesse zeigt: Sie werden dabei immer professioneller. Aber braucht es für die „schönen Sachen“ trotzdem immer noch einen Verlag?
  • 0

FrankfurtEs ist der kürzeste Weg zum eigenen Buch: Autoren können im Internet ihre eigenen Werke auch ohne Verlag veröffentlichen – Self-Publishing nennt das die Branche. Seit Jahren gibt es dafür Plattformen wie Books on Demand, Bookrix oder Epubli. Jedes Jahr erscheinen laut einer aktuellen Studie zu Self-Publishing rund 40.000 verlagslose Bücher mit einem Umsatz von schätzungsweise 4,4 Millionen Euro.

Inzwischen sind diese E-Books nicht nur etwas für Hobbyautoren, wie jetzt auf der Frankfurter Buchmesse zu beobachten ist: Die Portale werden auch für die klassischen Verlage immer wichtiger, die Bücher werden immer professioneller. Tom van Endert, Mitgründer vom Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat sagt: „Self-Publishing ist aus 2014 aus der ‚Schmuddelecke‘ herausgekommen.“

Der Markt wächst, weil gerade für junge Autoren der Weg zum Leser kurz und die Gewinn-Vorteile groß sind. Das weiß auch Tobias Gillen. Der 21-jährige Journalist hat bereits drei Bücher über das Thema „Sichere Kommunikation im Internet“ herausgegeben; die ersten zwei sowie die E-Book-Ausgabe des dritten Buches hat er auf der Self-Publishing-Plattform Xinxii selbst publiziert.

Gillen sagt: „Für mich hat sich das viel mehr gelohnt.“ Von der Idee bis zum fertigen E-Book habe er seine Freiheit gehabt – „niemand, der mir reinfunkt“. So, wie er das vom freiberuflichen Journalismus kenne. Unabhängig geschrieben, frei verlegt, hat er seine Bücher also.

Ein weiterer Vorteil war die Finanzierung: Die Ausgaben für Druck, Marketing und Co. fallen weg. Das Buch erscheint online und die Vermarktung übernimmt Xinxii. Für jeden Anbieter, den die Plattform an Land zieht, also Amazon, den iBook-Store von Apple usw. bekommt Xinxii eine Provision.

„Rund 70 Prozent meiner Bücher wurden über Amazon gekauft“, sagt Gillen. Beim zweiten Buch habe er das Vertreiben selbst übernommen, nur bei Amazon allerdings. „So konnte ich die Provision selbst abgreifen.“

Trotz der Vorteile hat Gillen die Veröffentlichung seines dritten Buches zumindest teilweise an einen Verlag gegeben. Nicht, weil er mit der Umsetzung der ersten beiden nicht zufrieden gewesen wäre. Aber: „Ein Print-Buch herauszugeben, ist nicht im Rahmen meiner Möglichkeiten. Das wäre ohne professionelle Hilfe wahrscheinlich gefloppt.“

Kommentare zu " Frankfurter Buchmesse: „Wir brauchen keinen Verlag“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%