„Narconomics“
So führt man ein Drogenkartell erfolgreich

Ein Buch wie eine Überdosis: Ein Wirtschaftsjournalist untersucht die Arbeit der Drogenbosse und entlarvt die Fehler der Politik mit ökonomischer Präzision. Seine Ratschläge sind nur auf den ersten Blick verstörend.

DüsseldorfTun wir einfach mal so, als wären Drogenbarone nicht nur Kriminelle mit einer exzessiven Leidenschaft zu Brutalität, sondern auch CEOs von milliardenschweren Unternehmen. Mal abgesehen davon, dass einige ihrer Spielregeln sich erheblich von denen klassischer Firmen unterscheiden: Im Grundsatz gelten für Kartelle dieselben Regeln wie für jedes andere Wirtschaftssubjekt auch.

Und deshalb behandelt der Wirtschaftsjournalist Tom Wainwright die Kartelle auch wie Unternehmen und beurteilt die Politik in aller Welt danach, wie erfolgreich sie ihre Machenschaften eingrenzen. Das Ergebnis, soviel sei vorweg gesagt, ist vernichtend: Die allermeisten Initiativen von Regierungen führen ins Nichts oder richten sogar mehr Schaden an, als dass sie helfen. Die Schlussfolgerung daraus ist so verstörend wie logisch.

Doch der Reihe nach: Wainwright zog 2010 nach Mexiko, um von dort als Korrespondent für das renommierte Magazin „Economist“ zu schreiben. Schnell wurde er ein Fachmann, verlor aber bei aller regionalen Nähe nie die Grundsätze unternehmerischen Handelns aus den Augen. So entstand seine bekannte Kolumne „Narconomics“. Das Beste daraus ist nun in seinem gleichnamigen Buch zu lesen.

Kapitel für Kapitel nimmt er sich die Maßnahmen vor, mit denen Kartelle bisher schon bekämpft werden und wie die Wertschöpfung funktioniert: Ein Kilo Kokablätter kostet 385 Dollar. Das daraus gewonnen Kokain gibt es in Kolumbien für 800 Dollar. Wenn es die USA erreicht, ist die Menge Koks schon 14.500 Euro wert. Auf der Straße bringt es dann 78.000 Dollar; wenn es verschnitten wird sogar bis zu 120.000 Dollar.

Wozu führt es zum Beispiel, wenn in Südamerika Koka-Felder vernichtet werden? Die Bauern vor Ort leiden, die Wirkung trifft die falschen Leute. Denn die Kartelle tragen ja nicht das Kostenrisiko, wenn ein Feld abbrennt. Die Bauern haben in der Regel nur einen Abnehmer, die Kartelle ziehen einfach weiter. Es ist also nur auf den ersten Blick sinnvoll, das Problem an der Wurzel zu packen, sprich beim Anbau.

Zweitens versuchen viele Behörden, der Hydra den Kopf abzuschlagen. Doch das Beseitigen eines Clanführers hat noch kein Kartell zur Aufgabe gebracht, im Gegenteil sorgt es für Instabilität und provoziert Machtkämpfe – was zehntausenden Unschuldigen das Leben kostete. Zugegeben kommt es aber gut an in den Medien, wenn in den Nachrichten ein Drogenboss abgeführt wird.

Der Autor erklärt auch, wie man den Kartellen schaden kann beziehungsweise unter welchen Problem sie leiden. Dazu gehört der Bereich Human Resources: Es sei alles andere als einfach, geeignetes Personal zu finden – trotz der vergleichsweise hohen Löhne. Die unsichere Vertragslage, die Gefahr für Leib und Leben, die Launenhaftigkeit der Vorgesetzten – all das sorge für eine hohe Fluktuation.

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Die beste Lösung für das Drogenproblem

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