Lösungen für die Zukunft
Gibt es bald noch genug Arbeit?

Auf der Frankfurter Buchmesse sind Wirtschaftsthemen spannend wie nie. Top-Autoren stellen die richtigen Fragen und geben bemerkenswerte Antworten: Es geht um die Zukunft der Arbeit. Und die dürfte vielen Angst machen.
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DüsseldorfWie arbeiten wir in Zukunft? Werden uns Roboter und Computer überhaupt noch welche übrig lassen? Hat der Kapitalismus eine Zukunft? Wie wird sich unser Wirtschaftssystem verändern? Was kommt im Besonderen auf Deutschland zu und auf unseren Mittelstand? Selten haben sich so viele Top-Autoren auf derartig facettenreiche Art und Weise gleichzeitig den drängendsten Fragen unserer Gesellschaft gewidmet wie in diesem Spätsommer. 

Viele Autoren sind sich einig: Seit seinen Anfängen begleitet den Kapitalismus nichts so sehr wie das Prinzip, dass Arbeit durch Maschinen verdrängt wird. Durch die Computerisierung und nun auch durch das sogenannte Internet der Dinge hat dieses Prinzip derart an Fahrt aufgenommen, dass die Mittelschicht mittelfristig in ihrer Existenz bedroht ist. Wo Roboter arbeiten, ist für Menschen kein Platz mehr. Und als was arbeiten dann eines Tages unsere Kinder und Enkel?

Am ausführlichsten hat sich der Autor Jeremy Rifkin in seinem Buch „Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft” mit diesem Megatrend auseinandergesetzt. Der Amerikaner gilt als einer der wichtigsten Gesellschaftstheoretiker und einflussreichsten Kulturkritiker der Welt – und wird eben auch als Visionär geschätzt. Rifkin sieht für den Kapitalismus die dringende Notwendigkeit zur Veränderung.

Seine radikale These: In einer wettbewerbsorientierten Gesellschaft, die immer mehr produziert, fallen ständig die Preise, bis kein Gewinn mehr abfällt. So steuern wir auf die Null-Grenzkosten-Produktion hin. Das heißt, dass es bei vielen Produkten egal ist, ob man 10.000 davon herstellt oder eine Million – vor allem durch das Internet der Dinge und den massiven Einsatz von Robotern –, weil die Kosten für jede zusätzlich produzierte Einheit fast bei null liegen. Doch ohne Grenzkosten gibt es für die meisten Firmen keinen Profit mehr und ohne diesen geht dem ganzen System der Saft aus. Millionen Fabrikarbeiter müssen sich einen neuen Job suchen. Das Gewinnstreben funktioniert nicht mehr und im Jahr 2050 werden wir ein anderes Wirtschaftssystem haben, glaubt der Ökonom.

Doch er wäre nicht der „Gute-Laune-Ökonom“ der er ist, wenn ihm nicht auch eine Antwort auf die Frage einfallen würde, als was unsere Enkel in einigen Jahrzehnten arbeiten werden: Rifkin glaubt an den starken Arbeitgeber Zivilgesellschaft, wenn auch derzeit noch mitunter als „Non-Profit-Organisationen“ verschrien. Doch schon heute schließen sich diesen immer mehr talentierte junge Menschen an, um soziales Kapital zu schaffen. Der Kapitalismus, daran hat Rifkin keinen Zweifel, wird in Zukunft nur noch in Nischen stattfinden.

Kommentare zu " Lösungen für die Zukunft: Gibt es bald noch genug Arbeit?"

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  • Fortsetzung

    Flatrate-Einkommen für alle als bedingungsloses Bürgergeld muss kommen oder es wird blutig, kriminell und chaotisch für alle. Die neuen Feudalherren werden sich unter solchen Bedingungen auch nicht ewig schützen und abschotten können. Okay, im alten Rom klappte das auch über mehrere Generationen, indem man für genügend Brot und blutrünstigste Spiele zur Aggressionsbefriedigung sorgte.

  • Selbstverständlich stirbt der Kapitalismus, wir erleben es gerade wie er zum modernen Neofeudalismus mutiert wird.

    “Große Einigkeit herrscht zwischen allen Autoren bei der Frage, wie man sich auf die Zukunft am besten vorbereitet: durch Bildung.“

    Das war schon immer das Mantra der Klugscheißer. Vor Jahren hatte ich mal gelesen Toronto sei die Stadt mit den meisten Taxi fahrenden Kardiologen aus Indien. Was sagt man allen falsch ausgebildeten mit Diplom, Master oder Doktortitel in der Tasche?! Bildung und Ausbildung ist das Ziel und nicht nur der Weg im Leben?!
    Diese zynische [...] glaubt doch kein Mensch mehr, wenn er halbwegs informiert ist. Wer Glück hatte soll das doch bitte nicht verallgemeinern [...], alle müssten nur seinen Fußabdrücken folgen und gut ist es. Drei Dinge müssen schon zusammenkommen, Talent, eiserner Wille bzw. Disziplin und notwendiges Glück oder Vitamin B (wie Beziehungen)!!!

    Ansonsten ist es Fakt, ca. vierzig Prozent der heutigen Arbeitsplätze fallen in den nächsten zwanzig bis fünfundzwanzig Jahren definitiv ersatzlos weg. [...]!
    In „Non-Profit-Organisationen“ für lau zu arbeiten wird die wenigsten auf Dauer befriedigen können, sehr schnell wird man als unwerter Mensch von der Gesellschaft gedisst oder benachteilt werden und der Neid auf den Luxus der anderen wird die Psyche ebenfalls nicht unbeeindruckt lassen.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Ein tröstendes Zitat: Autos kaufen keine Autos.

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