Wo bleiben große Erfindungen?
„Wir wollten fliegende Autos, sie gaben uns 140 Zeichen“

Peter Thiel ist eine der aufregendsten Personen im Silicon Valley. Er gründete Paypal und wurde durch Facebook zum Milliardär. Heute kämpft der gebürtige Deutsche um die Zukunft, bevor die Wirtschaft vor die Hunde geht.
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DüsseldorfNach dem World Economic Forum in Davos im Jahr 2009 traf Peter Thiel eine Entscheidung: Er hatte genug vom Gerede der globalen Elite und beschloss, für die nächsten zehn Jahre weitgehend unterzutauchen. Die Finanzkrise und wie die Elite damit umging frustrierte den Milliardär. Nun ist er urplötzlich wieder da und sogar für den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis nominiert.

Seit vergangener Woche steht sein Buch „Zero to One – wie Innovation unsere Gesellschaft rettet“ in den deutschen Buchläden. Es entstand in Zusammenarbeit mit dem Studenten Blake Masters, der Thiels Ausführungen über Start-ups im Rahmen einer Vorlesung an der Universität Stanford mitschrieb. Sozusagen ein Zufallsprodukt und mit 190 schmalen Seiten gar nicht mal lang. Aber es ist eine phantastische Gelegenheit, in die Ideenwelt Thiels einzutauchen, auch wenn man nicht zufällig das Glück hat, den scharfen Kritiker des Bildungssystems im Hörsaal zu erleben.

Thiel ist einer der innovativsten Unternehmer im Silicon Valley, auch wenn er selbst in der Regel nichts erfindet. Aber der in Frankfurt geborene Amerikaner hat ein Händchen für lukrative Ideen: Er war Mitgründer von Paypal, Investor der ersten Stunde bei Facebook und ist unter anderem bei Palantir, SpaceX und Linkedin engagiert. In seiner Weltanschauung steht der Libertäre der Idee des Staates skeptisch gegenüber – ist also kein Freund von staatlichen Verwaltungsapparaten und behördlicher Aufsicht.

Thiel will in seinem Buch „keine einfache Erfolgsformel“ bieten, sondern zum Querdenken und zur Dreistigkeit ermuntern. Dennoch ist „Zero to One“ eine so eigentümliche wie gelungene Mischung aus einem Ratgeber für Start-ups und einer volkswirtschaftlichen Gesamtbetrachtung, bei der so mancher Leser beim Anstreichen der wichtigen Passagen reichlich Tinte investieren dürfte. Da hilft auch die nicht zu unterschätzende Großgeistigkeit des Philosophie-Absolventen, der gekonnt Nietzsche, Marx oder Hegel einbindet.

Um Thiels Welt zu verstehen, sollte man seine Sicht der Vergangenheit kennen, die in dem Buch leider zu kurz kommt: Beginnend mit dem Ölpreisschock 1973 begann es aus Thiels Sicht mit der Wettbewerbsfähigkeit der US-Wirtschaft bergab zu gehen. In den 80ern kehrte der Optimismus zwar vordergründig zurück und in den 90ern sorgte das Internet dafür, dass Vermögen über Nacht entstand.

Doch mit dem Jahrtausendwechsel begann ein Jahrzehnt der Enttäuschung. Die Spekulationsblasen waren Ausweichmanöver der Wirtschaftselite vor den tatsächlichen Problemen – also Folgen von kurzfristigen Lösungen zur Ablenkung der tatsächlichen Uninspiriertheit der Wirtschaft. Wachstum zulasten von rasant wachsenden Schuldenbergen, Ressourcenknappheit und Umweltzerstörung - etwas Grundlegendes funktionierte nicht mehr. Zukunftsfähig sei der Kapitalismus unter diesen Bedingungen nicht: „Wenn sich die alten Methoden der Wertschöpfung in aller Welt ausbreiten, wäre das Ergebnis nicht Reichtum, sondern das Ende.“

Seite 1:

„Wir wollten fliegende Autos, sie gaben uns 140 Zeichen“

Seite 2:

„Monopole sind besser als der Wettbewerb“

Seite 3:

Vier Gründe für den Mangel an Ideen

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