Talent-Scout
Die dunklen Seiten der Fußball-Bundesliga

Die schönste Nebensache der Welt? Das mag die Fußball-Bundesliga für Fans sein. Und für viele Kicker eine Goldgrube. Doch wer in diesem Geschäft arbeitet, muss extrem leidensfähig sein. Wie sehr, zeigt ein neues Buch.

Lars Mrosko hat Edin Dzeko entdeckt und mit dafür gesorgt, dass er zum VfL Wolfsburg wechselte. Dank des Bosniers errangen die „Wölfe“ die 2009 Meisterschaft – vom späteren Millionenerlös durch den Verkauf Dzekos an Manchester City mal zu schweigen. Es war der Höhepunkt in Mroskos Karriere. Neben Dzeko entdeckte er noch viele andere Kicker. Er arbeitete auch für den FC Bayern und St. Pauli. Seine Liebe zum Fußball hat der heute knapp 40-Jährige nicht verloren, aber mit dem Profigeschäft will er nichts mehr zu tun haben. Stattdessen liefert seine Biografie die Vorlage für eine spektakuläre Abrechnung.

„Mroskos Talente“ heißt das Buch von Ronald Reng – einer der wenigen deutschen Autoren, die richtig gute Sportbücher schreiben können. Das zeigte Reng vor allem mit der Biografie über Robert Enke, die wochenlang in den Bestsellerlisten stand. Wenn ihm ähnliches auch mit „Mroskos Talente“ gelingen würde – es wäre berechtigt. Denn die Geschichte von Lars Mrosko trägt selbst die gut 400 Seiten, die Reng braucht, um sie zu erzählen.

Lars Mroskos wäre am liebsten selbst Fußballprofi geworden, doch diesen Traum beendete eine schwere Verletzung. Dann erkannten er und auch andere sein Talent, Talente zu sehen. Scouting nennt man in der Sprache die wichtige Tätigkeit, Nachwuchsfußballer oder junge Profis auf Plätzen in der Pampa oder Jugendmeisterschaften zu erspähen und den großen Vereinen zu empfehlen. Lars Mrosko hat das sehr gutes Auge, das es dafür braucht, und einen starken Charakter, was ihn mit 23 Jahren zum FC Bayern München brachte.

Er wurde Honorar-Scout beim deutschen Rekordmeister und sollte in seiner Heimat Berlin inklusive der gesamten Region die Augen nach Top-Leuten offen halten. Zu dem Job kam er über Bekannte und Empfehlungen, was der erste Hinweis darauf ist, wie enorm wichtig ein Netzwerk ist, wenn man im Haifischbecken Bundesliga klarkommen will.

Mrosko wechselte im Laufe der Jahre zu St. Pauli und von dort zum VfL Wolfsburg, wo er seine besten Jahre verbrachte. Autor Ronald Reng schildert die Stationen Mroskos und was ihn bewegte. Dafür hat er nicht nur intensiv mit dem Scout selbst gesprochen, sondern auch mit seinen Freunden und Weggefährten – und zwar auch denen, mit denen sich Mroskos angelegt hat. Diese Quellenvielfalt rundet das Buch ab. Dieter Hoeneß war dabei, der ihn in Wolfsburg hinauswarf. Gut verstand sich Mrosko mit Felix Magath, dem Meistermacher in Wolfsburg. Als dieser zu Schalke 04 ging, stand Mrosko beim VfL kurz darauf in seinem Büro, das bereits geräumt war.

So geht es zu in der Bundesliga: Wer Dankbarkeit will, sollte sich einen Hund anschaffen. Mrosko reist an über 300 Tagen im Jahr durch Europa. Ohne Koffein-Tabletten und viele weitere Medikamente würde er den Job nicht hinbekommen. Er reibt sich auf, körperlich wie seelisch. Seine Beziehungen zerbrechen, obwohl er ein Frauentyp ist. Und das für wenig Geld und noch weniger Respekt. Ob es sich aus seiner Sicht am Ende vielleicht dennoch gelohnt hat – das wird an dieser Stelle nicht verraten.

Ronald Reng gelingt es, sachlich zu bleiben und doch die Emotion rüberzubringen, die Menschen wir Lars Mrosko antreibt, es immer wieder und wieder mit diesem extrem hohen Einsatz zu versuchen – und nie die Hoffnung zu verlieren, egal wie herb die Enttäuschungen ausfallen. Und eben weil es so viele Mroskos gibt, geht es in der Bundesliga so hart zu: Schmeiß ihn raus, wir kriegen schon guten Ersatz für wenig Geld – so das Motto.

Mrosko scheitert an seiner Ehrlichkeit – Kritiker würden es Mangel an Diplomatie nennen – am mangelnden Glück und am Ende auch an seinem Trotz. Am Anfang wirkt er naiv, aber die Vertrauensseligkeit verliert bei ihm schon in jungen Jahren. Allein zu wissen, was für ein böses Spiel gespielt wird, hilft in dieser Branche oft nicht.

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