Arbeitsalltag
So motivieren Sie Ihre Mitarbeiter

Spaß an der Arbeit haben nur wenige in Deutschland Beschäftigte. Mit Bonussystemen wollen das viele Vorgesetzte ändern. Doch das funktioniert nur bedingt. Wie Unternehmen Mitarbeiter wirklich motivieren können.
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DüsseldorfIm alten Job hatte das Bonussystem einwandfrei funktioniert: Wenn ein Mitarbeiter eine bestimmte Verkaufsmarke erreichte, wurde er vor dem ganzen Team öffentlich belohnt und feierlich in den „Club der Besten“ aufgenommen. Im neuen Job wollte der Manager das System erneut anwenden – doch es funktionierte nicht. Jedes Mal, wenn ein Mitarbeiter kurz davor stand, eine Bestmarke zu erreichen, brach die Leistung ein.

Der Manager suchte Rat und fand ihn bei Motivationspsychologe Rolf Schmiel. Der ging den Ursachen auf den Grund. Und stellte fest: Während das Team im alten Job hauptsächlich aus Männern bestand, waren im neuen größtenteils Frauen tätig. Und denen war es peinlich, vor allen anderen gelobt zu werden. Sie hatten das Gefühl, den anderen aus ihrem Team vor das Schienbein zu treten. Das Belohnungssystem funktionierte nicht mehr.

Ein Beispiel für Irrwege, mit denen Unternehmen glauben, ihre Mitarbeiter motivieren zu können. Größere Autos, mehr Geld, interne Auszeichnungen – das Repertoire der potenziell leistungssteigernden Mittel ist kaum zu erschöpfen. Doch Motivation ist nicht käuflich. Und sie funktioniert nur individuell.

Motivation wäre in deutschen Unternehmen dringend notwendig. Dem US-Forschungsinstitut Gallup zufolge brennen 67 Prozent der Deutschen nicht für ihren Job – sie machen lediglich Dienst nach Vorschrift. 17 Prozent der arbeitenden Bevölkerung sind nicht nur unglücklich an ihrem Arbeitsplatz, sondern leben das auch noch aus: Sie machen die Erfolge schlecht, die engagiertere Mitarbeiter im Unternehmen erreichen. Das ist teuer: Gallup schätzt den Schaden durch unmotivierte Mitarbeiter auf 99 bis 118 Milliarden Euro pro Jahr.

Mit Bonussystemen versuchen Unternehmen, dagegen zu steuern. Doch ein bisschen mehr Geld am Ende des Jahres treibt längst nicht jeden zu Höchstleistungen: Die US-Forscher Heidi Grant Halvorson und E. Tory Higgins haben in Untersuchungen herausgefunden, dass sich die materielle Motivation von Mitarbeitern in zwei Lager aufteilen lässt. Diejenigen, die immer gewinnen wollen, die nach jedem Plus streben, das ihnen angeboten wird, die immer mehr wollen. Das treibt sie an. Für sie sind Bonussysteme wie geschaffen.

Aber es gibt auch diejenigen, die eher versuchen, ihren Status Quo zu halten, die sich dadurch motivieren lassen, dass sie einen Verlust befürchten müssen, wenn sie ein bestimmtes Ziel nicht erreichen. Und die werden nicht durch ein Bonussystem mehr leisten.

Für Dirk Schmidt ist das Ergebnis nicht verwunderlich. „Was für andere funktioniert, muss nicht für mich funktionieren“, sagt der Motivationstrainer. Der Erfolg stelle sich oft erst dann ein, wenn das Unternehmen seinen eigenen Weg gehe. Das sieht sein Kollege Rolf Schmiel ähnlich. „Einheitliche Bonussysteme führen eher zu Frustration als zu Motivation“, sagt er. Doch viele Arbeitgeber würden lieber „Prozesse managen als Menschen zu führen“. Sprich: Sie haben lieber ein einheitliches System als ein funktionierendes für jeden einzelnen Mitarbeiter – wie auch das Beispiel am Anfang zeigt. Wer seine Mitarbeiter aber wirklich motivieren will, der muss jeden einzeln genau nach dessen Präferenzen belohnen.

Kommentare zu " Arbeitsalltag: So motivieren Sie Ihre Mitarbeiter"

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  • Ein Beispiel wie man Motivation vernichtet: Es kam ein neuer IT Chef. Seine Angewohnheit in Gesprächen ist ständig verschränkte Arme hinter dem Kopf, weit zurückgelehnt und die Beine übereinandergeschlagen. Dann tauchte auch sein XING Profil auf. Dort steht er sei ein Junkie - ein Adrenalin Junkie; und Mitarbeiter muss man auspressen wie Zitronen.
    Die MA der IT waren eine eingeschworene Mannschaft; gemeinsame Unternehmen seit Jahren gelebte Normalität. Innerhalb von 2 Jahren sind diese Aktivitäten beendet, das Weihnachtsessen wird boykottiert und gegenseitige Hilfe ist völlig unbekannt. Dienst nach Vorschrift ist schon viel zu viel Engagement und der Krankenstand hat sich verdoppelt. Augenblicklich sind 3 MA wegen Burn-out langfristig erkrankt. 2 weitere laborieren an ihren Burn-out Symptomen. 2 MA verwirklichen sich im Betriebsrat und eine als Schwerbehindertenbeauftragte. Und jeder sucht nach einem frühen Abflug in den vorgezogenen Ruhestand. 40 % der IT MA können ab nächsten Jahr dies verwirklichen oder in Teilzeit gehen.

  • Nachhaltige Motivation braucht Zeit, Verständnis und kostet Geld. Mal eben auf die Schnelle wird das wohl nicht funktionieren. Ja die Mitarbeiter sind unterschiedlich und reagieren durchaus verschieden. Mit einer Hauruck Philosophie geht das nur kurzfristig oder gar nicht. Viele sind gesättigt, noch ein Stück Brot wird als Motivation nicht funktionieren. Also ist mal wieder Management gefragt. Nicht Motivationszauberei sondern Verständnis, nicht nur für Prozesse sondern auch für Menschen.

  • Die Überschrift ist falsch gewählt. Es sollte dort lauten: "So demotivieren Sie Ihre Mitarbeiter".

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