Friedenspreis für Lanier
Humanismus kontra künstliche Intelligenz

Einen solchen Preisträger hat die Frankfurter Paulskirche noch nicht erlebt. Der deutsche Buchhandel ehrt einen Computer-Freak, der über digitale Auswüchse schimpft. Und dann ganz analog auf einer Bambusflöte spielt.
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Frankfurt/MainJaron Lanier ist eine schillernde Figur. Dass ihn der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels überrascht hat, nimmt man ihm sofort ab. Auch andere sind überrascht, den Informatiker aus den USA nun in einer Reihe mit Preisträgern wie Albert Schweitzer (1951), Ernesto Cardenal (1980) oder Jürgen Habermas (2001) zu sehen. Der diesjährige Friedenspreisträger hat ein Computerspiel programmiert, „Moondust“, und drei Bücher geschrieben, die aktuelle Fragen der digitalen Gesellschaft behandeln. In der Frankfurter Paulskirche holt er am Sonntag weiter aus, gelangt „zur Formulierung einer alten Idee, die in der Vergangenheit viele Formen hatte: Humanismus“.

Aus Sicht mancher Kritiker reicht Laniers theoretischer Tiefgang nicht viel weiter als die erste Seite einer Google-Suche. „Was genau ist eigentlich 'humanistisch' an Laniers Vision?“ fragte etwa Evgeny Morozov in seiner Besprechung von Laniers Buch „Wem gehört die Zukunft?“ in der „Washington Post“. Die Vergütung von ein paar Cent für die Bereitstellung persönlicher Daten an Google oder Facebook - das sei doch wohl kaum etwas, was Mensch-Sein ausmachen könne.

In Frankfurt nennt Lanier einige Facetten seiner Vorstellung von Humanismus für die digitale Gesellschaft. Dazu gehört die Ablehnung von Künstlicher Intelligenz und einer „posthumanen Bewegung“, die an die Unsterblichkeit durch Technik glaube. Als Beispiel nennt der Preisträger Google, das eine Organisation mit dem Ziel finanziere, „den Tod zu überwinden“. Nein, er habe nichts gegen große Unternehmen, versichert Lanier und fügt hinzu, dass er zurzeit für Microsoft arbeitet - der Software-Konzern befindet sich seit Jahren in einem heftigen Clinch mit Google.

Umso artiger geht Lanier mit seinen Gastgebern um, betont, wie wichtig doch das Buch sei. Deswegen schreibe auch er selbst als „Geschöpf der digitalen Kultur“ Bücher - „wenn es Zeit ist, einen Blick auf das große Ganze zu werfen“.

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