Seiwert-Rezension „Das neue Zeit-Alter“
„Du bist was du denkst: fit oder fertig“

Überalterte Gesellschaft? Demographie-Panik? Altersarmut? Was mit alternden Autoren geschieht, wenn sie die erste Werbung für Senioren im Briefkasten finden, zeigt Lothar Seiwert etwas unfreiwillig in seinem neuen Buch.
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DüsseldorfKennen Sie auch das Phänomen, dass Schwangere gerne oft und ausführlich über ihre Schwangerschaft und nach der Geburt dann nur noch über ihren Nachwuchs reden? Nun, es liegt offenbar in der Natur der Eltern, dass sie immer mit einem halben Gedanken bei ihren Kindern sind. Aber ich möchte zugeben, dass mir die Intensität dieses elterlichen Mitteilungsbedürfnisses bisweilen auf den Keks geht.

Bitte verstehen Sie mich jetzt nicht falsch, ich bin alles andere als kinderunfreundlich. Mir kann es sogar als Nicht-Mutter ganz recht sein, wenn es unserer Gesellschaft an Kindern nicht mangelt.

Worauf ich hinaus möchte: Es scheint auch bei Älteren genauso wie bei Eltern vollkommen gängig zu sein, dauernd über das Alter, den Ruhestand und das Leiden im Alter zu reden.  Jüngstes Beispiel ist der Beststeller-Autor und Zeit-Management-Experte Lothar Seiwert, offenbar erst seit kurzem 60 Jahre alt, der sich nun mit Haut und Haaren dem Thema Alter verschrieben hat. Gerade ist sein neuestes Buch „Das neue Zeit-Alter: Warum es gut ist, dass wir immer älter werden“ im Ariston-Verlag erschienen – ein Buch, das auf den ersten Seiten in einem Ausmaß düstere Zukunftsvisionen skizziert, dass der Astrologe Nostradamus mit den Ohren schlackern würde.

Seine Ausgangsthese: „Uns ist nicht wirklich klar, welche Konsequenzen das Älterwerden hat. Wir sind nicht darauf vorbereitet.“ Und: „Die Folgen, die uns nun bevorstehen, sind desaströs.“ Ausführlich und nicht ohne an dramatischen  Formulierungen wie „eine Welle der Alten“ oder „ein Tsunami, der da auf uns zukommt“ zu sparen, beschreibt Seiwert im ersten Teil seines 256-Seiten starken Buchs die „graue Republik“, in die sich unsere Gesellschaft mit „rasender Geschwindigkeit“ verwandeln wird. Sie ist geprägt von Altersarmut, schrecklich überfüllten Pflegeheimen, Demographie-Panik allerorten und einem erodierenden Renten- und Krankenkassensystem.

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