Steigende Umsätze
Erfolgsrezept Kochbuch

Das gedruckte Buch als Auslaufmodell? Nicht zwingend. Bei Kochbüchern können Verlage sogar steigende Umsätze verbuchen. Doch das Erfolgsrezept für einen Verkaufsschlager ist gar nicht so leicht zu finden.
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Düsseldorf/KölnDas „Model“ von Klaus Arras ist an diesem Tag zwar ungemein süß, doch der Fotograf ist noch nicht zufrieden. Sein Model ist – handelsüblicher Honig. „Man sieht ihn noch nicht so richtig“, sagt Arras zur anwesenden Foodstylistin. Sie träufelt noch ein paar Tröpfchen auf das Müsli. „So ist es besser“, sagt er, schaut durch den Sucher seiner Kamera und drückt auf den Auslöser.

Anders als seine Kollegen an den Laufstegen dieser Welt fotografiert Klaus Arras keine Menschen, sondern Essen. Er ist „Food-Fotograf“ und macht Bilder von Nudelgerichten, Desserts oder eben Müslischalen für Kochbücher, Werbung oder Supermarktverpackungen. Die Müslischale ist für ein Buch über Fluch und Segen von Kohlenhydraten einer bekannten Gruppierung, die sich auf das Abnehmen spezialisiert hat.

Die Deutschen lieben ihre Küche – vor allem in Buchform

Was in dem Buch hinterher locker und lecker aussieht, wird in der Praxis akribisch geplant. Arras überlegt sich genau, welchen Teller er verwendet, ob er eine dunkelblaue Tischdecke oder ein helles Tuch verwendet, wie das Orangensaftglas im Hintergrund steht. Für das perfekte Bild braucht es keinen perfekten Frühstückstisch: Das Foto von der Müslischale entsteht auf einer Holzplatte, die auf mehreren leeren Mineralwasserkästen ruht.

Während der Fotograf die Requisiten und den richtigen Ausschnitt bestimmt, bereitet Foodstylistin Katja Briol in der Küche Putenfleisch für das nächste Gericht vor. Die Vorbereitung dauert – je nach Gericht – etwa 20 bis 30 Minuten, die Fotos selbst nur wenige Minuten. Dann weiß Arras, welches Bild ihm am besten gefällt. Bei dieser Produktion werden die einzelnen Aufnahmen mit dem Kunden abgestimmt, was ansonsten nicht der Fall ist. Doch wenn ihm das Müsli nicht passt, muss es noch einmal auf den Tisch.

Detaillierte Arbeit ist für Kochbücher heute unentbehrlich. Denn die Anleitungen zur Essenszubereitung sind längst mehr als reine Grundlagenbücher, sie verkaufen auch einen Lebensstil. Fotos sind ein wichtiges Verkaufsargument – ebenso ein bekanntes Gesicht oder ein gutes Thema. Doch gut gemacht heißt noch lange nicht erfolgreich.

Klar ist: Die Deutschen lieben Kochbücher. Das lässt sich am Umsatzwachstum nachweisen. Nach Angaben von GfK Entertainment lag dies im vergangenen Jahr mit 16,6 Prozent rund 80 Mal höher als noch 2010. Damals hatte das Plus lediglich bei 0,2 Prozent gelegen. Besonders beliebt: Kochbücher zur gesunden oder schlanken Küche und Themenkochbücher, also etwa im Landhausstil oder zur cholesterinfreien Ernährung.

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