Arbeitszeit
Vier Tage schuften, drei Tage frei

Gesünder, kreativer, glücklicher und auch kein Montagsblues mehr: Erfolgreiche Firmenchefs machen sich stark für Teilzeit. Kürzere Arbeitszeiten sollen die Effizienz steigern. Droht der Fünftagewoche das Aus?
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KölnNach drei Tagen im Büro kann sich Nina Schuster den Rest der Woche um ihre Zweitkarriere kümmern - und die ist flauschig. Die 30-Jährige hat im Juni ein kleines Modelabel gegründet: der „Kölsche Kopp“. Sie verkauft selbst gehäkelte Mützen, Stirnbänder und Handytaschen. „Das macht mir unglaublich viel Spaß, und ich genieße es, die Zeit dafür zu haben“, sagt Schuster.

Dass sie die Zeit dafür hat, liegt an ihrem eigentlichen Job. Die Kölnerin ist Quartiersmanagerin, arbeitet als Teilzeitkraft. „Anfangs fand ich das nicht so gut und wollte lieber Vollzeit arbeiten“, sagt sie. Inzwischen aber hat Schuster gemerkt: Nur drei Tage angestellt zu sein hat auch Vorteile. „Man kann andere Sachen ausprobieren. Ich arbeite zum Beispiel noch in der Mittagsbetreuung in einer Schule, das ist eine tolle Erfahrung“, sagt sie. „Und ich kann entspannt einkaufen gehen. Wenn mein Freund am Freitagabend auch frei hat, haben wir wirklich Zeit für uns, weil der Kühlschrank schon gefüllt ist.“

So wie Nina Schuster sollen wir es bald alle machen. Findet zumindest Carlos Slim. Der mexikanische Unternehmer und reichste Mensch der Welt hat vor kurzem einen revolutionären Vorschlag gemacht: Statt fünf Tage sollten Arbeitnehmer nur noch drei Tage ins Büro kommen. Danach hätten sie vier Tage Wochenende und so mehr Zeit für die Familie, um Fremdsprachen oder ein Instrument zu lernen oder um zu entspannen.

Carlos Slim ist nicht der einzige, der die Fünftagewoche abschaffen will. Auch Google-Gründer Larry Page sagte vor kurzem in einem Interview: „Die meisten Menschen gehen grundsätzlich gerne zur Arbeit, aber alle hätten gerne mehr Zeit für ihre Familie und ihre Hobbys. Eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit würde dieses Problem lösen.“

Ein anderer Star der Technologiebranche zeigt schon seit vier Jahren, dass man auch mit weniger Zeit im Büro viel erreichen kann - und das zudem noch bei vollem Gehalt. Ryan Carson ist Mitgründer und Chef von „Treehouse“, einer Plattform, auf der man Onlinekurse für Programmiersprachen und Webdesign buchen kann. Treehouse ist eine dieser Internet-Erfolgsgeschichten aus den USA, doch eine Sache unterscheidet das Start-up: Die 70 Mitarbeiter arbeiten nur vier Tage in der Woche und haben danach drei Tage frei.

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